Die Sonne knallt auf das Parkhausdach. Nackte Babys plantschen im Pool, Mütter in Designerklamotten trinken Kaffee. Gegenüber der Bar gönnen sich anzugtragende Geschäftsmänner ein Bier zur Mittagspause.Wir sind in der Long Island Summer Lounge. In unmittelbarer Nähe zur Goethestraße, wo sich Shops von Chanel, Louis Vuitton oder Hermès wie Perlen einer Kette aneinander reihen, und zur Fressgass“, wo Feinkostläden, Restaurants und kleine Boutiquen zum Geldausgeben locken. Hier oben kommt man in den Genuss maritimer Atmosphäre inklusive Traumpanorama. Statt aufs Meer blickt man auf die Frankfurter Skyline. Ein Vergnügen, das natürlich seinen Preis hat.Wie fast überall in dieser Gegend sind Getränke und Essen hier teurer als woanders. Die Laden-Mieten gehören angeblich zu den höchsten der Stadt. Die Vorzeigelocation von Gastronom Nikos Gatzias aber boomt.

Alles begann 1988. Damals übernahm Nikos Gatzias das Café im Hof. Schnell wurde das großräumige Café unterhalb der Kaiserhofstraße zum Szenetreffpunkt Nummer eins in Frankfurt. In den Räumen des Cafés im Hof befindet sich heute das Seafoodrestaurant Lobster – und Nikos Gatzias ist mittlerweile gemeinsam mit Immobilien-Visionär Ardi Goldman Herr über ein Gastroimperium, das neben den beiden Sansibar- Locations auch das Restaurant Goldman auf der Hanauer Landstraße, den Szene- Italiener Das Leben ist schön sowie die zwei Long Island Lounges hier auf der Kaiserhofstraße betreibt. Der Sohn griechischer Gastarbeiter hat noch weitere Pläne. Er träumt von einem Das Leben ist schön auf griechisch.Vielleicht hier in der Gegend, der seiner Meinung nach die Gefahr der Filialisierung droht. Die sieht auch Heiner Halberstadt vom Club Voltaire.

Die linksalternative Kneipe in der Kleinen Hochstraße ist ein krasser Gegensatz zum Glanz und Schick der Gegend. Direkt gegenüber dem Szene-Italiener Garibaldi befindet sich die Institution. Halberstadt gehört zu den Gründungsmitgliedern der seit der Silvesternacht 1962/63 bestehenden Kneipe, die neben dem für jedermann erschwinglichen Gastronomiebetrieb – es gibt keinen Verzehrzwang und die Preise sind sehr fair – auch Veranstaltungen bietet. Hier waren schon Schriftsteller und Politiker wie Erich Fried und Joschka Fischer zu Gast, hier treffen sich die Frankfurter Jusos genauso wie der Chaos Computer Club und Mitarbeiter des Titanic-Magazins. Die Lage zwischen all den blasierten Luxusläden findet er wenig problematisch: „Hier herrscht ein nettes nachbarschaftliches Verhältnis, individuell sogar freundschaftlich.“ Und er erzählt, dass er früher in den umliegenden Geschäften Lebensmittel für den Club gekauft hat: „Damals gab es mehr Kontakt zu den Geschäftsleuten. Das hat leider nachgelassen, weil es keine inhaberbetriebenen Läden mehr gibt. Alles sind Franchise-Unternehmen“. Dass sich der linke, jedoch parteiunabhängige Club Voltaire so lange hier halten kann, hat er einer ehemaligen Hausbesitzerin zu verdanken. Die „hatte Spaß an den Menschen und der Sache hier und hat ihren Erben die Auflage gemacht, dieses Haus nicht zu verkaufen, solange der Club Voltaire drinnen ist.“ In vier Jahren feiert der Club 50jähriges Jubiläum.


Heike Klauer