Der Mann hat eine Stimme wie die Märchenerzähler von den Schallplatten unserer Kindheit. Tief, beruhigend und sympathisch. Überhaupt wirkt Dieter Buroch nicht so, wie man sich den Leiter eines renommierten und weltweit bekannten Künstlerhauses vorstellt. Keine Spur von Hektik, Arroganz oder Exaltiertheit. Er hat Humor, ist besonnen und sehr unterhaltsam. Und er weiß genau, was er will. Auch nach 20 Jahren Intendantenarbeit liegt ihm die Förderung junger Künstler am Herzen: „Unsere Gesellschaft ist auf ganz junge Künstler angewiesen. Bei den Etablierten, da weiß man, was kommt. Die haben ihre Themen. Die neuen Ideen, das Unverbrauchte aber kommt von den Jungen. Wir brauchen Querdenker in der Stadt, die sich auch mal auflehnen, neue Impulse geben“.

Querdenker und neue Impulse lässt Buroch bei sich im Haus genauso zu wie renommierte Gruppen. Das Mischprogramm aus jungen innovativen Tanz- oder Theaterproduktionen, Lesungen, Chanson-Abenden und etablierten Tanzdarbietungen ist vorbildlich. Genauso wie die Festivals und Reihen wie die „Tanzoffensive“, die Bewusstsein dafür schaffen soll, das Frankfurt mal eine Tanzstadt und als solche international anerkannt war. Daran anzuknüpfen ist Buroch ein Anliegen.

Ein weiteres Anliegen von ihm: die Situation in der Stadt verändern. „Ich würde gerne mehr dafür tun, dass in Frankfurt eine größere Künstlerszene entsteht, dass mehr Künstler die Gelegenheit haben, hier zu arbeiten. Künstler brauchen nicht immer nur Geld, Künstler brauchen Raum. Raum, ein bisschen Beratung und Infrastruktur – dann kommt was ins Rollen. In Frankfurt fehlen subkulturelle Spielstätten, weil hier alles glattsaniert wird. Man muss ein Bewusstsein bei Kulturpolitikern dafür schaffen.“

Einem von ihnen hat er seine Karriere zu verdanken. Als Buroch 1977 gemeinsam mit seiner Künstlergruppe Omnibus zum sehr erfolgreichen „Neun-Tage-Fest“ in den damals leerstehenden und runtergekommenen Mousonturm lud, wurde der Kulturdezernent Hilmar Hoffmann auf ihn aufmerksam. Hoffmann hatte gerade das Buch „Kultur für alle“ geschrieben – in Dieter Buroch sah er den richtigen, um dieses Konzept umzusetzen. Mit einem kleinen Etat von 60 000 Euro ausgestattet, fing Buroch an, Ideen zu verwirklichen. „Lieder im Park“, „Jazz im Museum“ und „Literatur im Römer“ entstanden in dieser Zeit. Die Arbeit hat ihm Spaß gemacht: „Auf einmal habe ich eine Funktion gehabt, war nicht mehr nur der Verrückte aus Bornheim.“ Dabei hatte er eins immer im Hinterkopf: „Wenn du das gut machst, darfst du irgendwann den Mousonturm planen“. Er durfte. Zehn Jahre nach dem „Neun-Tage-Fest“ eröffnete das Künstlerhaus seine Pforten.

Unsere Autorin Heike Klauer ist Redakteurin in der
Frankfurter PRINZ-Redaktion. Mit Dieter Buroch war sie Mittagessen im: Leon D’Oro, Ostend,Waldschmidtstr. 30,Tel. 439769, Di-So 12-14.30 u. 18-24 Uhr