PRINZ: Das exground filmfest 22 beinhaltet die größte Wettbewerbsdichte der vergangenen Festivals. Kann das Publikum da noch durchblicken?
Andrea Wink: Das hoffen wir doch. Seit vielen Jahren gibt es bei uns den Deutschen Kurzfilm Wettbewerb, sozusagen das Herzstück aller exground-Wettbewerbe. Er ist mit insgesamt 6.000 Euro dotiert, und das Publikum entscheidet über die drei Preisträger. Das Besondere hier ist, dass alle Beiträge auf Filmmaterial, also 35 mm gezeigt werden. Um auch den digitalen und analogen Formaten ein würdiges Forum zu bieten, haben wir 2002 den Internationalen On-Video Wettbewerb ins Leben gerufen, dessen Preisgeld von 1.500 Euro von einer Jury vergeben wird. Hier gehen 24 Produktionen aus 13 Ländern an den Start. Zum fünften Mal bieten wir mit dem Wiesbaden Special-Kurzfilm-Wettbewerb den lokalen Regisseuren eine Plattform. Hier entscheidet das Publikum darüber, wer den mit 500 Euro dotierten Preis für den besten Wiesbadener Kurzfilm gewinnt.
Neu ist in diesem Jahr der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Kurzfilm-Wettbewerb FILM AB! 50, der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Bundesprogramm „Perspektive 50plus“ ausgeschrieben wurde. Eine Jury kürt auch hier die drei Preisträger, deren Filme sich um das Thema „Alter und Arbeit“ drehen.
Bis jetzt habe ich fünf Wettbewerbe im Programm des exground filmfest gezählt. Hinzu kommen drei Wettbewerbe, die im Rahmen unseres Jugendfilmfestivals laufen, den exground youth days.

Ist es heute, aufgrund der technischen Möglichkeiten, leichter oder schwerer, vorstellungswürdige Jungfilmer zu finden?
Wir hatten über 2.100 Filmeinreichungen für das exground filmfest 22, darunter sehr viele Beiträge von sogenannten Nachwuchsregisseuren. Auch wenn inzwischen die Videokamera in Millionen Haushalte Einzug gehalten hat und fast jeder auf seinem Handy Filme drehen kann, sehe ich für uns kein Problem. Aufgrund unserer jahrelangen Erfahrung können wir in der Sichtungskommission meist sehr schnell erkennen, welche Filme besser nur im Bekanntenkreis gezeigt werden sollten.

Was sind Deine Highlights des Festivals?
Alle Beiträge aus der Reihe American Independents, die mit neun Filmen in diesem Jahr so stark wie nie zuvor vertreten ist. Davon abgesehen sind natürlich alle Filme, die wir zeigen, sehenswert!

Was empfiehlst Du Erstbesuchern?
Erstbesuchern würde ich unsere neue Festivalreihe „Neues aus Deutschland“ ans Herz legen: Die ausgewählten Beiträge zeigen eindrucksvoll das breite Spektrum und die hohe Qualität des jungen, deutschen Films.

Und was könnte für „alte Hasen“ interessant sein?
Die Filme im Länderschwerpunkt Schweden und die Retrospektive Roy Andersson. Nach dem New Yorker Museum of Modern Art im September 2009 präsentiert exground filmfest als erstes europäisches Festival das Gesamtwerk des schwedischen Ausnahmeregisseurs. Neben seinen vier Spielfilmen zeigen wir seine Kurzwerke und die Commercials, die Roy Andersson seit den 70er-Jahren gedreht hat und die ihn zu einem der weltweit begehrtesten Werbefilmregisseure gemacht haben.

Wo wird das Festival in 3 Jahren stehen?

Vorausgesetzt, unser ehrenamtlich arbeitendes Team hält noch die nächsten drei Jahre durch und es gibt dann noch Kinobesucher, wird exground filmfest 25 im Jahre 2012 sicherlich immer noch zu den wichtigsten Plattformen für unabhängig produzierte Filme in Deutschland zählen.

exground filmfest