Es ist noch gar nicht so lange her, da drohten die Organisatoren der Buchmesse damit, nach München abzuwandern. Mangelndes Engagement von Seiten der Stadt, zu wenig Bücherbegeisterung bei der Bevölkerung und – vor allem – die horrenden Übernachtungspreise in den Hotels hatten es zwischen Literaturwelt und Frankfurt eisig werden lassen.

Das scheint nun plötzlich alles vom Tisch. Mit stolzer Brust verkündeten die Frankfurter Messegesellschaft und der Börsenverein des Buchhandels, dass man einen neuen Vertrag, der bis 2022 gilt, unterzeichnet hat. Mindestens dreizehnmal wird nun also noch in Frankfurt gelesen, gehandelt, debattiert und gefeiert. Warum man sich so schnell und so langfristig einigte, verstehen wir allerdings nicht. Erstens sind die Übernachtungspreise in den Hotels während Messen – Wirtschaftskrise hin, Wirtschaftskrise her – in letzter Zeit sogar noch gestiegen. Und zweitens ist von Literatureuphorie in der Stadt schon lange nichts mehr zu spüren. Spannende Lesungen während der Messe? Fehlanzeige. Die legendären Messepartys der Verlage? Laufen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und waren auch schon mal exzessiver. Das Programm der Gastländer? Einfallslos, ermüdend.

Nein, wer einmal erlebt hat, was der Konkurrent Leipzig zu seiner Buchmesse auf die Beine stellt, muss eingestehen, dass es in Frankfurt mittlerweile allzu gesetzt und langweilig zugeht. In diesem Jahr könnte es wenigstens mal wieder kontrovers werden: China wird sich als Gastland präsentieren. Protest gegen ein Regime, das vielen seiner Literaten den Mund verbietet, könnte der Messe gut tun. Und wer weiß: Vielleicht erweist sich die 13 am Ende ja als Glückszahl? Hoffen wir’s.
ajü