Er war bei allen großen Stadtevents vertreten. Schon seit einigen Jahren sorgte er für die Durchführung des Schweizer Straßenfests, des „Laufs für mehr Zeit“ und des Karneval-Events Quartier Latin. Und immer wieder für eine Neuauflage des CSDs. Von Anfang an war Rainer Gütlich dabei. 1992 wurde das erste Gay-Fest gefeiert, zwar reichlich improvisiert, aber zum Start war das eine gute Übung.

Mit dem erworbenen Know-How und seiner neu gegründeten Eventagentur zog Gütlich 1994 den CSD als Event groß auf. Zum ersten mal fand die Gay-Demo und das Straßenfest auf der Konstablerwache statt. Wichtig dabei war ihm immer der politische Ansatz. „Ich bin Veranstalter eines CSD in Deutschland und mache Politik damit – ob ich es will oder nicht.“, sagte er 2006 in einem PRINZ-Interview. Er wollte es immer wieder. 2006 und 2007 rief er zum CSD die „Aktion Polen“ aus. In Warschau kam es in dieser Zeit zu Ausschreitungen bei Homo-Demonstrationen. Er lud polnische Schwule und Lesben nach Frankfurt ein, diese wurden im Römer empfangen und konnten einige unbeschwerte Tage am Main verbringen.

Seine durchsetzungsstarke Art hat gelegentlich manche seiner Mitstreiter irritiert. „Geht nicht, gibt’s nicht!“ war sein Motto. Und auch wenn man Anfangs verwundert war, musste man am Ende doch feststellen, dass er mit seinen Entscheidungen meistens richtig lag. Er erarbeitete sich so großen Respekt bei Gastronomen, in der Szene und auch im Rathaus. 2008 durfte er als erster (und bislang einziger Veranstalter) den neuen Rossmarkt und den Goetheplatz als Event-Areal nutzen.

Zum Abschluss des Christopher Street Days 2008 verabschiedete er sich als Veranstalter. Seine langjährige Mitarbeiterin Anika Pilger übernahm daraufhin die Geschäftsführung der Gütlich Event GmbH.

In der Nacht vom 26. auf den 27.6.2009 hat Rainer Gütlich sein Leben selbst beendet. „Es gibt ein Recht auf Leben, aber keine Pflicht.“, diesen Satz soll er in einer Notiz zurück gelassen haben. Außerdem habe er in einer Verfügung den Wunsch geäußert, dass statt Trauerbekundungen alle, die an ihn denken wollen, Lose bei der diesjährigen CSD-Tombola zugunsten der AIDS-Hilfe Frankfurt e.V. kaufen.

Wegbegleiter würdigen den Veranstalter des Frankfurter „Christopher Street Days“ und seine Verdienste auf der nächsten Seite

Der Magistrat der Stadt Frankfurt, Offizielle und Freunde würdigen den unermüdlichen Einsatz von Rainer Gütlich für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben in Frankfurt, seine Hilfsbereitschaft und seine Ideen.

Herbert Drexler, AIDS-Hilfe Frankfurt: „Ein Mann mit manchmal rauer Schale, der auch poltern konnte oder die Geduld verlor. Eines aber war immer sicher: seine Loyalität und seine uneingeschränkte Solidarität sowohl für die AIDS-Hilfe und die Betroffenen, als auch für die Gay-Community in der Mainmetropole.“

Anika Pilger, Geschäftsführerin der Gütlich Event GmbH: „Rainer Gütlich war immer engagiert und motiviert, die Welt neu zu erfinden und Unmögliches möglich zu machen. Dabei blieb er sich immer selbst treu. Ich vermisse ihn, seine fachliche Kompetenz, aber vor allem ihn als Mensch, seine lieben Worte, seine Stärke, seine Menschlichkeit. Er wird immer in meinem Herzen sein.“

Claudia Bubenheim, Xtremeties Events: „Viele kannten Rainer Gütlich nur als Mr. CSD. Ich kannte Rainer als Mensch, als Freund und Förderer im Hintergrund. Er hatte seinen eigenen (Dick)kopf und ging immer die eigenen Wege, wie auch jetzt. Wir, die wissen, wie er wirklich war, werden auch jetzt seinen Weg akzeptieren: Viel Glück und Liebe wo auch immer du jetzt bist!“

Jutta Ebeling, Bürgermeisterin, Magistrat der Stadt Frankfurt: „Er hat mitgeholfen, die Stadt wach zu rütteln und der lesbisch-schwulen Gemeinschaft einen würdigen Platz zu geben. Heute ist es selbstverständlich, dass der Römer am CSD die Regenbogenfahne aufzieht und der Magistrat auf der Kundgebung spricht. Wir werden Rainer Gütlich immer ein ehrendes Andenken bewahren.“

Jo Van Nelsen, Kulturallrounder und „Stimme der Schweigeminute“ des CSD: „Bei der Schweigeminute auf dem CSD, die nach Rainers Aussage immer der wichtigste Moment dieses Events für ihn war, werden meine Gedanken in Liebe und großer Achtung für seine Leistungen bei ihm sein.“

Thomas Bäppler, Travestie-Künstler, Moderator, Tanzlehrer: „Ich habe ihm viel zu verdanken. Ohne ihn wäre Bäppi nicht das, was sie heute ist. Rainer Gütlich hat mit seiner Art den CSD geprägt. Das hätte so kein anderer geschafft. Den Gestank seiner Zigaretten auf meiner Sommerparty werde ich vermissen. Das erste, was Rainer Petrus an der Himmelspforte gefragt hat, war garantiert: Derf mer hier auch rauche?“