Herr Ebert, sind Wissenschaftler wirklich so nerdig wie in der Comedy-Serie „The Big Bang Theory“?
Da ist was dran. Naturwissenschaftler müssen mit Fakten überzeugen. Im Gegensatz zu BWLern, Marketingleuten oder Juristen, die auch über die Optik oder eine tolle Powerpoint-Präsentation punkten können. In der Physik kommt man mit einem schicken Anzug nicht weiter. Sheldon aus „The Big Bang Theory“ hat ein großes Humorpotential. Er hat wie viele Wissenschaftler etwas sozial total Autistisches, denn nur so kommt man auf Forschungsergebnisse.

Und wie viel Sheldon sind Sie?
Die Frage könnten andere besser beantworten. Es ist aber kein Zufall, dass ich auf der Bühne und nicht im Labor gelandet bin.

Passen denn Physik und Witze-Machen zusammen?
Wissenschaft und Humor verbindet diese spezielle Form des Um-die-Ecke-Denkens. Also eine verrückte, lustige Art, die Welt in Bildern zu sehen. Mein etwas anderer, durchgeknallter Humor macht den Leuten Spaß.

In der Show geben Sie aber auch den jungen John Travolta.
In meiner Heimatstadt Amorbach habe ich mal einen Tanzkurs besucht. Mit dem schönsten Mädchen der Klasse. Eine tragische Geschichte: Wir waren ineinander verliebt, aber haben uns das erst Jahre später gestanden. Wie auch immer: Ich kann diese Standard-Sachen gut tanzen. Aber diese Disco-Staying-Alive-Nummer ist eine lustige Showeinlage. Ein bisschen Quatsch zwischendurch muss sein, nur so kann ich den Leute auch ernste Fakten unter die Nase schmieren.

Ihre Tour dreht sich um den Freiheitsbegriff. Sie haben sich freiwillig für Frankfurt und nicht für die Künstlerhochburg Berlin entschieden. Warum?
Berlin ist mir zu groß, zu überhitzt. Ich bin ein Bub vom Lande. Nach Berlin fahre ich gerne, aber in Frankfurt bin ich zu Hause. Und ich bin ja auch nicht alleine, auch meine Katzen haben hier ihr Revier…

Werden Sie in der Stadt oft erkannt?
Hin und wieder werde ich höflich angesprochen. Ich bin ja auch nicht so prominent wie zum Beispiel Mario Barth. Den nehmen die Fans gern in den Arm und schreien los: „Ey Mario, wir machen am Wochenende eine Grillparty, magst du nicht kommen?“ Er ist in seinen Shows der Everybody’s-Darling-Kumpeltyp, ich bin eher der Erklärer. Mich fragt keiner: „Kummst Du heute Abend mit uff de Kerb?“ Dabei würde ich ja sogar mitkommen.

Wie schwierig ist es, sich als intellektueller Komiker gegen Mario Barths „Meine-Freundin-Nervt“-Erfolg durchzusetzen?
Mario macht Rock’n’Roll, das bewundere ich sehr. Er hat eine neue Form der Comedyunterhaltung geprägt. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass man als Comedian Arenen füllen kann? Wir haben zusammen angefangen, standen auch zusammen auf Bühnen vor 100 Zuschauern und dann haben wir uns in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Wir besetzen komplett verschiedene Bereiche, sprechen ganz andere Menschen an. Insofern ist es gar keine Konkurrenz.

Träumen Sie aber nicht auch von der Commerzbank-Arena?
Nein, da geht jetzt Bülent Ceylan hin. Ich werde mir das als Zuschauer ansehen. Ganz ehrlich, diese Riesenhallen gehen bei mir nicht. Ich mache ja eine ganz andere Form von Comedy, eben keinen Rock’n’Roll, sondern eher ein Jazz-Konzert.

Kathrin Rosendorff