Wenn Sie ein Imbiss-Lebensmittel sein müssten, was wären Sie?
Nüchterne Krakauer, fettige Pommes oder extravagante Currywurst? Eine echte Thüringer-Rostbratwurst. Erstens, weil ich dann schon von Haus aus, also auch im ungegarten Zustand, eine gute Wurst wäre. Und zweitens, weil man mich dann auf dem Rost und nicht in der Pfanne braten würde. Außerdem ist die Thüringer die Königin unter den Würsten.

Sie sind im Januar 2009 für Ihr Buch „In 16 Tagen um die Wurst“ einmal durch alle deutschen Bundesländer gereist und haben als Praktikant in 16 verschiedenen Imbissbuden gearbeitet. Wo gab es die beste Wurst?
Na, in Thüringen natürlich! Die Wurst im saarländischen Sankt Wendel war aber auch sehr gut. Die war vom Schlachter hausgemacht, oft gibt es ja nur fertige Industriewurst.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus der Tour für Ihre Rolle als Imbisswirt bei „Dittsche“ mitgenommen?
Ich wollte herausfinden, wie sich das anfühlt, den ganzen Tag in einem Imbiss zu stehen. Und ich wollte ein Stück deutsche Wirklichkeit einfangen. Wirte kommen ja oft über verschlungene Pfade zu ihrem Job. Niemand sagt nach der Schule: Hey, ich mach ’ne Imbissbude auf! Es war beeindruckend und ergreifend, mit was für unterschiedlichen Schicksalen und Geschichten ich konfrontiert wurde. Manchmal hatte ich eine Gänsehaut am ganzen Körper, wie noch nie in meinem Leben.

Ihr Schauspieler-Kollege Peter Jordan sagt im Film „Die Schimmelreiter“: „In Imbissen treffen sich alle Schichten. Imbisse sind die Stützen der Gesellschaft.“
Das finde ich auch. Und genau aus diesem Grund ist es tragisch, dass diese Läden allmählich aussterben, weil Fast-Food-Ketten ihnen den Platz wegnehmen. Imbisse leisten etwas, das diese Konkurrenz nicht kann: Sie vermitteln ein Gefühl von Heimat und verlängertem Wohnzimmer, oft auch gerade in ihrer Trost losigkeit. Sie sind anarchisch und nicht durchgestylt.

Sie moderieren seit April auf ZDFneo das „Kneipenquiz“. Ist die Kneipe auch so eine Stütze der Demokratie?
Natürlich. Auch in Kneipen finden viele wichtige Gespräche über das Leben und den Zustand der Welt statt. Solche Orte bieten ein wichtiges Ventil, hier darf man sich aufregen, miteinander streiten und sich auf die Schulter klopfen. Gott sei Dank sind Kneipen aber nicht so stark bedroht wie Imbisse, trotz sich ständig ändernder Nichtrauchergesetze.

Was liegt Ihnen denn eher: fettgeschwängerter Imbissduft oder alkoholgetränkte Kneipenluft?
Das Imbiss-„Odorama“ ist schon eine harte Anforderung, daher bin ich eher der Kneipentyp. Aber wenn es die Fritteuse irgendwann nicht mehr geben sollte, würde ich meine Meinung noch mal überdenken.

Wo versacken Sie in Hamburg am liebsten?
Meine harten Zeiten sind leider vorbei, aber früher bin ich gern im „R&B“ an der Weidenallee versackt. Die Kneipe meiner Jugend war die „Strohlampe“ in Winterhude, da habe ich mit 14 mein erstes öffentliches Bier getrunken. Dabei sah ich erst aus wie elf.

Das Gespräch führte David Siems