Zehn Jahre Grand Hotel van Cleef: An welchen Moment, welche Szene erinnerst du dich besonders gern?
An die Aufnahme des zweiten Albums unserer Band Escapado: Als wir die Bänder hörten, haben wir spontan mit unseren Praktikanten Tische und Regale im Büro zerstört – einfach aus purer Freude.

Wie kamt ihr überhaupt auf die Idee, ein eigenes Label zu gründen?
Keiner wollte das erste Kettcar-Album und unsere dritte Platte rausbringen. Ein Freund, der ironischerweise bei einer großen Plattenfirma arbeitete, hat uns geraten, es selbst zu versuchen. Also habe ich mit Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff von Kettcar das Grand Hotel van Cleef gegründet. Heute können wir Angestellte bezahlen und bilden Leute aus, die wir mögen.

Und du bist mehr im Büro als auf der Bühne …
Nun, ich schreibe viel und höre mir viele neue Sachen an. Zum Beispiel Young Rebel Set – ich höre diese Band aus England und denke: Verdammt, die sind ja richtig gut. Wir suchen genau solche Musiker und bauen sie auf.

Dein Label ist hier, aber du wohnst nun in Berlin…
Ich wohne nirgends fest. Es gibt diese Dreierachse Hemmoor- Hamburg-Berlin, auf der ich mich ständig bewege. In Berlin bin ich oft bei meiner Tochter. Aber Hamburg hat dieses Gefühl von Heimat.

Grandios: Beim Jubiläumskonzert im August spielt Tomte in Originalbesetzung.

1987 bin ich bei den Jungs in Hemmoor nur unter der Bedingung eingestiegen, dass wir in Hamburg spielen. Dann der Auftritt irgendwann in der Roten Flora – wir, die Dorfdeppen- Truppe! Das muss man sich mal vorstellen! Ohne den Gig wäre es vielleicht nie so weit gekommen. Jetzt rumpel ich mich mit Stemmi (Christian Stemmann) und Timo Bodenstein halt noch mal durch drei, vier Songs.

Ebenfalls dabei ist die bereits aufgelöste Hansen Band.
Das war schon abgefahren im Studio: hier Marcus Wiebusch mit seinen 2,70 Metern und daneben Jürgen Vogel mit seinen 1,40 Metern. „Keine Lieder über Liebe“, den Film, für den die Band gegründet wurde, fand ich allerdings schlechter als „Rocky I“.

Auf dem Hurricane hast du kurz vor Noel Gallagher gespielt, einem deiner Idole …
Trotz allem bleibt man ja immer noch Fan. Und zu wissen, dass das eigene Drumset gerade neben dem von Noel Gallaghers Band lagert, ist schon echt abgefahren.

Noel Gallagher, Bruce Springsteen – sind das die Typen, die dich inspirieren?
In der Tat habe ich mich viel mit Springsteen beschäftigt. Ich denke, ich bin nicht der Typ, der die Indieszene mit Dubstep versorgen muss.

Zu deinem Bühnenoutfit: Wie viele Lederjacken hast du?
Ich habe nur die eine. Nach zweieinhalb Wochen Tour kann ich die hinstellen, und sie bleibt stehen, und im Reißverschluss ist Patina von meinem Schweiß. Aber ich freue mich immer, sie überzuziehen.