Frau Menzer, wie viele rohe Eier haben Sie heute Morgen vor dem Joggen getrunken?
Bäh, nee! Statt der Eier trinke ich morgens lieber schwarzen Tee mit zwei Löffeln Honig und Walnüssen. Das mit den Eiern hab ich nie gemacht, das ist einfach zu eklig.

Rohe Eier trinken, einen Baum fällen, auf Schweinehälften einprügeln: Welches typische Box-Klischee passt denn zu Ihnen?

Auf Schweinehälften einzuprügeln wie in „Rocky“ finde ich einfach respektlos den Tieren gegenüber. Das würde ich niemals machen. Die Leute wundern sich immer, wenn sie mich zum ersten Mal sehen. Viele sagen: Eine Boxerin habe ich mir ganz anders vorgestellt. Die denken, ich müsste Narben und blaue Flecke haben und würde ständig Leute verprügeln.

Haben Sie sich als Kind mit ihren Brüdern geprügelt, oder wie kommt man darauf, Boxerin zu werden?
Ich musste mich mit denen prügeln! Ich habe es nie gern gemacht, aber manchmal ging es halt nicht anders. Zwischen Geschwistern streitet man sich nun mal oft. Bei uns wurde viel geschubst. Und dann flogen auch mal die Fäuste.

Wer würde heute gewinnen? Sie oder Ihre Brüder?
Von der Physis her sind die wahrscheinlich stärker als ich, aber ich bin fitter. Und im Boxen kommt es nicht nur auf die Physis an.

Sondern?
Auf Disziplin! Wenn du was im Leben erreichen willst, dann musst du einfach diszipliniert sein. Das habe ich bereits in meinem Elternhaus gelernt, das begleitet mich durch mein ganzes Leben.

Und wer hat Ihnen Disziplin beigebracht?
Die ist in mir drin. So oder so. Das fängt schon damit an, dass ich pünktlich zum Training erscheine, die Sporttasche richtig gepackt oder immer ein zweites T-Shirt dabeihabe.

Sind Sie privat auch so straight?
Klar, es gibt nur eine Ausnahme: Lindt-Schokolade! Meine Freunde machen sich schon darüber lustig. Schokolade ist wirklich das Einzige, wozu ich nicht Nein sagen kann.

Mit 16 Jahren haben Sie mit dem Boxtraining angefangen. Waren Ihre Freundinnen eigentlich auch so tough drauf?
Ganz ehrlich: Für Freunde hatte ich leider nie Zeit. Ich habe sechsmal die Woche trainiert und hatte nur eine wirkliche Freundin: meine Sitznachbarin in der Schule. Ich bin nie ausgegangen und war nie im Kino. Eine Kindheit im eigentlichen Sinne gab es nicht. Es war manchmal traurig, aber bereut habe ich es nie. Es war ja schließlich meine Entscheidung.

Welcher Boxerfilm gefällt Ihnen besser: „Rocky“ oder „Million Dollar Baby“?

Puh, „Million Dollar Baby“ will ich kein zweites Mal sehen, furchtbar melancholisch und traurig. Alles ist so dunkel. „Rocky“ ist zwar nicht mein Lieblingsfilm, aber zweifelsohne der bessere Boxerfilm. Trotz der rohen Eier, die Sylvester Stallone trinkt.

Das Gespräch führte David Siems