Der Flora-Platz

Achtung, hier brodelt’s. Vom gegenüberliegenden Skateboard-Pool dröhnt Punkrock über die Wiesen, die eher entspannteren Rastas halten mit Reggae dagegen. Im Gras aalen sich Erasmus-Studis und Feierwütige, die die vergangene Nacht ausklingen lassen. Auf dem Platz dagegen: heiliger Ernst. Hier funktioniert Fußball als Schmelztiegel der Kulturen tatsächlich. Keine Grüppchen, sondern bunt zusammengewürfelte Haufen unterschiedlichster Nationalitäten stehen sich auf dem ziemlich abgespielten Tartan-Grün gegenüber. Der Übergang ins Nachtleben läuft dann fließend – an den Bars der Schanze kommt man nach Abpfiff nicht unversehrt vorbei. Gut: Hier findest du immer ein paar Jungs zum Buffen. Schlecht: Mit einer ganzen Fußballmannschaft braucht man gar nicht erst anzurücken.

Flora Park, Schulterblatt, Zugang zwischen Roter Flora und Haus 73

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Der Profi-Platz

Manchmal treibt die Stadtentwicklung wunderschöne Blüten: Im Rahmen der Quartiersoffensive „Lebenswerte Stadt“ entstand eine leuchtend grüne Oase, wo vorher Ödnis war. Idyllisch eingebettet in die Ausläufer des Wohlersparks lockt die Sportanlage Thadenstraße seit vergangenem Jahr mit Top-Belag, großer Spielfläche (sieben gegen sieben ist ideal) und einer Zuschauertribüne. Trotz dieser Pracht hat man gute Chancen, die Teams hier selbst aufzustellen – besonders vor 18 Uhr. Und sollte es doch einmal zu voll sein, wartet hinter den Klassenräumen der Grundschule auf ganz Hartgesottene ein steinig-sandiges Bolzplatz-Exemplar der Kategorie „Kabul“. Gut: Die Profi-Bedingungen lassen 30-Meter-Steilpässe zu. Schlecht: Die eigenen Stockfehler kann man hier nicht auf den Platz schieben.

Thadenstraße / Ecke Wohlersallee

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Der Dorf-Platz

Wer samstags über die Flohschanze auf dem Schlachthofgelände spaziert, weiß, wie sich U-Bahngäste in Tokio fühlen. Auch die angrenzende Marktstraße entwickelt sich immer mehr zur Shopping-Autobahn. Biegt man jedoch nach dem Flohmarktbesuch hinter der Bahnbrücke links in die Laeiszstraße ein, tut sich ein Paradies auf: In fast dörflicher Atmosphäre schlummert dort ein nagelneuer Käfig mit Belag in klassischem Tartan-Rot in der Mittagssonne. Vor den Blicken der Touristen verborgen lässt sich hier so idyllisch kicken wie sonst nur auf dem Land. Gut: Entspannung pur. Schlecht: Hat man zu wenig Leute dabei, kann kaum auf Legionäre gehofft werden.

Laeiszstraße / Zugang über die Marktstraße

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Der Pudel-Platz

Der 2007 auf Anwohner-Initiative entstandene „Park Fiction“ oberhalb des Golden Pudel Clubs ist einer der schönsten Orte Hamburgs. Hier treffen sich Elbblick und Kieznähe, Kaffee und Bier, Jung und Alt. Nach einer Weile überkommt den Besucher jedoch der Drang, sich ein wenig zu bewegen. Was tun? Im Vergleich zu einem echten Park mangelt es diesem Kunstobjekt leider eindeutig an Rasenfläche. Da trifft es sich ausgezeichnet, dass auf dem Schulhof um die Ecke ein Bolzplatz wartet, den komischerweise niemand auf dem Schirm hat. Liegt es an dem apokalyptischen Gemälde im Hieronymus-Bosch-Stil, das sich über die Rückwand erstreckt? Oder daran, dass der sandige Untergrund nicht der allerfeinste ist? Egal, denn die Lage reißt es raus – dieser Platz hat Stil. Gut: die Nähe zu St. Paulis tollster Aussichtsplattform. Schlecht: Wie bekommt man nur den ganzen Staub wieder ab?

Bernhard-Nocht-Straße, Gelände der Ganztagsschule St. Pauli

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Der Zwinger

Du stehst mit einem Bein im Gefängnis und meinst, das sei nicht bedrohlich? Dann empfehlen wir eine Halbzeit in diesem vergitterten Schweinekoben – der klaustrophobische Schock bewahrt auch die härtesten Jungs vor einer Knast-Karriere. Dabei ergibt die engmaschige Stahl-Ummantelung durchaus Sinn, denn der Käfig wurde kaltschnäuzig zwischen zwei Mietshäuser geklemmt – Volleyschüsse hätten hier wohl fatale Folgen. Bis zum letzten Jahr galt der Zwinger als schattiger Garten Eden, wilder Efeu überwucherte das Gerippe. Dann folgte der völlig unnötige Kahlschlag. Bleibt nur zu hoffen, dass der übereifrigen Behörde bald das Geld zur weiteren Rodung ausgeht. Gut: Das Spiel bekommt eine neue Dimension: Schon mal ein Tor über vier Banden geschossen? Schlecht: So richtiges Kicken ist dann doch eher schwierig.

Am Brunnenhof 4

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Der Zwergen-Platz

Mit seinen kleinen Kindern unter realen Bedingungen Fußball zu spielen ist gar nicht so einfach. Schon der Ball ist für Fünfjährige eine ganze Nummer zu groß, vom Spielfeld mal ganz zu schweigen. Und dann noch diese Mitleidspässe der Älteren. Doch immer nur mit Papa die Kugel hin- und herschießen ist auf Dauer auch keine Lösung. Tore müssen her. Kein Problem: Die passenden Buden für einen Kick unter Gleichaltrigen stehen nur einen Einwurf entfernt vom Platz am Golden Pudel Club (siehe links). Hier können sich die schlappen Eltern gemütlich bei einem Kaltgetränk in der kühlen Gartenlaube unterhalten, während ihre Sprösslinge – unter realen Bedingungen – die erste Wettkampfluft schnuppern. Gut: dieser Stolz, wenn der Kleine sich durchtankt. Schlecht: Asphalt ist wirklich die harte Schule.

Bernhard-Nocht-Straße, Gelände der Ganztagsschule St. Pauli

Text: Jens Steffenhagen