Du bezeichnest dich selbst als Afro-Hanseatin …
Ja, wenn ich deutsch bin, dann hanseatisch. Von meiner Art einfach: Alles ist kein Ding, alles ist derbe! Ein Beispiel ist meine Bühnenkleidung. Privat bevorzuge ich klare Sachen: weißes T-Shirt und “ne Jeans. Das ist Klarheit. Hafen, Meer, klare Linien. Nicht so viel Schnickschnack. Aber auf der Bühne genieße ich es, wild zu sein und mich auszuleben.

Du bist aus der Schanze nach Eilbek gezogen. Warum?

Ich liebe die grünen Ecken. Hamburg bietet unheimlich viel Grün und Wasser. Und ich liebe es, dort zu joggen. Aber ich bin noch gern in der Schanze und im Karoviertel.

Vermisst du den Trubel?
Ich finde Hamburg insgesamt nicht trubelig. Es liegt wohl an der nordischen Art. Die Leute lassen sich in Ruhe. Das genieße ich sehr.

Was meinst du damit genau?
Ich habe vor 600 Leuten im Knust gespielt. Die Hamburger brauchen erst mal sechs Lieder, um locker zu werden. Aber im Stillen mögen und respektieren sie es. Dafür liebe ich meine Hamburger! Auch wenn mich jemand erkennt: Die sagen, dass sie mögen, was ich tue – und sind wieder weg.

Was sagen die Leute zu dir?
Neulich sagte mir einer, er hätte wegen mir seinen Job gekündigt. Wegen des Songs „Diamonds“. Darin heißt es, du hast nur ein Leben, also nimm es in die Hand. Die Message ist banal, aber sie hat ihm geholfen. Es ist ein Geschenk, mit seiner Musik auf das Leben anderer Leute wirken zu können.

Du hast in deiner Jugend viel in Afrika und Frankreich gelebt. Beeinflusst deine Biografie deine Kunst?
Du bist gezwungen, nicht nur eine Sichtweise zu haben. Wenn du mit so vielen Um – ständen, Sprachen und Orten konfrontiert wirst, ist es nicht einfach, sich seinen eigenen Hühnerstall zu bewahren. Du wirst mit so vielen Sachen bombadiert. Interkulturell, das fängt ja schon bei mir zu Hause an: Mein Vater ist Ghanaer, meine Mutter Deutsche. Du wirst gleich geschärft für zwei Perspektiven. Da geht viel Naivität verloren.

Was unterscheidet Hamburg von anderen Großstädten?
In anderen Städten ist alles anfangs supertoll, aber nach drei Wochen nicht mehr. Damit komme ich schlecht zurecht. Ich bin da eher so Labskaus: Sieht irgendwie nie gut aus, aber es schmeckt immer – genau wie Hamburg.

Fühlst du dich als hanseatische Botschafterin?
Da bin ich noch gar nicht drauf gekommen, aber gerne. Ich mag mein Hamburg. Wir haben geile Leute: Samy De luxe, Jan Delay, Udo Lindenberg, Nneka. Die haben so viel für die deutsche Musik getan. Sie sind gelassen und ziehen ihr Ding durch. Das ist einfach eine Haltung. Vielleicht betone ich dieses Afro- Hanseatin, weil ich finde, Hamburg ist krass international, krass offen und hat das Potenzial, eine richtig gute Metropole zu sein. Also, wenn ich Botschafterin für Hamburg sein kann – sehr gerne.