Dein neuer Kinofilm ist zur Abwechslung mal eine Doku, kein Spielfilm. Was wolltest du mit dem Film erreichen?
Die Motivation zu Anfang war die Hoffnung, dass man den Bau der Mülldeponie in Camburnu, dem Heimatdorf meiner Großeltern, stoppt. Dadurch, dass wir dort filmen und die Medien mobilisieren. So wie man damals auch den Abriss des Gängeviertels verhindert hat. Manchmal geht so was auf. In dem Fall allerdings nicht: Das Interesse, die Mülldeponie zu bauen, war größer, stärker und sehr viel mächtiger als ich mit meiner Micky-Maus-Crew.

Deine Wurzeln hast du in Camburnu, wofür setzt du dich in Hamburg ein?
Ich war aktiv im Kampf ums Gängeviertel, unterstütze die Jungs von der Soul-Kitchen- Halle in Wilhelmsburg immer wieder. Gentrifizierung ist etwas, das mich beschäftigt, der Erhalt des Stadtbilds.

Du gehörst ja auch selbst schon fast zum Stadtbild von Ottensen …
Ich komme aus meinem Kiez nicht weg, ich kleb da dran wie mit Pattex. Ottensen hat eine gute Lebensqualität, ich wohne da schon immer. Ich bin wie ein Seebär gepolt, komme rum in der Welt, aber auch immer wieder zurück in meinen Hafen.

Du hast zwei Kinder. Bist du jetzt völlig vom Feiermensch zum Familienpapa mutiert?
Die ganze Feierei ist mir zu anstrengend, ich steck das nicht mehr weg. Sieben von zehn Partys, auf denen ich früher war, endeten im Absturz oder im Rausch. Früher konntest du eine Flasche Wodka trinken, am nächsten Morgen um sechs aufstehen und Filme drehen. Wenn ich heute so viel trinke, kannst du mich nicht gebrauchen. Das Leben ist zu kurz, um wegen einer Flasche Wodka eine Woche zu schlafen.

Wie sieht es denn heute aus, wenn du feiern gehst?
Heute kommen Leute zu Besuch in die Stadt, die führe ich aus und lande im Dreieck vom Grünen Jäger. Landgang ist ein guter Laden. Und wenn man schon mal da ist, schaut man im Bernstein vorbei. Meistens hab ich aber gar keine Lust rauszugehen. Ich bin jetzt 39, ich guck mir lieber “ne DVD an, les ein Buch oder daddel mit iTunes rum.

Oder arbeitest an einem neuen Hamburg-Film?
Im Augenblick nicht. Ich habe gerade einen internationalen Film vor mir – groß, teuer, aufwendig, mit viel Reiserei verbunden. Wenn alles gut geht, drehe ich im März. Ich arbeite seit 2007 dran, treffe Historiker und suche Drehorte auf der ganzen Welt.

Klingt stressig. Dein Kopf muss ja explodieren.
Ach, das geht. Man wird vergesslich mit der Zeit. Aber ich hab aufgehört zu kiffen.

Ach was, schon lange?
Ja, seit geraumer Zeit. Das ist gut. Man hat dann eben das Gefühl, der Kopf explodiert nicht mehr. Man kann alles besser machen. Das wusste ich nicht. Ich war jahrelang der überzeugte Legalizer-Typ. Kann man ja immer noch legalizen, aber auch das hat was mit Älterwerden zu tun.