Irgendwo zwischen Pop, Retro und Avant-Garde. Irgendwo zwischen Synthesizern, Cembalos, Streichern und Drones. Irgendwo da arrangiert
Julia Holter ihre zarte Stimme und fast zerbrechliche Melodien zu gleichermaßen leichtfüßigen wie komplexen und ungeheuer dichten Kompositionen zusammen. Holter macht Musik, die nicht leicht zu erfassen ist, die einen aber dann einfängt und nicht mehr loslassen möchte. Ein perfektes Spiel aus Klängen, Dynamik und Kontrasten. Der Musik merkt man an, dass die 28-Jährige Amerikanerin Komposition studiert hat, übrigens zusammen mit Musikern wie Ariel Pink und John Maus. Obwohl sie mit ihrem letztjährigen Album „Ekstasis“ gewissermaßen den
Internationalen Durchbruch geschafft hat, wird Holter aber immer noch mehr von Kritikern umjubelt, als von der breiten Masse. Zudem stand an diesem Abend gerade erst der Release des neuen Werkes „Loud City Song“ bevor. Doch der Kampnagel war gut gefüllt und von einer vielleicht zu erwartenden Nervösität war bei Julia Holter nichts zu spüren.

Während sie auf ihren Alben oft leicht, schüchtern oder zerbrechlich wirkt, stand sie, begleitet von vier Musikern, selbstbewußt hinterm Keyboard.
Und statt den einfachen Weg zu wählen, und zunächst Stücke aus dem letzten Jahr oder vom Debut „Tragedy“ zu spielen, ging sie nach vorne und stellte das Unbekannte an den Anfang. Erst nach einiger Zeit und einer Erklärung, dass sie nervös sei, wie denn das neue Material ankäme, folgten auch die großartigen Songs vom „Ekstasis“-Album. Eigens für die Tour umarrangiert, um der Begleitband mit Saxophon, Violine und Cello Raum zu geben, waren diese zum Teil kaum wiedererkennbar. Lebte „Marienbad“ auf dem Album noch von filigranem Dynamik- und Tempospiel war es live fast experimentell, einen Tick zu selbstbewusst, aber nicht minder spannend. Ebenso „Our Sorrows“, das auf Bühne viel getragener daher kam, und gleichzeitig die brüchige Engelhaftigkeit des Originals ablegte. Nur zum Schluss, mit „Goddess Eyes“, da war sie wieder stark am Original, vielleicht um zu zeigen, dass sie eben doch auch zart sein kann und es vermag, wenn sie denn will, mit jedem Ton einen kleinen Gänsehautschub auszulösen. Und so hinterließ Julia Holter ein begeistertes Publikum. Ihre Mission, Neugier auf das neue Album zu wecken ist geglückt, und auch die Berichte vom Haldern Pop Festival klingen so, als sei sie nun bereit, die Welt zu erobern. Mit dem rennomierten Indie-Label Domino im Rücken könnte ihr das sogar gelingen. Drücken wir ihr die Daumen.