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Neu entdeckt: Bistro Carmagnole

Vor einigen Wochen hat die Schanze gastronomischen Zuwachs bekommen. PRINZ hat sich für euch im Carmagnole umgesehen.



Wahrscheinlich weil das Bistro Carmagnole von den gleichen Leuten betrieben wird, wie die Szene-Bar Golem am Fischmarkt, ist es schon jetzt kein Geheimtipp mehr, obwohl es seine Türen erst kurz vor Weihnachten geöffnet hat. Das französische Restaurant im Herzen der Schanze (direkt um die Ecke der Roten Flora) geriert sich als DIE neue kulinarische In-Location der Stadt. Mit wieviel Liebe am Konzept gefeilt wird, erkennt ihr unter anderem am stilechten, neu gefliesten Fußboden und der französischen Bedienung. Das ganze ist so charmant, dass es gar nicht stört, wenn der Barkeeper auf Nachfragen nur mit einem entschuldigenden “Parlez-vous français?” antworten kann.

Kundennähe ist hier Programm. Eine richtige Website gibt es gar nicht, stattdessen findet ihr die digitale Hauptpräsenz des Lokals ganz socialig-kuschelig auf Facebook, wo ihr auch gleich an der Entstehungsgeschichte teilhaben könnt. Hier wird kumpelig und mit viel Humor berichtet, welche seltenen Spirituosen soeben eingetroffen sind und warum es leider kein Entrecôte mehr gibt. Hier seid ihr nicht nur Restaurantgast sondern Teil der Carmagnole-Community. Also hin da, dachten wir uns, die (ausschließlich) auf Facebook präsentierte Karte macht zusätzlich Appetit.

Das Ambiente

Schonmal vorweg: wir mögen kleine, niedliche Bistros. Je kleiner und niedlicher, desto besser. Und wir finden es auch legitim, wenn gerade kleine Restaurants sich dafür entscheiden, keine Reservierungen anzunehmen (im Carmagnole könnt ihr Tische erst ab einer Gruppengröße von sechs Personen buchen). Zu schmerzlich ist der finanzielle Ausfall, wenn angemeldete Gäste einfach nicht auftauchen. Da die Gäste hier eh die Bude einrennen, ist die Absicherung durch Reservierungen auch gar nicht nötig. Was wir aber unschön finden, ist das Angebot, wir könnten uns zu zwei Herren an einen (schon für gute Freunde recht engen) Vierertisch setzen. Da bräuchten wir keine Scheu zu haben, die wüssten, dass sie gegebenenfalls zusammenrücken müssen. Zum Glück wurde in dem Moment der Fensterplatz frei – so schön neue Bekanntschaften auch sind, auf die unausweichliche Ellenbogenrangelei bei jedem Schluck Wein wollten wir gerne verzichten. Da werden wir lieber weggeschickt und vertröstet. Auch andere französische Annehmlichkeiten haben wir vermisst. Für ein Körbchen Brot mit Olivenöl vorweg zahlen wir zwei Euro und die Karaffe Wasser, die wir aus Paris gewohnt sind, gibt es auch nicht. Dafür erreichen die Preise locker das Niveau der französischen Hauptstadt.

Das Essen

Aber Qualität hat eben ihren Preis. Und qualitativ ist die Küche vom Bistro Carmagnole erste Sahne. Frische Zutaten, auf den Punkt zubereitet und perfekt gewürzt – geschmacklich sind die Gerichte hier jeden Cent wert. Das Tartare vorweg hatte eine tolle Konsistenz und war appetitlich rosig. Das noch warme Röstbrot, das dazu gereicht wurde, machte die Vorspeise perfekt (8,50€).

Hauptspeisen gibt es sowohl von der Karte als auch, wechselnd, von der großen Schiefertafel an der Wand. Wir entschieden uns für zwei aktuelle Gerichte. Der überbackene Chicoree (leider konnte der Kellner uns nur “mit irgendeinem Käse, hab ich grad vergessen” verraten – ein bisschen schwach für ein gutes französisches Restaurant) war großartig – kein bisschen bitter aber schön kräftig gewürzt und mit genug leckerem Sud, dass auch der Beilagen-Quinoa ein Genuss war (ca. 15€). Der Skrai war frisch und die leicht karamellisierten Süßkartoffeln, auf denen er angerichtet wurde, ein Traum. Für 25€ hätte es von der hervorragenden Sättigungsbeilage aber ruhig ein bisschen mehr sein dürfen. Dafür war die Fischportion ordentlich.

Zum Nachtisch gönnten wir uns noch eine Tarte au Citron (4,50€), die wir so cremig noch nicht gegessen haben. Anschließend stellten wir beruhigt fest, dass die Öffnungszeiten (18 bis 22 Uhr) nur für die Küche gelten. Danach dürft ihr getrost noch euren Wein austrinken oder zum heitereren Teil des Abends übergehen und euch an der Bar einen der ausgefallenen Cocktails kredenzen lassen.

Fazit

Das Bistro ist nett, die Küche hervorragend. Allerdings hapert es für uns etwas beim Ambiente. Für das Geld dürfte es ein bisschen mehr Service, mehr Beratung, mehr Platz geben. Wem die Preise egal sind, der wird hier bestens bekocht. Wer sich aber mal was gönnen möchte – vielleicht einen besonderen Anlass zu zweit begehen will – der wird woanders einen schöneren Abend verbringen.

PRINZ-Bewertung: 3/5 


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