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PRINZ-Test: Kaffeeklappe

Ein Zaun mit Geschichte, ein Moos-Kunstwerk und jede Menge leckeres Essen: Die Kaffeeklappe ist ein neuer Geheimtipp, nicht nur für Wilhelmsburger.



Gebratener Halloumi mit Paprikagemüse und Salatbouquet, Kartoffel-Rauken-Stampf mit Zitrus und Tomaten-Oliven-Sugo, Polentaschnitte mit Rosmarin, Spinat und Brie – die Wochenkarte der Kaffeeklappe liest sich so wunderbar, dass der Magen vor Appetit rumort. Kann es sein, dass das alles so lecker ist wie es klingt? Ja, kann es.

© Anika Haberecht
Volker von Witzleben hat im März 2015 die Kaffeeklappe eröffnet, ein Café und Restaurant mitten im belebten Kern des Stadtteils Hamburg-Wilhelmsburg. Wo zuvor noch das Kaffeeliebe zuhause war, gibt es nun täglich wechselnden Mittagstisch, Stullen, Suppe, Waffeln, Kuchen und Frühstück. Und natürlich Kaffee.

© Anika Haberecht
Die Kaffeeklappe setzt die Tradition der gleichnamigen Hamburger Hafenkantinen fort, die zu Freihafenzeiten im 19. Jahrhundert die Arbeiter aus der Klappe heraus mit Kaffee und Suppe versorgten, um dem Alkoholkonsum etwas entgegenzusetzen. Zwar werden in der modernen Version der Kaffeeklappe in der Fährstraße die Speisen und Getränke an den Tisch gebracht, ein bisschen vom bunten Hafenflair kann man aber trotzdem spüren, zum Beispiel beim Blick auf die Speisekarte.

© Anika Haberecht
Vom rustikalen Frühstück mit Käse, Wurst oder Ei (ab 4€) über die vegane Stulle mit Tamarinde, mariniertem Tofu und Koriander (2,90€) bis hin zu diversen Mittagstisch-Gerichten (vegetarisch/vegan 4,90€, mit Fleisch/Fisch 6,90€) – in der Kaffeeklappe ist man auf alle Esser eingestellt. Sogar an die Gäste mit Unverträglichkeiten ist gedacht, denn alle Speisen sind mit Hinweisen zu Allergenen gekennzeichnet. Bei den Zutaten wird vor allem auf Regionalität gesetzt: Das Gemüse kommt von Biobauern aus Moorwerder und Sittensen, das Brot aus Hamburgs kleinster Bio-Backstube, der Bäckerei Rettungsbrot, die Marmelade vom Lotsenprojekt Reiherstiegviertel, der Honig von verschiedenen Insel-Imkern. Den legendären Wilhelmsburger Deichbruch gibt es hier natürlich auch – ein lokaler Halbbitter-Likör, der seit 1910 hergestellt wird.

© Anika Haberecht
Noch steht Geschäftsführer Volker so oft es geht selbst in der Küche und hinterm Tresen, auf Dauer wird das für den gelernten Koch aber unmöglich sein. Denn der Laden brummt: Noch weit nach der Mittagszeit sind an einem sonnigen Tag alle Außenplätze belegt. Drinnen ergattern wir noch ein Plätzchen am gemütlichen Holztisch. Der Vorteil: Von hier aus hat man den besten Blick auf das neun Quadratmeter große grüne Wandbild aus echtem Moos.

© Anika Haberecht
„Bei den sommerlichen Temperaturen müssen wir es regelmäßig einsprühen, damit es nicht austrocknet“, sagt Volker. Das Kunstwerk wurde über Jahrzehnte hinweg von der Natur auf eine LKW-Plane gezeichnet, bis es von einem vergessenen Hinterhof in Bremen geholt und auf Leinwand gezogen wurde. Nun sorgt es in der Kaffeeklappe für atmosphärische Bewaldung.

© Anika Haberecht
Auf der gegenüberliegenden Seite ziert ein alter Zaun die Wand und dient zugleich als Aufhängung für Magazine und Zeitungen. Es ist nicht irgendein Zaun, sondern ein Segment des Wilhelmsburger Zollzaunes, das Olaf Scholz höchstpersönlich im Januar 2013 zu Boden geflext hat.

© Anika Haberecht
Endlich kommt das Essen: Sommerrolle mit fruchtigem Gurkensalat (3,50€), vegane Stulle mit Tamarinde, mariniertem Tofu und Koriander (2,90€), dazu noch Farfalle mit Pesto Rosso, gebackenem Fenchel und Salat (4,90€). Die Farfalle sind gut, aber wenig außergewöhnlich. Ganz anders sieht das bei der veganen Stulle aus, denn ehrlich: Ich wusste gar nicht, dass Tofu so gut schmecken kann! Der Koriander und die getrockneten Tomaten bilden das i-Tüpfelchen.

© Anika Haberecht
Getoppt werden kann das nur noch von der Sommerrolle – eine leicht scharfe mit Glasnudeln und Tofu gefüllte Rolle aus Reispapier, die mich gedanklich in meinen Vietnam-Urlaub zurückversetzt. Der Gurkensalat mit Kräutern und Nektarinen rundet das Gericht ab. Das perfekte leichte Essen für warme Tage. Zum Nachtisch gönnen wir uns einen hausgemachten Karottenkuchen mit Frischkäsecreme. Auch der überzeugt vollends.

© Anika Haberecht
Fazit: Die Kaffeeklappe ist eine Bereicherung für Hamburg-Wilhelmsburg. Für wenig Geld bekommt man hier super-leckeres und qualitativ hochwertiges Essen – ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Da lohnt sich selbst für Schanzenmenschen und St.-Paulianer ein Besuch auf der anderen Elbseite!

PRINZ-Bewertung: 5/5 Sterne

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Unsere Autorin liebt es, neue Cafés und Restaurants auszuprobieren. Am meisten schlägt ihr Herz für Kuchen und andere süße Leckereien, die sie in der Regel in der Schanze, in Ottensen oder St. Pauli genießt. Seit sie die Sommerrollen in der Kaffeeklappe probiert hat, ist sie hin und weg und denkt sogar ernsthaft über einen Umzug nach Wilhelmsburg nach.


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