Ich sehe was, was alle sehen, und das ist: grau. Und beschmiert. Und vor allem wahnsinnig hässlich. Doch die Schaltkästen am Straßenrand sind für die Stadt leider unverzichtbar. Mehr als 4000 dieser öden Klötze gibt es in Hamburg, und ihr steriles Aussehen lädt immer wieder Sprayer dazu ein, ihre Tags zu hinterlassen. Die meisten der Kästen werden durch die illegale Street-Art allerdings eher verunstaltet denn künstlerisch wertvoller. Deswegen stellte der Eimsbüttler CDU-Abgeordnete Thomas Thomsen bereits vor zwei Jahren den Antrag für ein Pilotprojekt: 500 graue Riesen sollen mit professionellen Graffiti verschönert werden. Da die Deutsche Telekom Eigentümer der Kästen ist, darf sie die Regeln aufstellen. „Nur stadtteilbezogene Motive oder Motive, die Kommunikation zum Thema haben, sind erlaubt. Werbung ist komplett verboten“, erklärt Stefanie Halle von der Telekom Nord.

Inzwischen läuft Thomsens Projekt: Privatleute können jetzt Künstler engagieren, die die Schaltkästen vor ihrer Haustür von ihrem tristen Erscheinungsbild erlösen. Bei Grafikdesigner Vincent Schulze kostet die Kunst am Klotz zum Beispiel 375 Euro. Er kümmert sich auch um die nötigen Genehmigungen von Bezirksamt und Telekom. Neben den Verteilerkästen besprüht der Street-Art-Künstler Garagentore, Einfahrten oder Häuserfassaden mit legalen Graffiti als Schutz vor Verunstaltung. „Früher musste ich für das Sprühen Strafen zahlen. Heute kriege ich sogar Geld dafür.“ Nun kann Hamburg endlich zeigen, was es auf dem Kasten hat. Den beiden ersten bemalten Kästen in Eimsbüttel (Eimsbüttler Chaussee und nun auch Osterstraße) stehen ihre historischen Motive jedenfalls prächtig. roo