UNBEKANNTES EIMSBÜTTEL

Warum Eimsbüttel so beliebt ist, wird bei einem Besuch schnell klar: Kaum ein Fleckchen in Hamburg bietet so viele Facetten wie dieser Stadtteil. Eine Oase für Künstler, Studenten und Werber, denen Eppendorf zu schick und St. Pauli zu abgerockt ist. Aber auch Familien genießen die Vorzüge Eimsbüttels mit seinen stilvollen Altbauten. Man kann hier gepflegt shoppen, essen und trinken gehen – und muss dafür keine langen Wege in Kauf nehmen. Auf den Wochenmärkten an der Apostelkirche, in der Grundstraße oder der Gustav-Falke-Straße liefern die Stände ihren Besuchern auch die heiß begehrte Bio-Ware. Genau diese Mischung und die Gelassenheit seiner Bewohner machen Eimsbüttel so attraktiv. Die FC-St.-Pauli-Spieler Marvin Braun und Marcel Eger haben sich sofort in das lebendige Viertel verliebt. „Wir sind jung, brauchen den Trubel, wollen aber auch mal abschalten – da ist Eimsbüttel genau die richtige Adresse“, sagen die Kicker. Ungewöhnliche Läden siedeln sich in diesem kreativen Strudel besonders gern an. Etwa das Human Empire am Schulterblatt: coole Shirts, ausgefallene Designs und frische Ideen. Einen Steinwurf entfernt bietet Std. Null bei Longdrinks entspanntes Stöbern in Secondhand-Ware. Für kulinarische Hochgenüsse ist der Stadtteil seit einigen Jahren auch bekannt. „Das Viertel hat Klasse, hier kann ich hochwertig essen gehen“, sagt Ivo Ruczinski, Inhaber des „Elbe 76“. Das Restaurant in der Bismarckstraße ist fast immer voll, nicht selten sitzt man neben Ex-„Tagesthemen“- Moderator Uli Wickert. Ein Vorteil für Familien: Trotz dichtester Besiedelung gibt es ein paar schöne Parks. Sie sind zwar nicht so groß wie die anderen Grünflächen Hamburgs, aber dennoch grüne Oasen. Maka Chihviladze und Sohn Luca freuen sich darüber: „Hier kann ich mein altes Leben weiterführen und ich selber sein – nur eben mit Kind.“ An schönen Tagen lockt der idyllische Eimsbütteler Park, Nähe Heußweg, wo die beiden um den Teich spazieren und Enten füttern: eine echte Großstadtoase. Und auf dem Anwohnerflohmarkt am Else-Rauch-Platz findet Maka immer ein paar interessante Teile zum Mitnehmen. Das Beste an Eimsbüttel ist die Entspanheit seiner Bewohner: Wenn hier mal Stars wie Smudo oder Samy Deluxe über die Straße gehen, gucken sich höchstens Touristen um.

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SZENE
„Es ist toll, dass es jetzt auch ein cooles Café gibt“, meinen Marcel Eger und Marvin Braun, die sich gemütlich auf der Couch im Yokozuna Café lümmeln und Bionade trinken. Marcel schätzt auch den Schwesterladen auf der anderen Straßenseite – dort stöbert er gern nach ungewöhnlichen Geschenken. Wenn der Abwehrspieler Hunger bekommt, macht er einen Abstecher zum „Juwelier“. „Hier treffen sich ganz entspannte Leute bei sehr gutem Essen – Smudo war auch schon da.“ Besonders sentimental werden die Kicker, wenn sie am „Juli“ vorbeiziehen. „Im Juni haben wir uns im ,Juli‘ getroffen und beschlossen, eine WG zu gründen“, flachst Marvin über das farbenfrohe Restaurant, in dem sie gelegentlich frühstücken. Überhaupt ist ihnen die Dichte an Lokalen sehr wichtig. Denn bei den Süddeutschen herrscht öfter mal gähnende Leere im Kühlschrank. Zum Glück gibt es die „Pfälzer Stube“: „Große Schnitzel, prima Maultaschen und gut zum Chillen nach einem Ligaspiel“, lautet Marvins Urteil. Gegenüber ihrer Wohnung liegt die Galerie Michel und Elbe, die beide wegen ihrer spektakulären Fotos aus Hamburg schätzen. Und wo shoppen sie, wenn sie mal nicht im Vereinsoutfit unterwegs sind? Bei Human Empire. „Der Laden hat Shirts mit coolen Drucken und ist gar nicht mal teuer.“ Ein Stückchen weiter wollten Marvin und Marcel selbst mal eine Bar eröffnen. „Gut, dass wir das nicht gemacht haben. Ich glaube, wir wären unsere besten Gäste gewesen“, scherzt Marcel. Und Marvin ergänzt: „Es ist besser, im 13. Stock ein Bier zu trinken – da geht man auf den Balkon, nimmt einen tiefen Zug frische Luft und setzt danach seinen Streifzug durch Eimsbüttel fort.“

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EDEL
1997 zog Ivo Ruczinski, Inhaber des Bar-Restaurants „Elbe 76“, von Eppendorf nach Eimsbüttel. „500 Meter – ein echt großer Schritt“, lacht er. Damals sah es hier noch anders aus: bürgerlich-spießig, mit streng grünem Öko-Anstrich und hoher Dichte von „Atomkraft? Nein danke!“- Buttons. Inzwischen ist das Straßenbild aufgebrochen: Edle Designershops wie Bloom und Thilo Mayr wechseln sich ab mit alteingesessenen Läden. Individualität und Liebe zum Detail machen den Charme aus: In Eimsbüttel kann man gar nicht schnell die Straße entlanggehen, es gibt immer ein Schaufenster, an dem man kleben bleibt. „Gefehlt haben mir früher immer etwas Farbe, Kulturaktion und Lautstärke im Alltag. Das hat sich geändert. Seit einigen Jahren bekommt das Viertel ständig ein neues Gesicht“, erklärt Ivo Ruczinski. „Hier hat sich eine Gastronomie mit hohem Standard angesiedelt. Und das Beste ist: Ich kann sehr gut essen gehen,muss mich dafür aber nicht groß in Schale werfen.“ Ivo geht gern zu seinen Kollegen ins „Vienna“ oder ins „Vespers“. In seinem eigenen Laden „Elbe 76“ ist das Publikum bunt gemischt: Pärchen, Kreative, Werber, DJs, Geschäftsleute und dazwischen gern mal Uli Wickert. „Im Laufe des Abends entstehen nette Gespräche. Die Menschen hier – das spricht ebenfalls für den Stadtteil – sind offen und entspannt.“ Was Ruczinski noch an der neuen Gastroszene gefällt: „Die Läden entwickeln sich ständig weiter.Wir zum Beispiel arbeiten seit vergangenemJahr mit Bauern aus der Region zusammen. Jetzt kommt bei uns nur auf den Tisch, was saisonal angeboten wird.“ Womit wir wieder beim Eimsbüttler Öko-Anspruch wären. Für Ivo Ruczinski steht jedenfalls fest: „Wenn ich nach einer langen Nacht morgens noch mit dem Hund rausgehe und über dem Isebekkanal die Sonne aufgeht, weiß ich, dass ich im Moment am richtigen Platz bin.“

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FAMILIÄR
Was ist das beliebteste Trend-Accessoire von Schanzen-Hipstern? Das Galão-Glas? Nein. Die Designer-Sonnenbrille? Auch nicht. Der Kinderwagen? Richtig! Egal, ob Vintagemodell oder Luxusvariante, überall rollen junge Mamis und Papis ihre Babys über die Bürgersteige. Eimsbüttel ist bei Familien angesagt. „Warum soll man denn gleich ins Vorstadt- Reihenhaus ziehen, sobald sich Nachwuchs ankündigt? Ist doch viel aufregender hier“, findet Maka Chihviladze, 30. „Hier kann ich mein altes Leben weiterführen und ich selber sein – nur eben mit Kind.“ Maka sitzt entspannt im Café Babylounge, vor ihr ein Cappuccino und ein riesiger Berg frisch gebackener Waffeln. Ihr zweijähriger Sohn Luca stürzt sich gerade mit zwei Freunden in eine Spielzeugkiste. „Wir können alles in Fußnähe erreichen: Parks und Spielplätze. Hier gibt es tolle Läden für Kinderklamotten und jede Menge Möglichkeiten, sich mit anderen Müttern zu treffen. Im Sommer gehen wir gern zum Entenfüttern in den Park Am Weiher. Um den Teich schlängelt sich ein malerischer Spazierweg: eine echte Großstadt-Oase.“ Und bei Regen plantscht Luca in der Kaifu-Lodge. Jeden Sonnabend geht es mit der Familie zum Brunchen ins Café May, wo die Kinder über Sofas toben können. Makas Shoppingtipp ist der Flohmarkt am Else-Rauch-Platz: „Ein reiner Anwohnerflohmarkt, jeden letzten Sonntag im Monat, hier kann man noch echte Schnäppchen machen. Außerdem trifft man immer ein bekanntes Gesicht. Das ist das Schöne an Eimsbüttel: Irgendwie ist es hier wie in einem Dorf, aber mit allen Annehmlichkeiten der Stadt.“