EPPENDORF: INDIVIDUELL UND CHIC

Manchmal muss es etwas Besonderes sein. Ein ausgefallenes Geschenk für einen lieben Menschen, eine Tasche, die nicht jeder hat. Oder Stiefel, die Freunden ein neidisches „Wo hast du die her?“ entlocken. Nicht London, Paris oder Mailand – Eppendorf heißt das Ziel, das Shoppingfans in Entdeckungsreisende verwandelt. Hier reihen sich Edelboutiquen an Designer-Stores, Secondhand-Läden an Shops für Wohnaccessoires, und nirgendwo anders in Hamburg scheint es so exquisite Schuhläden zu geben. Und noch hat es sich nicht überall herumgesprochen, was für Schätze auch jenseits des Marken-Mainstreams hier zu finden sind. Denn an Eppendorf klebt immer noch der Ruf, nobel, teuer und konservativ zu sein: Porschefahrer, die erbittert um die raren Parkplätze kämpfen, von Kopf bis Fuß in Pradaschwarz gekleidete Jungmütter, die ihre Luxus- Kinderwagen durch die Straßen schieben – Klischees über „Deppendorf“ gibt es genug. Vielleicht liegt es daran, dass der Stadtteil vor zwanzig Jahren ein Mekka fönfrisierter Popper war.Und natürlich wohnen hier zahlreiche Menschen (darunter auch HSV-Star Rafael van der Vaart und seine Frau Sylvie), die nicht auf jeden Cent achten müssen. Trotzdem hat Eppendorf in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Zwar gibt es weiterhin Läden, aus denen die Kunden mal eben eine Vase im Wert einer durchschnittlichen Monatsmiete heraustragen. Aber dazwischen blühen und gedeihen kleine, feine Shops und Cafés mit kunterbunt gemischtem Publikum. Wie zum Beispiel Schokovida: Ein fünf Meter langer Tresen lockt mit Trinkschokoladen, Pralinen, Werkzeugkästen aus Kakao sowie luftigen Schokoküssen aus Dänemark. Purer Luxus für zwischendurch. Die Tatsache, dass Besitzer Oliver Rohlf seinen Job bei einer Plattenfirma an den Nagel hängte, um sich mit viel Herzblut seinen Lebenstraum zu erfüllen, macht Schokovida noch sympathischer.

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Die Designer Stefan Harm und Tobias Jopp wechselten nur den Stadtteil: Nach fünf Jahren Schanzenviertel mischen sie nun Eppendorf auf und verkaufen unter ihrem Label FKK Mode, die auch regelmäßig auf MTV zu sehen ist. Ihr Lieblingsstück ist das Jerseykleid in allen Variationen. Aber auch klassische Anzüge, Mäntel und sportliche Kapuzenshirts begeistern modebewusste Hamburger Ebenfalls in der Hegestraße treffen wir Bernhard Eblinghaus. Braungebrannt, blonde Haare: Ein Typ, den man eher auf der Snowboardpiste oder beim Wellenreiten auf Hawaii vermutet als in Eppendorf. Schon seit ein paar Jahren bietet sein Shop Hai-Q in der Hegestraße alles, was ein Boarder braucht. Hier gibt es hippe Klamotten, Mützen und Sonnenbrillen von Billabong, Burton und Zimtstern. Nicht unerwähnt bleiben darf Kaufrausch in der Isestraße. Seit mehr als zwanzig Jahren hat sich das Shop-in-Shop-Prinzip bewährt. Lederdesign, Haarschmuck, Dessous: Wer hier einmal anfängt zu stöbern, verlässt den Laden nicht ohne mindestens drei Tüten. Dazu lockt die integrierte Mars Bar mit italienischen Leckereien.Allerdings ist es, vor allem samstags, schwierig, einen Platz zu bekommen, denn die Mars Bar ist immer noch der Lieblingstreff der Eppendorfer. Zu denen gehören auch Samy Deluxe und Jan Delay, die ihrem Viertel mit dem Song „Lang is her“ ein Denkmal setzten („Allein zwischen Poppern, sie spielten Tennis und Golf, sie hielten ihr Viertel sauber, wir taggten es voll“). Jan Delay ist im ältesten Wohnprojekt Hamburgs aufgewachsen.Heute gilt die Hausgemeinschaft Haynstraße / Ecke Hegestraße, die vor Gericht ständig gegen Spekulanten um ihre Mietverträge kämpft, als streitbarste WG. Wenn die Bewohner nach einem anstrengenden Gerichtstermin entspannen, trifft man sie vielleicht im Fleur de Piment, einer Oase aus 1001 Nacht mit Terrasse, Brunnen und arabischen Keramiken. Besitzerin Souâd Amrani bringt frischen Pfefferminztee und Gebäckteilchen. Und während die WG den nächsten Schlachtplan ausheckt, geht der Shopping- Troubel vor der Tür weiter.