Ja, auch das Bild des Mannes von heute bestimmen maßgeblich die Medien, die Mode und die Werbung. Wie schon bei den TRAUMFRAUEN im Jahr 2008 haben jetzt die Deichtorhallen-Kuratoren Nadine Barth und Ingo Taubhorn 50 Starfotografen gebeten, ihre Vision des neuen Männerbilds zu präsentieren.

So schaut uns gleich an der zentralen Eingangswand Zine Zidane ohne Kopfstoss-Brutalität entspannt und direkt in die Augen. Oder Brad Pitt haucht uns weiter hinten rechts zart-durchlässig einen Blick entgegen. Schmal wirkt er. Und an seinem einfachen, langarmigen T-Shirt hängt selbstironisch ein Preisschild: „20% Off“. Oder die Männerpaarungen Johnny Depp und Tim Burton, Julian Schnabel und Roman Polanski spielen uns spaßige Posen vor. Sie sind eben alle dabei, zum Teil mehrfach: dreimal Vincent Cassel, je zweimal George Clooney, Brad Pitt, Jonathan Rhys Meyers, Viggo Mortensen, Matt Dillon und John Malkovich. Laut Nadine Barth „allesamt starke Persönlichkeiten, denen Models, Musiker, Schriftsteller, Künstler, Sportler und Freunde der Fotografen an die Seite gestellt wurden, die nicht minder interessant wirken. Was männlich ist?“ resümiert Barth in nur einem Wort: „Charakter“.

Ob das bei der Vernissage, die doch eher wie eine Dauerwerbesendung mit ordentlich viel Product-Placement rüberkam und dann in eine laut wummernde Party mit Musik und Drinks überging, wirklich so sichtbar geworden ist, sei mal dahin gestellt. Toll war – es war voll! Und ganz bestimmt waren die Frauen in der Überzahl und die Kommentare ungehemmt: „Guck mal, der hat das gleiche Armband an wie ich! Oder: „Dafür würde ich kein Geld ausgeben“ oder „Den würde ich nicht von der Bettkante…“ und so weiter.

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Und was haben die Fotografen, die eigentlichen Stars der Ausstellung, sich selber für die Auswahl ihrer Bilder gedacht? Marc Holm will „…Menschen, die ich zutiefst respektiere – als großartige Profis und fantastische, inspirierende menschliche Wesen“ zeigen. Thomas Leidig sagt: „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss“,. Ali Kepenek: „Ich wollte, dass alle gleich aussehen, dass die Konzentration nur auf die Augen gelenkt wird. Deshalb war es für mich wichtig, die Kleidung wegzulassen. Nicht aus erotischen Gründen, sondern der Gleichheit willen…“ Und Margarita Broich, die Theaterfotografin: „Ich versuche auf meinen Fotos diesen stillen und zugleich wilden Moment nach einem Auftritt festzuhalten. Einen Zustand der Gesammeltheit und gleichzeitigen Orientierungslosigkeit. Müde und schön….“

Und wie ist es der Kolumnistin ergangen? Sie war erschlagen. Erschlagen von Sixpacks, nackter Haut und Prominenz. Erwartungshaltung? Mehr als erfüllt. Aber leider – die Positionen, die über eben diese hinaus reichten – zum Beispiel die von Carlotta Manaigo, die Männer (auch alte, faltige) in ihrer natürlichen Eleganz porträtiert hat, die gingen unter. Oder Daniel Riera, der nur einen einzigen Mann, einen Großstadtmann, durch NYC begleitete – erst im Nachhinein kapiert. Und richtig gerührt war sie eigentlich nur von der einen faltigen Hand eines farbigen Mannes in Großaufnahme von Nadav Kandar. Aber hey: alles ist gut. Total okey so eine Fotoparty. Gala-lesen schließlich ein heimliches Hobby. Und trotzdem sind wir leicht melancholisch im stürmischen Regen nach Hause getrottet und haben über verpasste Chancen nachgedacht. Wäre nicht ein anderer Ansatz zum aktuellen Männerbild möglich gewesen? So kommt uns die Show eben doch nur vor wie ein Abbild des alljährlichen Sexiest-Man-Alive-Wettbewerb. Nennen wir es: Deichtorhalle Sucht Den Superstar.

Angela Holzhauer