Helga Johanna Schirmer ist ständig unterwegs in ihrem St. Georg, oft mit ihrer Freundin und Kollegin Rita Geiselbrecht. Die beiden werden im Viertel gern das „rasende Reporterteam“ genannt, weil sie für den Bürgerverein St. Georg Geschichten recherchieren. Seit 1985 wohnt Helga Schirmer nun schon hier, und das mit Leidenschaft. Und schon lange vorher genoss sie das Leben zwischen Alster und Hauptbahnhof. „Damals fuhr hier noch eine Straßenbahn, als anständiger Hamburger wohnte man aber keinesfalls in St.Georg. Das war das Schmuddelkind Hamburgs. Als ich hierher zog, begann man gerade damit, die Häuser zu renovieren, man hatte ja 20 Jahre lang überhaupt nichts an diesem Viertel gemacht, weil es komplett abgerissen werden sollte.“ Hochhäuser für 20 000 Menschen sollten hier entstehen, das „Alsterzentrum“, gebaut von der Neuen Heimat. „Zum Glück ist daraus nichts geworden, die Pläne kann man sich heute noch im Stadtteilarchiv ansehen.“

Helga Johanna Schirmer kennt jeden Winkel ihres Stadtteils. „1985 war hier noch alles ganz schön eng beeinander. In der Schmilinskystraße zum Beispiel wohnten Luden neben dem Kindergarten, daneben ein Architekt, dahinter war ein Puff. Heute sieht das anders aus. Lebendig ist St. Georg noch immer. Obwohl die Einkaufsmöglichkeiten schrumpfen, die Mieten horrend steigen, und überall, wo ein kleiner Laden schließt, ein Friseurgeschäft oder ein Coffeeshop entsteht. Im Sommer findet alles auf der Straße statt, dann wird es schwierig für Kinderwagen oder Rollstuhl. Dennoch gibt es hier noch Familien, immerhin sechs Kindertagesstätten und vier Schulen, und die meisten Altenwohnungen und Seniorenstifte der Stadt. Man grüßt sich, trifft sich im „Balkan Magazin“ zum Mittagstisch, spaziert durch den Lohmühlenpark. Das „Baumhaus“ dort, ein winziges Lokal, ist quasi mein Sommerdomizil. Wunderbar ist es auch im Café Gnosa. Das nannte man früher Café Klebarsch, weil hier immer alle so lange sitzen blieben. Und es gibt dort immer noch den besten Kuchen der Stadt. Früher bin ich immer mit meinem Hund hier spazieren gegangen, Max kannten alle. Es ist überhaupt familiär hier, man trifft immer jemanden zum klönen, und so ist man nie allein. Ich würde niemals hier wegziehen. Genau hier wollte ich immer hin. Und hier werde ich bleiben.“

JOHANNA SCHIRMERS ST.-GEORG-TIPPS
Balkan Magazin Branko Vnuk sei Dank: für die Würste, Häppchen und deftigen Eintöpfe.
Baumhaus – Café Oase Kleiner Biergarten mit Liegestühlen.
Bücher Dr.Wohlers Bei Jürgen Wohlers findet man auch längste Vergriffenes.
Café Koppel Kunst, Handwerk und vegetarisches Essen.
Café Gnosa Bei diesen Torten werden sogar Kaffeklatschhasser sesshaft.
Kräuterhaus Hat jedes Gewürz.
Rüdiger Foldt Der Laden duftet nach Tee und selbst gerösteten Bio-Nüssen.