Seit knapp vier Wochen ist Serkan Uzun in St. Georg. Fremd ist dem Münchner die Stadt aber trotzdem nicht. Seitdem sein bester Freund vor eineinhalb Jahren hierher zog, war er häufig zu Besuch und hat beschlossen, das Glockenbachviertel gegen St. Georg zu tauschen. Übergangsweise hat er hier bei einem Freund in der Bremer Reihe gewohnt. „Diese Ecke ist wirklich schön – wäre da nicht die furchtbare Zwangsprostitution der drogenabhängigen Mädchen. Am meisten stört es mich, den Freiern zu begegnen, die während ihrer Mittagspause mit ihren Aktenkoffern unterm Arm auf Brautschau gehen.“ Jetzt wohnt er um die Ecke von seinem Lieblingscafé, dem Peaberries. Da liebt er die Bagels, getoastet schmecken sie am besten, der Cappuccino ist auch fein, sagt er, und es gibt ein bisschen Ruhe in der kleinen Seitenstraße.

„Es ist echt ein Zufall, dass das geklappt hat. So viele Wohnungen habe ich angesehen, mit etlichen Bewerbern angestanden. Und dann habe ich vor ein paar Tagen ein Schild an einer Wohnung entdeckt und gestern den Mietvertrag unterschrieben. Man muss hier schon ein bisschen Glück haben.“ Mittlerweile kennt er sich im Viertel bestens aus. Seinen Tee kauft er bei Mutterland. „Am liebsten Energy-Tee, der schmeckt superlecker und macht wach, so wie der Kaffee, der hier übrigens auch klasse ist.“ Direkt daneben liegt Bob, der führt als einziges Geschäft in Hamburg Neil Barrett oder T-Shirts mit Kaschmir aus Japan. Serkan liebt schöne Stoffe, deswegen hat er Grafik und Modedesign studiert. „Viele Dinge, die ich trage, sind von mir entworfen. Taschen zum Beispiel habe ich mir schon seit Jahren nicht mehr gekauft, die mach ich selbst.“ (Demnächst gibt es Serkans Taschen und Accessoires übrigens auch auf serkanuzun.de).

In Hamburg hat er auch gleich den passenden Job gefunden: Er arbeitet bei Herr von Eden im Verkauf, und wenn er von den tollen Schnitten der Anzüge spricht, und von dem fantastischen Smoking, klingt das nicht aufgesagt, sondern nach Herzblut. „St. Georg ist ein tolles Viertel, zentral, stylisch und doch bodenständig, man bekommt alles, es gibt schöne Cafés zum Ausruhen, leckere Restaurants wie das ,Cox‘ und zig Ausgehmöglichkeiten. Und dann noch die Alster direkt ums Eck. Nein, ich vermisse wirklich nichts. Außer meinen Münchner Freunden.“

SERKAN UZUNS TIPPS FÜR ST.GEORG
Bob Kollektionen von Neil Barrett und Alex&Chloe führt sonst niemand in Hamburg.
Cox Seit Jahren eine Institution des guten Geschmacks.
Herr von Eden Hat die besten Anzüge der Republik.
Metropolis-Kino Billy-Wilder-Filme, Horror, Stummfilme: alles außer Blockbuster.
Mutterland Tee, Kaffee, Senf, Whisky, Schokolade – sogar mit Hirschfleisch.
Peaberries Hier gibt’s die frischesten Bagels von St. Georg.
Schauspielhaus Junges, manchmal provokantes Programm