„Die Zunge Europas“ ist noch nicht verstummt, da legt Musiker, Schauspieler und Schriftsteller Heinz Strunk schon nach: „Fleckenteufel“, der neue Roman des Hamburgers, ist das männliche Pendant zu Charlotte Roches Werk „Feuchtgebiete“. Als die derbe Steilvorlage der ehemaligen Viva-2-Moderatorin mit immer spektakuläreren Verkaufszahlen aufwartete, ließ sich „der Heinzer“ ganze 24 Kapitel für einen Gegenschlag einfallen. „Ich halte es nicht mehr aus, eine Entsaftung muss her, dringend, jetzt, sofort. Richtig geil soll es werden, ich möchte stöhnen und schreien und keuchen und gurgeln und irgendwelche Namen blöken.“ Scheint, als läge dem Humoristen das Schreiben über Körperflüssigkeiten im Blut.

Traurig-komisch und natürlich unerträglich peinlich liest sich seine Geschichte des 16- jährigen Thorsten Bruhn, der 1977 auf einer Kirchenfreizeit in Scharbeutz mit einer erbarmungslosen Dosis Pubertät zu kämpfen hat. Ob ihr eine Roche-artige monatelange Spitzenposition auf der „Spiegel“-Bestsellerliste bevorsteht, ist allerdings fraglich. Schließlich werden auch Tabubrüche irgendwann langweilig. Wir freuen uns aber, dass die Feuilleton-Debatten sich nun auch mal um einen Hamburger drehen können, und warten gespannt auf eine weitere Strunk-Premiere im Schauspielhaus. roo