Nur noch bis Sonntag, 12. September sind die fröhlich-frechen Arbeiten von Hank Schmidt in der Beek im Hamburger Kunstverein und in der Galerie Niklas Schechinger Fine Art zu sehen.

Die zentrale und Titel gebende Arbeit im Kunstverein ist EIN AKT, EINE TREPPE HINABZUMSTEIGEN. Wir sehen das Londoner Künstlerpaar, zwei Herren im Anzug – eben Gilbert und George, in einer mehrteiligen schwarz-weißen Collage eine Treppe hinunter steigen. In tiefstem, lautmalerischen Bayerisch hört man sie stöhnen/steht Hank Schmidt in der Beeks Poesie, die den Biermösl Blosn in nichts hinterher hinkt, darunter: „Glei hamm`s packt, glei hamma`s g`schafft – Des war a rechter Akt + Wenn auch mit allerletzter Kraft, Doch glei da hamma´s packt!“ Die Collage bezieht sich auf vielleicht „das“ zentrale Werk der Moderne überhaupt, das Bild von Marcel Duchamp „Akt, eine Treppe hinabsteigend“ von 1912. Unzählige Male schon wurde dieses Bild Duchamps, des Erfinders der Ready Mades, des Begründers der Moderne, collagiert und nachgemalt – aber vielleicht noch nie so leichtfüßig. Sehr schön auch Dick und Doof fahren Auto im umgekehrten Pissoir von R. Mutt, ein Pseudonym wieder von Marcel Duchamp. Und auch die Collagen, in der Pablo Picasso Kinder im Ohr hat oder die, auf der ein Mädchen kurzerhand die Streifen Daniel Burens in einem Korb zusammen legt, sind so karikierend frech im Umgang mit den Heroen der Kunstgeschichte, wie sie eben auch die Essenz der jeweiligen Arbeiten mit viel Humor an den Haaren packen.

Einen „federleichten Umgang mit Kunst“, nennt es Florian Waldvogel, Direktor des Kunstvereins. „Im Grunde gibt es nur Dick und Doof“, sagt der Künstler selbst, der für diese Serie von über 300 Collagen seine gesamte Bibliothek und vor allem sämtliche Kunstkataloge zerschnitten hat. Weitere Collagenhelden in der Beeks sind unter anderem: Karl Valentin, Oskar Maria Graf, Woody Allan, Andy Warhol, Man Ray – und eben immer wieder Marcel Duchamp und Dick und Doof. Eine wahrlich komische, Gattungsübergreifende Allstars-Truppe.

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Hank Schmidt in der Beek ist 1978 in München geboren – genau wie sein Hamburger Galerist Niklas Schechinger. Die beiden sind Freunde, waren zusammen im Kindergarten und studierten später gemeinsam Kunst in Offenbach und so weiter. Die ganz neu gegründete Galerie Niklas Schechinger Fine Art zeigt die großformatige Malerei des Künstlerfreundes im Erdgeschoss eines Sozialbaus in der Trommelstraße in St. Pauli.

Auch in der Malerei bedient sich Hank Schmidt in der Beek des Repertoires der Kunstgeschichte – wieder auf eine intelligente und humorvolle Art und Weise. Seine Bilder tragen neben den üblichen Zentimeterangaben Minutenzahlen. Denn in der Beek schaut sich als Inspiration für ein Bild Dokumentationen von Künstlern an, projiziert die Filme dabei auf eine leere Leinwand, und sobald im Film ein Kunstwerk zu sehen ist, malt er den charakteristischen Duktus des jeweiligen Bildes nach – und hält diesen künstlerischen Akt natürlich auch auf Video fest. Oft hat er nicht viel Zeit zum Malen, muss den Film mehrfach ansehen und sein Bild übermalen. Die Malerei in der Beeks hat jetzt nicht das malerische Niveau zum Beispiel des amerikanischen Action Painters Jackson Pollock. An dessen legendäre Filmdoku, in der Pollock auf eine Glasplatte malt, die dabei von unten gefilmt wird, erinnert die ganze mediale Meta-Aufbereitung der Malerei in der Beeks aber schon. Angela Holzhauer

HANK SCHMIDT IN DER BEEK: EIN AKT; EINE TREPPE HINABZUMSTEIGEN. Der Kunstverein, seit 1817, Klosterwall 23. Bis 12. September, kunstverein.de

HANK SCHMIDT IN DER BEEK: (Spitzweg bis Stella), Niklas Schechinger Fine Art, Trommelstraße 7, Di-So 15-19 Uhr, schechinger-fine-art.com