>> Zur Übersicht aller aktuellen Ausstellungen und Adressen in Altona. Die Reihenfolge ist geeignet für einen Rundgang per Fahrrad oder zu Fuß und dauert rund drei Stunden.

Nein, wir sehen nicht die Dokumentation eines Messie-Lebens – hier haben zwei Künstler die übervolle Wohnung des Kunstkritikers und Sammlers Hajo Schiff als Auslöser für ihre Kunst genommen. Im Photo.Kunst.Raum von Carmen Oberst (eben im Hinterhof schräg gegenüber vom Eingang der Zeise-Kinos) sind zur Zeit Fotos von Klaus-Henning Hansen und Zeichnungen der Künstlerin Julia Münz zu sehen. Die Ausstellung trägt den schönen Titel: „Der indiskrete Blick – Ein Pelz aus Dingen“.

Betrachtet man die mit dem Fischauge fotografierten Aufnahmen Hansens näher, sortieren sich die abgebildeten Dinge. Man ahnt, dass die voll gestopften Zimmerschluchten Schiffs komplexen Ordnungssystemen unterworfen sind. Ich persönlich grübele in dieser Ausstellung beim Schauen gern ein bisschen theoretisch vor mich hin: Ist hier die eigentliche Kunst das Gesammelte, also die Mitbringsel von Reisen aus Lateinamerika und was sonst so an den Wänden hängt? Oder ist hier Inhalt der Kunst die Persönlichkeit des Sammlers selbst? Oder ist doch das Foto die Kunst, also die künstlerische Arbeit? Auf alle Fälle wird deutlich, dass beim Sammeln die Biografie des Sammlers die größte Rolle spielt, und dass es beim Betrachten von Gesammeltem reizvoll ist, sich der eigenen Biografie bewusst zu werden.

Weiter geht es in die Borselstraße 9 in meine Galerie holzhauer hamburg – sie befindet sich im Hinterhaus, hinter dem Plastikvorhang hoch, im zweiten Stock. Was soll ich über die eigene Show sagen – natürlich ist sie super! Zwei Jahre hat der Künstler Paolo Moretto konzentriert auf diese Ausstellung hingearbeitet. Sie heißt Adesso si che sono fritto! – ein Ausspruch, den Italiener gern in ausweglosen Situationen benutzen. Wir zeigen neue Skulpturen und Bilder. Letztere hat Moretto alle mit einer Netzstruktur versiegelt. Das schafft einen zugleich amüsierten wie geheimnisvollen Blick auf das dahinter Liegende und nebenbei die Illusion von Perspektive. Auch ein fröhliches Wahrnehmungsspiel.

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Zwei Häuserecken weiter steht das Projekthaus der Schauspielerin Giullia Follina. In ihrem U.FO Kunstraum (Eingang neben Rahmenbauer Leistenmüller, Bahrenfelderstr. 322) hat der junge Kölner Künstler Sascha Donsbach eine Garage eingerichtet, was richtig gut zum Raum passt. Die Boxen sind wie in Lars Triers Film Dogville mit Klebestreifen angedeutet und führen zu den expressiv gemalten Autobildern an den Wänden hin. Donsbach studierte bei dem Österreicher Herbert Brandl, einem der „Neuen Wilden“. Dessen großformatige Malerei war zuletzt neben Cecily Brown in den Deichtorhallen zu sehen.


Und noch bis zum 20. Juni ist in einem vorübergehendem Kunstraum, der Außenhalle des Stilbruchs, Ruhrstraße 51, die wirklich berührende Installation Die Überfahrt der Berliner Künstlerin Karen Koltermann zu sehen. Es ist eine multimediale, raumspezifische Installation. Koltermann hat dafür Vorgefundenes wortwörtlich eingebunden: Sie hat Lattenroste zu Floßen zusammengebunden und darauf ihre Zeichnungen, Malerei und Fotocollagen befestigt. Alles kommt einem bedrohlich nah. Denn man kann diese Überfahrt auch als Gleichnis des Lebens an sich betrachten. (Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-17:30 Uhr und Sa 10-17 Uhr)

Nächste Möglichkeit, die Galerien und Kunsträume alle garantiert geöffnet zu erwischen ist Samstag, der 19. Juni, zwischen 15 und 20 Uhr. Anlässlich der Kunst-Altonale haben nämlich alle Sonderöffnungszeiten und gleichzeitig auf.
Angela Holzhauer

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Die aktuellen Ausstellungen und die Adressen der wichtigsten Galerien, Kunsträume und Atelierhäuser in Altona:

Klaus-Henning Hansen, Julia Münz: Der indiskrete Blick – Ein Pelz aus Dingen. Fotos und Zeichnungen zu den Sammlungen von Hajo Schiff. PHOTO.KUNST.RAUM. Carmen Oberst, Friedensallee 26. Finissage: Sonntag, 20. Juni, 18 Uhr. carmenoberst.com

Paolo Moretto: Adesso si che sono fritto – Neue Malerei und Skulpturen. galerie holzhauer hamburg, Borselstr. 9, 2. OG – hinter dem Plastikvorhang hoch. Bis 2. Juli. holzhauerhamburg.de

Sascha Donsbach, Garage-Malerei. Projekthaus, U.FO Kunstraum, Bahrenfelder Str. 322, direkt neben dem Rahmenbauer Leistenmüller. Bis 19. Juni. projekthaus-hh.de

Hartmut Kiewert: fleisch macht herrschaft. 16. bis 29. Juni. Dies ist die letzte in dieser ehemaligen Schlachterei stattfindende Ausstellung. ON-OFF ist dann erstmal wieder off. ON-OFF-Artprojects im Celsiusweg 13, on-off-artprojects.de

Béatrice Klein: De un de vin – Woher ich komme. Mit dieser Ausstellung, Preview am 19. Juni, eröffnet die Galeristin ihre Präsentationsreihe junger Fotografen. Galerie Hilaneh von Kories – Galerie für Photografie, Stresemannstraße 384a (im Hof hinten links), galeriehilanehvonkories.de

Karen Koltermann: Die Überfahrt – Fotocollage, Video, Malerei und Installation – noch bis einschließlich 20. Juni, ist die Berliner Künstlerin mit ihrer berührenden Solo-Show zu Gast in der Außenhalle des Stilbruchs, Ruhrstraße 51, karen-koltermann.de Sehenswert!

Und auf dem Rückweg zum Bahnhof Altona, noch auf einen Absacker in die Viktoria Kaserne, ins neue Atelierhaus der Exil-Frappanten. Spätestens jedes zweite Wochenende machen dort die Künstler, die vorher ihre Ateliers in der Großen Bergstraße hatten (genau, da baut bald Ikea!), eine Wochenendausstellung:
Zweitsinn, heißt die neue Ausstellung. Frappant e.V. in der Viktoria Kaserne, Ecke Zeiseweg/Bodenstedtstraße (Eingang über den Hinterhof der Bodenstedtstraße, nahe der Max-Brauer-Allee) frappant.org