Du bist zurzeit oft in Köln. Wirst du Hamburg am Ende abtrünnig?
Hamburg ist ein Gefühl, eine attitude. Ich bin mit zwölf mal aufs Dorf gezogen, war gezwungenermaßen weg, doch stets verbunden und bin bewusst wieder zurückgekehrt. Mittlerweile ist alles, was ich bin, Hamburg.

Bo, der Hamburg-Patriot …
Ich würde mich lieber als Aushängeschild bezeichnen. Ich habe den Hamburg- Spirit eingebaut, bin offen für alles. Wir sind eine Großstadt, aber auch eine Kleinstadt zugleich. Das hebt uns vom anonymen Berlin ab.

Wie lebst du den Hamburg-Spirit?
Ich bin kein Stubenhocker. Zu Hause geh ich pennen, steh auf und geh raus. Ich frühstücke gleich im Café, Restaurants sind mein Wohnzimmer, das Studio mein Büro. Ich bin eigentlich immer unterwegs.

Was gefällt dir an Hamburg nicht?
Politische Sachen. Zum Beispiel die Sache mit der Elbphilharmonie. Was da läuft, ist doch paradox und ein Skandal. Eigentlich müsste man das Ding sprengen. Wir versuchen mit der Hängergäng, unserem Netzwerk von Musikern, Gastronomen, Sportlern und Kulturschaffenden, im Kleinen entgegenzuwirken. Wir wollen im sozialen Kontext die Sachen richtig gestalten, die Leute einbeziehen und kleine Oasen zu schaffen.

Du gehst nicht auf die Barrikaden?
Eigentlich müsste man in der Bürgerschaft Backpfeifen verteilen, bei dieser ganzen Neo-Schill-Mentalität, aber das ist ja auch keine Lösung. Kulturell ist hier viel los, auch wenn wenig Support von der Stadt kommt. Wir fördern Kreativität und pushen junge Leute.

Das versuchst du ja auch als Juror in der Jury von „X Factor“.
Ich möchte Mentor sein, mit Leuten zusammenarbeiten. Das ist der Grund, warum ich überhaupt Musik mache. Der Tobi & das Bo, Fünf Sterne Deluxe, die Mongo Clikke – es ging da – rum, mit Leuten zu arbeiten. Energie geben und sich holen. Das brauche ich.

Welche Stärken bringt jeder von euch in die Jury mit ein?
Till Brönner kommt von der studierten Seite, Sarah Connor ist ein Popstar, ich eher der Selfmademan. Ich finde das perfekt zusammengesetzt und bin froh, ein Teil des Projekts sein zu dürfen.

Was würde der Juror Das Bo dem Musiker Das Bo raten?
Das ist für mich nicht zu beantworten. Ich hatte nie den Anspruch, etwas zu erreichen, sondern nur viel Spaß an der Sache. Mit HipHop konntest du ja zuerst gar nicht erfolgreich sein. Aber wir haben dafür gesorgt, dass die deutsche Sprache in der Musik wieder salonfähig wurde. Das ist doch ein Erfolg!

Ist Das Bo noch Das Bo, wenn er neben Rapper nun auch TV-Größe ist?
Das ist ja das Schöne. Ich bin in die Jury geholt worden, weil ich ich bin. Mein Motto war immer schon: Ich ändere mich nicht – ich ändere mich. Die Leute, die mich angucken, sehen mich jetzt anders. Veränderung findet immer außerhalb statt – man lässt sie an sich heran, oder nicht. Ich werde mir aber bewahren, ich selbst zu sein.

Was ist von dir musikalisch in nächster Zeit zu erwarten?
Die Hängergäng und ich sind ja immer am Machen. Wir haben noch so viele Sachen offen liegen. Gerade habe ich viele Möglichkeiten und wenig Zeit. Aber eigentlich sitzen wir immer zusammen und basteln Sachen. Ich bin auf jeden Fall am Album dran, aber habe noch keinen definierten Plan.