Sie haben die deutsche Comedy der 90er mit dem Rock’n’Roll der 60er verglichen und die heutige Szene mit dem Stadionrock der 70er und 80er. Ist es demnach allerhöchste Zeit für eine komische Grunge-Bewegung?
Das Bild des Comedians ist im Moment sehr durch RTL geprägt: große Halle, großes Bühnenbild, der Comedian als Popstar. Aber es gibt bereits Trends zu kleineren Formaten, die eher wieder in einen Jazzclub oder in ein Berliner Loft passen.

Wann haben Sie geahnt, dass Comedians als Popstars taugen?

Am Anfang musste man die Künstler ja überreden, sich „Comedian“ zu nennen, weil der Begriff so verschrien war. Wir haben ihn auch nur verwendet, weil „Komiker“ noch verrufener klang. Die Leute sollten weniger an Didi Hallervorden und mehr an Eddie Murphy denken. Den Popstarfaktor habe ich während der ersten großen Welle mit Mittermeier, Hoffmann, Appelt, Atze und Dieter Nuhr zum ersten Mal wahrgenommen.

Hand aufs Herz: Welcher spätere Star ist dem „Quatsch Comedy Club“ durch die Lappen gegangen?

Es gab Trends, bei denen wir uns rausgehalten haben, weil sie nicht unser Geschmack waren. Mundstuhl zum Beispiel. Auch Erkan & Stefan und die erste Lustige-Türken-Kanak-Sprechwelle haben wir ausgelassen. Aber das waren bewusste Entscheidungen.

Warum war Hamburg der ideale Geburtsort für den Club?
Damals hatte gerade das Schmidt Theater eröffnet und an der Reeperbahn herrschte das Flair eines deutschen Broadways. Das war eine gute Ausgangsposition für neues Entertainment. Außerdem wollten wir Comedy cool machen, und was Coolness angeht, sind die Hamburger nun mal Experten. Wir waren ja am Anfang auch im Mojo und haben uns da auch eher gesehen als im Ohnsorg-Theater. Das hat uns geprägt. Wären wir in Köln entstanden, wären wir sicher viel früher noch alberner geworden.

Der Erfolg kam schnell.
Wir hatten ein treues Fanpublikum. Wir haben ja nie ein Plakat aufgehängt oder so was. Am Ende mussten wir Codewörter rausgeben. Da riefen die Leute an der Kasse an, sagten „Chrysantheme“ und bekamen zwei Karten zugeteilt. Das war wie im Sozialismus. Wir konnten die Nachfrage irgendwann einfach nicht mehr abdecken.

Vermissen Sie den Rock’n’Roll der Anfangstage auf dem Kiez?

Es muss sich ja organisch entwickeln. Es gibt nichts Traurigeres als einen zu alten Rock’n’Roller. Die Entscheidung für das eigene Haus und das große Publikum haben wir nie bereut. Wir haben uns deshalb aber nicht vom Rock’n’Roll entfernt, wir sind nur gereift. Wir tun auch nicht mehr so, als wären wir die Sex Pistols, wir sind mindestens bei R.E.M. gelandet.

Deshalb Stage Club statt Reeperbahn?
Am Ende waren wir ein bisschen kiezmüde. Ich war superhappy, als ich im Stage Club zum ersten Mal auf die Toilette ging und die geputzt war. Der Stage Club sieht aus wie in einer amerikanischen Sitcom – als wenn sie bei „How I Met Your Mother“ sagen: Jetzt gehen wir in einen Comedyclub.

Gibt es die eine Comedymetropole?
Viele Leute denken, dass alle Comedy aus Köln kommt. Das liegt an RTL, am WDR, am Karneval. Ich sehe zwei Zentren: NRW mit Köln als Mittelpunkt und die Achse von Hamburg bis Dresden mit Berlin als Metropole.