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Hamburg als Gründungsstandort – wie stehen die Chancen für eine Gründung in der Stadt der Brücken?

Die Hansestadt Hamburg ist schon etwas Besonderes. Sie ist das Tor zur Welt, die Stadt der Brücken und hat ein besonderes Flair, von dem viele schwärmen. Aber wie sieht es mit der Gründerszene aus? Ist Hamburg auch für sie ein tolles Pflaster oder bieten sich für Gründer eher andere Städte an? PRINZ hat sich das einmal angeschaut.

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Hamburg bietet für Gründer zwar keine optimalen, aber durchaus solide Bedingungen.

Wie steht es um die Standortbedingungen?

Fakt ist, dass sich Hamburg gerne als Start-up-Metropole bezeichnet. Fakt ist aber auch, dass andere Städte Hamburg den Rang ablaufen und sich so etliche Experten einmischen, Hamburg gar als ›Meister der Selbsttäuschung‹ bezeichnen. Die Grundlage entstammt der letzten Start-up-Veranstaltung, die noch im vergangenen Jahr stattfand. Statt Investitionen wurde abgerechnet:

  • Tech-Umfeld – das ist in Hamburg alles, nur nicht perfekt. Weder ist der Flughafen auf dem neuesten Stand, noch stimmen andere Faktoren. Rund um die Faktoren Software und Tech-Start-ups liegt Hamburg weit hinter München und Berlin.
  • Neugründungen – sie sind tatsächlich auf Berliner Niveau. Auch hat Hamburg weiterhin bundesweit die meisten IT-Fachleute und in der IT Beschäftigten.
  • Unterschiede – echte Start-ups haben es in Hamburg schwer. Wer hingegen eine Autowerkstatt öffnet, der hat es einfach. Das Risikokapital sank in 2019 um ganze 54 Prozent.
  • Arbeitsplätze – im digitalen Bereich unterhält Hamburg durchaus namhafte Niederlassungen wie Google. Doch selbst der Konzern vergrößert sich anderenorts – in München. Andere Unternehmen folgen und bauen ihre Zentralen in Bayern oder Berlin.

Ein großes Problem für Start-ups ist, dass die Fachleute fehlen. Gerade Programmierer sind rar gesät, sodass schon eingesessene Unternehmen im Ausland suchen müssen. Start-ups locken aber noch niemanden aus dem Ausland nach Hamburg.

Ein anderes Problem sind die Messe und der Flughafen. Die meisten Städte haben beide Orte längst an den Stadtrand ausgelagert, während dies in Hamburg nicht der Fall ist. Der Flughafen ist für heutige Verhältnisse weit vom Zentrum entfernt, was wiederum der Attraktivität für Gründer entgegensteht. Dies gilt insbesondere für Bereiche, die nicht auf den Hafen angewiesen sind, sondern auf den Flugverkehr setzen müssen. 

Staatliche Förderungen

Für viele Gründer ist es wichtig, dass die Stadt oder das Land hinter ihnen steht. In Hamburg sind Stadt und Land vereint, also gibt es doch sicher Förderungen? Auch in Hamburg gibt es mehrere Förderprogramme und Möglichkeiten, extern an Geld zu gelangen:

  • Förderdatenbank – das ist die Datenbank des Bundes, die sämtliche Förderprogramme auflistet.
  • InnoRampUp – tech-basierte Gründungen können hierüber mit Zuschüssen von bis zu 150.000 Euro gefördert werden.
  • InnoFounder – während der Vor- und Gründungsphase unterstützt dieses Programm mit bis zu 75.000 Euro.
  • High-Tech-Gründerfonds – diese Förderung gilt bundesweit und setzt auf disruptive Technologien.

Um Förderungen zu erhalten, müssen sich Gründer stets bewerben und sich mitunter gegen die Konkurrenz durchsetzen. Dies gilt für Hamburg wie für alle anderen Standorte auch. Mitunter könnte sich Hamburg sogar durch eine geringere Konkurrenz ausweisen, wenn es um echte regionale Förderungen und Hilfen geht. Wo die Konkurrenz geringer ist, ist das Bewerbungsverfahren leichter.

Was sollten Gründer generell beachten?

Jeder Gründer steht vor einer gewaltigen Aufgabe. Natürlich steht das Start-Up im Mittelpunkt aller Dinge, doch darf sich der Gründer nicht selbst vergessen. Kein Betrieb kann Erfolg haben, wenn der Gründer auf der Strecke bleibt. Daher gilt:

  • Finanzierung klären – und diese Finanzierung bezieht sich nicht allein auf den Betrieb. Es funktioniert nicht auf Dauer, die einzige Mahlzeit des Tages als Betriebskosten zu deklarieren und in den Büroräumen zu wohnen. Gründer müssen die Finanzen für den Betrieb klären und sich selbst ebenso absichern.
  • Absicherung – jeder Gründer benötigt eine Krankenversicherung. Sie gehört zu den Pflichtversicherungen und ist nicht aufschiebbar. Wer das versucht, der muss im Nachhinein mit hohen Kosten rechnen. Einsteiger können durchaus in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben und sich später für die PKV entscheiden. Junge Gründer zahlen hingegen in der PKV oft weniger, sollten aber den Tarif genau betrachten und auch in jungen Jahren schon an die Zukunft denken. Auf Clark.de werden die Vor- und Nachteile der PKV genauer aufgezeigt.
  • Versicherungen – für ein Unternehmen sind meist Versicherungen notwendig. Einige werden von der zuständigen Kammer vorgegeben, andere sind für den Gründer selbst sinnvoll. Eine IT- und Cyberversicherung kann beispielsweise hohe Kostenforderungen von Dritten abwenden, wenn es notwendig ist. Generell ist die Betriebshaftpflicht für Start-Ups notwendig. Spätestens dann, wenn auch nur ein Fremder den Betrieb betritt, ist die Versicherung wichtig – stolpert der Kunde über die Teppichkante, kann sich sonst daraus ein Regressanspruch ergeben.

Viele Gründer sind voll und ganz auf ihr Unternehmen konzentriert. Leider zeigt sich immer wieder, dass dabei das eigene Wohl vergessen wird. Daher sollte gleich in der Gründungsphase gut und solide geklärt werden, wie sich der Gründer selbst absichern kann.

Einen letzten Tipp muss es noch geben: Wer gründet, der sollte innerhalb von drei Monaten die Anträge zur Arbeitslosenversicherung der Arbeitsagentur ausfüllen. Der Beitritt als Selbstständiger ist nur für einen begrenzten Zeitraum möglich, doch die Arbeitslosenversicherung könnte im Ernstfall vor schweren Folgen schützen.

Angehende Gründer sollten sich sehr gut auf den gesamten Prozess vorbereiten. Dazu gehören auch Aspekte wie die eigene Absicherung.

Fazit – Hamburg hat Defizite

Laut der Gründerszene hat Hamburg deutliche Defizite, dennoch ist der Standort für Gründer weiterhin vorteilhaft. Die Kosten sind nicht ganz so hoch wie in München und Berlin, die Anbindung ist recht solide und die Förderprogramme vielseitig. Dafür müssen auch in Hamburg alle Gründer an sich selbst denken und zukunftsgemäß planen. Dazu gehören Krankenversicherung, berufliche Absicherungen, aber auch private Absicherungen. Kein Gründer kann sein Bestes geben, wenn ihm der Ärger im Nacken sitzt. Gute Businesspläne enthalten daher auch einen Abschnitt, der auf den Gründer und dessen Finanzierung zugeschnitten ist.


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