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Trend Waldbaden: Tipps und die besten Locations in Hamburg

In unserer modernen Gesellschaft verliert der Mensch mehr und mehr den Bezug zur Natur. „Waldbaden“ soll helfen, wieder ins innere Gleichgewicht zu kommen. Wie du zwischen Bäumen wieder zu dir findest und körpereigene Heilkräfte aktivierst, erfährst du hier. PRINZ zeigt dir zudem die schönsten Wälder zum Baden in Hamburg.

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„Waldbaden“ – hinter diesem Begriff steckt im Grunde ein ganz normaler Spaziergang. Irgendwie aber doch ganz anders – zumindest dann, wenn dir der therapeutische Nutzen bewusst ist, und du bei deinem Waldbesuch danach handelst: Das „Baden im Wald“ – Shinrin-Yoku – ist in Japan schon seit den 1980er Jahren als gesundheitsfördernde Übung anerkannt, gehört dort zu einem gesunden Lebensstil dazu und gilt an verschiedenen Universitäten sogar als Forschungsgebiet. Hier wird genau untersucht, wie genau sich ein bewusster Spaziergang durch den Wald auf Körper und Seele auswirkt.

Entspannungsformen wie Meditation, Chi Gong und viele andere, oft fernöstliche Lehren, werden in Deutschland seit Jahrzehnten praktiziert. Sie dienen dazu, Stress abzubauen und das innere Gleichgewicht im Lot zu halten.  Nun gesellt sich Waldbaden in den Reigen der alternativen Heilkonzepte, denn diese Therapieform inmitten der Natur findet auch bei uns immer mehr Fans.

Gemeint ist damit aber nicht, mit dem Handy in der Hand oder dem Kopfhörer auf den Ohren einen Waldweg entlang zu spazieren. Vielmehr geht darum, die Natur mit allen Sinnen zu erleben, in sie einzutauchen und den Alltag hinter sich zu lassen.

Waldbader üben sich in Achtsamkeit. Sie betasten Baumstämme, Blätter, Moose und Flechten, sie klettern über Totholz, durchwandern Lichtungen und spüren den moosig-weichen Teppich unter ihren nackten Füßen. Es geht darum, die Bäume mit all ihren Bestandteilen und in ihrer Vielfalt wahrzunehmen. Sie werden umarmt, schöne Blätter in die Hand genommen, Düfte aufgesogen, und an besonders schönen Plätzen wird eine Pause eingelegt. Insgesamt geht es darum, bei einem Besuch bei Dr. Wald Natur auch passiv zu erleben – was du mit tiefen ruhigen Atemzügen, achtsamen Bewegungen und frei treibender Aufmerksamkeit unterstützen kannst.

Heilkraft der Bäume

Und das allein, in der Gemeinschaft, oder sogar unter Anleitung von speziell geschulten Shinrin-Yoku-Lehrern. Wer auf diese Weise einen Wald erlebt, macht sich die Heilkraft der Bäume zunutze. Dein Alltagsstress soll sich auf diesen Wanderungen im besten Fall in Luft auflösen, Kreislauferkrankungen vorgebeugt und das Immunsystem Stärkung erfahren. Und wer an einem Burn-Out leidet, soll ebenfalls deutlich von Shinrin-Yoku-Gängen profitieren. 

Wissenschaftlich belegt ist, dass Waldbaden dazu beiträgt, dass ein wichtiges Hormon für ein gesundes Herzkreislaufsystem, das DHEA-Hormon, verstärkt ausgeschüttet wird. Genauso soll auch die Zahl der Killerzellen, die Viren und Krebszellen abtöten können, ansteigen. Mehr noch: Auch der Kortisol-Spiegel soll nach einem einstündigen Spaziergang bereits sinken, Schlafstörungen sollen sich verbessern, genauso wie depressive Gedanken. Kein Wunder, dass japanische Ärzte vielen ihrer Patienten gerne einen Gang durch den Wald verschreiben.

Heilende Terpene

Die baumeigenen Terpene sollen es sein, die maßgeblichen Einfluss auf das menschliche Wohlbefinden haben. Terpene sind ätherische Öle, die heutzutage unter anderem in der Aromatherapie eingesetzt werden. Auch in der Krebstherapie und in anderen medizinischen Bereichen kennt man sie.

Mittlerweile sind rund 8000 verschiedene Terpene entdeckt worden. Gleichzeitig geht die Fachliteratur davon aus, dass Bäume, aber auch Pflanzen über diese Botenstoffe miteinander kommunizieren, ein Revier markieren oder Konkurrenzpflanzen abhalten. Verschiedene Studien sollen beweisen, dass Menschen, die sich Terpenen aussetzen, ihrer Gesundheit Gutes tun.

Eine japanische Untersuchung soll ergeben haben, dass die Aktivität und Anzahl der Killerzellen als Bestandteil der Körperabwehr bereits nach einem längeren Aufenthalt im Wald zunehmen. Nach zwei Tagen soll sich die Anzahl um mehr als 50 Prozent erhöhen. Bis zu 30 Tage soll dieser Effekt bei den Probanden angehalten haben. Doch nicht jeder Wissenschaftler ist von diesem Zusammenhang überzeugt.

Waldbaden, aber wie

Wenn du Waldbaden in dein Wohlfühlprogramm aufnehmen willst, solltest du ein paar Regeln beherzigen. Wichtig ist zum Beispiel, dass du regelmäßig einen Wald aufsuchst und das nicht nur einmal im Monat, sondern mehrmals wöchentlich. Drei Tage hintereinander, jeweils zwei Stunden, soll besser auf dein Wohlbefinden wirken als beispielsweise montags, mittwochs und freitags. Wenn du die notwendige Zeit nicht erübrigen kannst, kannst du auch einmal im Monat zwei bis drei Tage Waldbaden, dann allerdings jeweils vier Stunden.

Bei deinem zweistündigen Aufenthalt solltest du versuchen, etwa 2,5 Kilometer zu gehen, bei einem vierstündigen Waldbesuch rund vier Kilometer. Wichtig ist, dass dich dein Spaziergang nicht erschöpft. Wenn du merkst, dass du dir zu viel zumutest, fange lieber mit kürzeren Strecken an und steigere dann die Distanz.

Wenn du eine Pause brauchst ruhe dich an einem Ort aus, an dem du dich wohl fühlst und den du als gemütlich empfindest. Dabei musst du nicht in Nichtstun verfallen – die Möglichkeiten, deine Pause zu nutzen, sind vielfältig: Du kannst zum Beispiel lesen, malen, meditieren oder einfach nur die Wolken beobachten.  Als Getränke solltest du am besten Wasser oder Tee mitnehmen. Im Grunde aber geht es letztlich nur darum, dass du dich wohlfühlst – abschaltest, eintauchst in den Wald und dich fallen lässt.

Die besten Spots zum Waldbaden in Hamburg

Niendorfer Gehege

Noch relativ dicht im Zentrum ist das Niendorfer Gehege gelegen – ein Waldstück zwischen Lokstedt und Niendorf. Die grüne Oase verfügt zudem über ein Wildgehege, sodass dir beim Waldbaden sogar mit etwas Glück ein paar Hirsche, Rehe oder Füchse begegnen können.

Harburger Berge

Das ausgedehnte Waldgebiet der Harburger Berge im Südwesten ist geradezu ideal für das Waldbaden. Zahlreiche Wanderwege zum Spazieren auch abseits größerer Menschenmengen findest du dort.

Friedhof Ohlsdorf

Der Friedhof Ohlsdorf zählt als ländliche Anlage zu den größten Friedhöfen in Hamburg. Er liegt östlich des Flughafens und verfügt auf der Gesamtfläche von rund 390 Hektar auch über größere Waldbereiche. Ideal also, um in der friedvollen Umgebung ausgedehnt im Wald zu baden. Immer wieder gibt es zudem Termine für geführte Spaziergänge.

Wohldorfer Wald

Noch etwas weiter nördlich liegt der Wohldorfer Wald, der gleichzeitig ein Naturschutzgebiet umfasst und zu den ältesten Wäldern rund um Hamburg zählt. Beste Voraussetzungen also für inspirierende Naturerlebnisse. Viele Bereiche sind naturnah belassen.

Yoga-Wald im Barfußpark Egestorf 

Der Barfußpark Egestorf liegt rund 40 Kilometer südlich von Hamburg und bietet mit seinem „Yogawald“ eine ganz besondere Oase, die sich auch zum Waldbaden eignet. Neben dem Baden können dort an 9 Stationen auch Yogaübungen durchgeführt werden. Daneben kann zudem die Achtsamkeit und Körperwahrnehmung im Barfußpark geschult werden.

Bundesverband „Waldbaden“

Dass dieser Gesundheitstrend auch in Deutschland immer beliebter wird, zeigt sich nicht nur darin, dass sich auch hiesige Universitäten mit „Public Health“ befassen: Anhänger des Waldbadens haben im Jahr 2019 einen Verein (Bundesverband Waldbaden e.V.) aus der Taufe gehoben. Leitmotiv: „Naturschutz & Gesundheit mit Herz“.

Um von einem Shinrin-Yoku-Erlebnis zu profitieren, empfiehlt der Verein unter anderem Übungen aus Achtsamkeitselementen, Chi Gong, Atemtraining oder Meditation. Und vielleicht „bei schönem Wetter in Hängematten unter Bäumen die Seele baumeln zu lassen.“ Auch eine jährliche wiederkehrende Benefizveranstaltung zum Schutz und Erhalt des deutschen Waldes mit dem Namen „Deutschland geht Waldbaden“ gewinnt an Beliebtheit:

Immer zur Sommersonnenwende, am 21. Juni, bieten verschiedene Übungsleiter Aktionen überall in Deutschland an. Die Erlöse aus dieser Benefizveranstaltung kommen den Wäldern zugute. Waldbaden beschäftigt zum Beispiel auch Seniorenheime in vielen Bundesländern. Das Konzept wurde von der Gesundheitszentrale für gesundheitliche Aufklärung entwickelt. Und wer möchte, kann sich im Deutschland mittlerweile zum Waldbademeister ausbilden lassen.

Bestandteil der Ökopsychosomatik

Die „Waldmedizin“ gehört zur sogenannten Ökopsychosomatik. Darin werden unter anderem Umwelt- und Psychotherapie mit Ökologie, dem Menschen und seiner Umwelt verknüpft. Unterschieden werden drei Ansätze: der psychosoziale, der umweltmedizinische und der ökologische. Dass die Natur dem Menschen guttut, wissen wir schon seit langem.

Heute, im digitalen Zeitalter, boomen ausgerechnet Reisen in die Natur, es entstehen Waldkindergärten, viele beschäftigen sich mit Urban Gardening, und Städte sollen grüner und damit lebenswerter werden. Der Mensch scheint ein immer drängenderes Bedürfnis zu haben, einen Gegenpol zur modernen Welt zu finden. Für viele ist das eine engere Verbindung mit der Natur und ihren Heilkräften.

Daraus wurde die Öko-Psychosomatik abgeleitet, in der die medizinischen Auswirkungen, die Pflanzen und Tiere auf Menschen haben können, untersucht werden. Diese noch junge Wissenschaft geht der Frage nach, ob die Entfremdung des Menschen von der Natur für Krankheiten verantwortlich gemacht werden kann. Forscher haben dabei vier Kriterien gefunden, die uns bei einem Aufenthalt in der Natur entspannen:

  • Faszination
  • Alltagsferne
  • Weite
  • Bedürfnisorientierung

Wer also von etwas fasziniert ist, kann leichter die Alltagssorgen vergessen. Auch die Natur kann diese Faszination ausüben. Das habt ihr bestimmt schon erlebt, etwa beim Anblick eines Ozeans, von majestätischen Bergen oder eines Sonnenuntergangs. Und das kennt ihr sicher auch: Erholung wirkt am besten wenn ihr losgelöst seid von den Alltagspflichten, dem Stress und der Routine. Das heißt nicht gleichzeitig, dass ihr weit reisen müsst, um euren Ruhepol zu finden.  Wenn ihr euch dabei gleichzeitig an einem Ort mit weiter Landschaft aufhaltet, an dem ihr euch in diesem Moment gerne aufhaltet, habt ihr alle vier Kriterien erfüll


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