Wohnzimmer

Hannovers neues Pub für ausgefallene Bierspezialitäten aus Deutschland, Belgien und Großbritannien

23 Jahre lang war Renate Hermsdorf die herzensgute Wirtin der kleinen Traditionskneipe hinterm Theater am Aegi und hat ihren vielen Stammgästen, darunter immer mal wieder auch Altkanzler Gerhard Schröder und Ministerpräsident David McAllister, Bier und Buletten serviert. Zu Beginn des Jahres ist sie in Rente gegangen, und mit Michael Solms könnte an Ort und Stelle ein neues, originäres Kneipen-Kapitel beginnen. 

Der hoch gewachsene Lindener Gastronom ist ein leidenschaftlicher London-Fan, schwärmt für gutes Bier und liebt die Pub-Kultur an der Themse. Naheliegend also, dass sein gerade einmal 32 Quadratmeter kleines „Wohnzimmer“ eine Bierspezialitäten-Kneipe wird – ebenso urgemütlich und einzigartig in Hannover wie zuvor das „Üme Ecke“.

Nachdem die abgehängte Decke entfernt und die Wände mit kaminroter Barocktapete verkleidet wurden, sieht’s nun aus wie einem viktorianischen Pub – mit goldfarbenen Spiegeln, Barhockern und kleinen Tischen auf Orientteppichen, Kissen auf den Fensterbänken und einem neuen, schlanken und recht niedrigen Schanktresen mit zehn goldigen Zapfhähnen darauf, aus denen es fassfrisch fließt und schäumt: Stella Artois Lager aus Belgien etwa und naturtrübes Helios Braustelle Kölsch, Fritzale India Pale Ale aus Bonn, Fullers Winter Ale aus einer Londoner Hausbrauerei und Spitfire Kentish Ale aus der englischen Grafschaft Kent, Hanöversch Mai-Bock, Coffee Porter aus Süddeutschland, Propeller Aufwind India Pale Ale aus Südwestfalen und Bennexer Pale Ale aus Bennigsen bei Springe. 

40 weitere Bierspezialitäten in Flaschen und aus aller Welt stehen in den verglasten Kühlschränken hinterm Schanktresen und im hohen Holzregal darüber – darunter viele, die nach den Worten von Michael Solms in Niedersachsen nur im „Wohnzimmer“ angeboten werden: das tiefschwarze Imperial Stout „Propeller Nachtflug“ aus der Craft-Brauerei Bosch im westfälischen Kurort Bad Laasphe beispielsweise (mit seinen 9,1% wahrlich zum Abheben; 0,33 l für 4€!), das „Kross Golden Pale Ale“ aus Chile (0,33 l für 3,50€), das „Hardcore IPA“ (mit stolzen 9,2% und 150 Bittereinheiten das stärkste Bier Großbritanniens; 0,33 l für 4,90€) und das „Brew Dog Punk IPA“ aus Schottland (0,33 l für 3,80€) sowie die beiden Belgier „Lindemans Kriek“ (gebraut mit echten Kirschen; 0,25 l für 3,20€) und „Rochefort 10“ (mit umwerfenden 11,3%; 0,33 l für 4,80€). 

Weintrinker müssen sich im „Wohnzimmer“-Pub mit einem Riesling aus der Pfalz und einem Cabernet Sauvignon aus Frankreich begnügen. Wer Longdrinks möchte, hat ein halbes Dutzend Klassiker von Cuba Libre über Gin Tonic zur Auswahl (6-7 €). Für eine gute Grundlage ist auch gesorgt: Aus der nach wie vor winzigen Küche kommen Frikadellen mit Kartoffelsalat (beides selbst gemacht) und Bockwurst mit Ciabatta von Jochen Gaues. Wie sich es für einen richtigen Pub gehört, wird natürlich auch Fußball gezeigt – Bundesliga, Champions League und WM auf dem 55 Zoll-Monitor an der Bar.

PRINZ-Bewertung: 5/5