Die Shopping-Mall-Expedition

Jüngst eröffnete das Joachimszentrum, im Herbst folgt das ECECenter am Hauptbahnhof: Shopping-Malls scheinen im Trend zu liegen – aber funktionieren sie eigentlich so, wie ihre Betreiber es geplant haben? Und an welches Publikum richten sich die Passagen? Wer zum Shoppen nach Hannover kommt, geht üblicherweise vom Bahnhof die Bahnhofstraße hinunter zum Kröpcke. Gut betuchte Kunden jedoch biegen am Bahnhof links ab und starten ihren Einkaufsbummel im Ernst- August-Carree. Das renovierte Gebäude aus der Gründerzeit beherbergt einen der prächtigsten hannoverschen Innenhöfe. Durch ein Dach ist er sogar regensicher, nur ein frischer Wind fegt an kalten Tagen durch die große Halle. Momentan stehen wieder einige Ladenlokale leer, was dem Carree eine etwas triste Note verleiht. Die Publikumsmagneten sind das Küchenfachgeschäft One Kitchen und die belgische Brasserie Bruxelles, wo man auch an Regentagen quasi im Freien schlemmen kann. Weitere kulinarische Höhepunkte beherbergt das gegenüberliegende neue Joachimszentrum. Die Patisserie Elysée verwöhnt ihre Kunden mit französischen Snacks und leckerem Kuchen. Gegenüber liegt Green Creation, ein Blumenladen, der sich auf Sträuße mit ausschließlich weißen Blumen spezialisiert hat.

Vorbei an einem edlen Herrenmodeladen führt der Weg zum Restaurant Röhrbein. Dessen Inhaber betreibt auch das Restaurant Reimanns in der Galerie Luise. Diese erreicht man von hier aus durch einen schmalen Durchgang, der das Joachimszentrum mit der Galerie verbindet. Allerdings überlegt man sicher zweimal, wohin einen dieser eher schmuddelige Durchgang wohl führen wird. Die Galerie Luise ist das Wagnis aber wert: Die Architektur der Passage erscheint verglichen mit ihren neuen Nachbarn ein wenig veraltet, hat aber nichts von ihrem vornehmen Ambiente verloren. Vom Eingang an der Theaterstraße mit der Bar Espada bis zur Öffnung zur Luisenstraße mit dem Modeladen Sörens reihen sich in der Galerie viele exklusive Modeläden, eine Kunstgalerie und ein hochpreisiger Teeladen aneinander. Einzig der Auszug des Marché hat eine Lücke hinterlassen, die auch das neue Bistro Hallers im Untergeschoss des ehemaligen Front-Cooking-Restaurants nicht füllen kann.

Weiter geht’s auf der nächsten Seite.

Wer bist jetzt noch nicht fündig geworden ist, überquert nur die Luisenstraße und setzt seine Einkaufstour in der Kröpcke-Passage fort. Auch dort erwarten Kunden mit gut gefülltem Portmonee angesagte Labelstores und schicke Fernseher bei Bang und Olufsen. Eine gänzlich andere Ausrichtung hat das Leine Center in Laatzen: Zwar gibt es auch dort Feinkost, Weine, Parfümerien und Designer- Boutiquen, das Center ist aber ein umfassendes Versorgungszentrum. Es ist aber nicht nur Platz für die Luxusläden, sondern auch für Kaufhausketten, Supermärkte, Buch- und Spielzeugläden. Wer sich von seinem Rundgang durch die Laatzener Shopping-Welt ausruhen will, findet ein Café, eine Eisdiele, einen Asia-Imbiss und eine Subway-Filiale. Das gastronomische Angebot wird von den Kunden gut angenommen, was auch daran liegen mag, dass es rund um das Einkaufszentrum nicht viel zu sehen gibt. Man sollte sich von den umgebenden tristen Hochhäusern aber nicht täuschen lassen: Im Inneren erwartet die Kunden ein helle moderne Welt.

Der Podbi-Park in der List wirkt ebenso hell und modern, aber schon beim Betreten bemerkt man, dass dort irgendetwas nicht recht läuft. Offensichtlich wollen die meisten Besucher nur zum dort ansässigen Bürgeramt – Drogeriemärkte, Handy-Shops und Blumenläden findet man schließlich auch an anderen Orten. Leerstände sind durch geschickte Schaufensterdekorationen im wahrsten Sinne des Wortes gut verschleiert, und mit dem Kinderlernzentrum Bambini, der Fantasy-In- Spielearena und dem etwas abseits gelegenen Bahlsen-Fabrikverkauf gibt es doch Anbieter in der Passage, die für ein wenig Zulauf sorgen. Vielleicht hätte die Passage mehr Kunden, wenn die Zugänge zum denkmalgeschützten Backsteingebäude leichter zu finden wären …