CALENBERGER NEUSTADT

Die Calenberger Neustadt hat alles: Hier wurde mit dem Strandleben einer der ersten Beachclubs Hannovers gegründet, hier findet man von der Glocksee bis zur AWD-Arena die wichtigsten Veranstaltungslocations der Stadt – und beim Schützenfest treffen Rocker auf Schützen, Schwule auf Tanzmariechen und Landpomeranzen auf Großstadthelden. Kurz gesagt: die Calenberger Neustadt ist so etwas wie ein Hannover-Konzentrat. Dabei weiß kaum jemand, wo genau die Grenzen des Stadtteils verlaufen.Während sich als Zentrum die Calenberger Straße klar ausmachen lässt, wähnen sich die Glockseeund Strandleben-Besucher sicher eher in Linden, wohingegen AWD-Arena und -Hall der gefühlten Mitte oder Südstadt zugeordnet werden. Tatsächlich aber gehört die gesamte Insel zwischen Ihme und Leine zur Calenberger Neustadt. Bemerkenswert ist auch das Nord-Süd-Gefälle, das mit den verschiedenen Facetten des Stadtteils einhergeht. Der Norden zwischen Bremer Damm und Goethestraße ist studentisch-alternativ geprägt, in der Mitte finden sich die meisten Shopping- und Gastroadressen rund um die Flaniermeile Calenberger Straße, und im Süden zwischen Lavesallee und Ferdinand- Wihelm-Fricke-Weg sind Hannovers größte und wichtigste Event-Locations in unmittelbarer Nähe versammelt. Doch der Reihe nach: Brühlstraße und Bremer Damm begrenzen die Calenberger Neustadt im Norden, direkt dahinter stehen die Uni-Hauptgebäude. Kein Wunder also, dass entlang der Königsworther Straße mit dem Untreues, Café Safran und Zeitlos beliebte Studentencafés zu finden sind. Graffiti-Künstler decken sich im Writer’s Corner mit Material ein, um in der Zufahrtsstraße zum UJZ Glocksee legal ihre Kunstwerke an die Mauern zu sprühen. Die Glocksee feiert in diesem Jahr nicht nur ihr 35-jähriges Jubiläum, auffallend häufig finden hier auch Konzerte statt, die PRINZ präsentiert.

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Neben Konzert- und Partylocation ist die Glocksee auch fester Spielort des Theaters an der Glocksee. Zu den Unterstützern des Jugendzentrums gehören übrigens Fury In The Slaughterhouse, deren Keyboarder Gero Drnek gleich um die Ecke in der Oeltzenstraße sein Studio Zzorro Production hat. Berühmtester Bewohner der Mitte des Stadtteils war zweifelsohne Fritz Haarmann. Zwischen 1918 und 1924 soll er 24 Jungen in seiner Wohnung in der Roten Reihe 2 ermordet, die Leichen anschließend zerteilt und in der Leine versenkt haben. Zu jener Zeit war „die Insel“, wie dieses Quartier auch genannt wurde, ein Elendsviertel Hannovers. Davon ist heute nichts mehr zu spüren. Regierungsgebäude sind hier ebenso angesiedelt wie das Hauptstaatsarchiv, rund um die Calenberger Straße sind mit Beckmann’s Weinhaus, dem Backöfle, dem Pfannenkuchenhaus und dem Spago in der Calenberger Esplanade einige der besten Restaurants und Bars der Stadt zu finden, deren Außenbestuhlung im Sommer den Straßenzug in eine lebendige Flaniermeile verwandelt. In einer Seitenstraße findet man die Werkstatt Galerie Calenberg, eine der ältesten Theater- und Kleinkunstbühnen Hannovers. Ohne Übertreibung lässt sich behaupten, dass man dort Künstler erleben kann, die Jahre später im Fernsehen zu sehen sind: Rüdiger Hoffmann, Michael Mittermeier und Ingo Appelt haben beispielsweise in der WGC ihre Einstiegsprogramme gezeigt. Heute füllen sie die größten Hallen der Stadt. Und diese liegen nur einen Steinwurf entfernt im Süden: Mit dem Schützenplatz, der AWDArena und der AWD-Hall sowie der Gilde- Parkbühne gehören die wichtigsten Locations Hannovers für Großevents zum Stadtteil. Wer also nur wenig Zeit hat und einen Eindruck von der Vielfalt Hannovers bekommen will, findet diese komprimiert in der Calenberger Neustadt. Das gilt auch für den Ruf Hannovers als grüne Großstadt. Die Auwiesen an der Ihme laden zum Ausspannen an der frischen Luft ein – und mit dem Leine-Uferweg gibt es auch noch einen Geheimtipp. Oder wussten Sie, dass man mitten in Hannover angeln kann (nur mit Angelschein!)?