Als ich vor drei Jahren von Linden in die Südstadt zog, stieß dies in meinem Bekanntenkreis auf blankes Unverständnis. Wieso sollte man freiwillig in einer Zone leben wollen, die in Sachen Kultur und Nightlife in der Steinzeit verharrt? Was außer renitenten Senioren und gähnender Langeweile gibt es dort schon? Es gibt viele Vorurteile über die Südstadt – und einige stimmen auch. Man sollte erst gar nicht versuchen, die Clubszene im Viertel schön zu reden: Es gibt schlicht keine! Allerdings haben die Anwohner dafür auch keine Probleme mit zu lauter Musik. In der Südstadt kann man zwar nicht tanzen, dafür aber trinken. Die erste bekannte Cocktailbar war die Bar Seña am Oesterleyplatz. Sie leistete Pionierarbeit für weitere Bars: Das Escenario zog aus der City in die Hildesheimer Straße, mit dem Goldfisch gibt es eine edle Retro-Bar im 50er-Jahre-Stil, und im April eröffnet am frisch renovierten Bertha-von-Suttner-Platzin in einem ehemaligen Gemüseladen eine weitere Bar. Hinzu kommen zahlreiche Cafés, Bistros und Kneipen. Im Pindopp, La Sall und Co. kann man frühstücken, den Abend beim Bier verquatschen oder mittags eine Kleinigkeit essen. Denn in der Südstadt findet man die gesamte kulinarische Bandbreite: Vom Bon China, einems der besten China-Restaurants der Stadt, über das edle französische Lokal Le Monde bis zum neueröffneten brasilianischen Steak-House Grand Rodizio ist für jeden Geschmack etwas dabei. Zugegeben: Gute Restaurants, nette Cafés und schicke Bars findet man natürlich auch in anderen Stadtteilen Hannovers. Und in Linden musste ich früher auch wesentlich kürzere Wege zurücklegen, um ein Bier trinken zu gehen.

Welche Besonderheiten bietet also die Südstadt? Zum einen: mehr Ruhe! Während auf der Limmerstraße zur jeder Tages- und Nachtzeit etwas los ist, kehrt hier auf den Straßen irgendwann Ruhe ein. Hört sich zwar sehr spießig an, aber jeder, der am nächsten Morgen um acht im Büro und nicht erst um elf in der Universität sein muss, weiß eine ungestörte Nachtruhe zu schätzen. Zum anderen sind die Gehwege sauberer als in anderen Stadteilen – okay, auch ein recht spießiges Argument. Dennoch: Dank an die Südstädter Hundehalter! Im Gegensatz zur mit Hundekot bepflasterten Nordstadt sammeln die hiesigen Herrchen und Frauchen eifrig die Haufen ihrer vierbeinigen Gefährten auf. So kann man die Sallstraße entlangflanieren, ohne ständig seinen Blick auf der Suche nach tierischen Hinterlassenschaften auf den Boden zu heften. Und es lohnt sich, den Kopf oben zu lassen, denn es gibt einiges zu entdecken. In der Südstadt haben sich in vielen Nebenstraßen kleine Fachgeschäfte gehalten. So findet man rund um die Spielplätze am Bertha-von-Suttner- Platz viele Geschäfte, die sich auf Kinderkleidung und Spielzeug spezialisiert haben, sowie Cafés, die ihr Geschäft mit kaffeedurstigen Eltern machen. Einen Shoppingschwerpunkt bilden Läden für Wohndesign und wie Per la Casa und Esplanada, in denen besonders Frauen stundenlang durchs Angebot von Schmuck, Mode und Wohnaccessoires stöbern. Ebenfalls in der Südstadt liegen zwei der großen hannoverschen Museen: das Sprengel Museum und das Landesmuseum. Es besteht also kaum die Gefahr, in der Südstadt kulturell zu verarmen. Dafür sorgen neben den beiden bekannten Museen die vielen freien Theater des Viertels wie die Commedia Futura, die Hinterbühne, das Klecks-Theater und das Südstädter Komöd’chen. Somit ist die kulturelle Grundversorgung gesichert. Zuletzt sind noch die vielen grünen Oasen als Pluspunkt der Südstadt zu nennen. Gerade wegen der stark befahrenen Marienstraße, Hildesheimer Straße und Sallstraße sind die Eilenriede, die Alte Bult und der Maschsee wichtige Erholungsinseln unmittelbar vor der Haustür. Wem das jetzt alles zu ruhig klingt, der sollte im August zum Maschsee gehen. Dann verwandeln sich die Wege rund um den See in Hannovers größte Partymeile: das Maschseefest. Feiern kann man auch in der Südstadt!