Große Aufregung in der List: Genau hundert Jahre nachdem der Betrieb der chemischen Fabrik Riedel-de-Haen von Hannover nach Seelze verlagert und die Betriebsakte List geschlossen wurde, sind in sieben Kellern sowie auf zehn Freiflächen im Bereich des De-Haen-Platzs auffällige radioaktive Werte festgestellt worden. Sobald die Messungen abgeschlossen sind, soll über eine mögliche Sanierung der Flächen entschieden werden. Die strahlende Hinterlassenschaft erinnert an Hannovers einstige Stärke als Industriestadt: Insbesondere in der List produzierten Unternehmen von Weltruf ihre Waren. Nicht immer ist das industrielle Erbe ein Problem, wie die umgewidmeten Produktionsflächen von Bahlsen, Pelikan und der Deutschen Grammophon entlang der Podbi beweisen. Zwischen Lister Platz, Lister Straße und Podbi konstruierten die Architektenbrüder Siebrecht bis 1911 die Hauptverwaltung der „Hannoverschen Cakesfabrik H. Bahlsen“ sowie das Produktionsgebäude. Heute beherbergt der Komplex als Podbi-Park einige wenige Shops, Hauptanziehungspunkt ist jedoch das Bürgeramt samt Bücherei.

Während in der Passage also neue Personalausweise ausgestellt werden, trainieren in der obersten Etage die Gäste des Injoy-Fitnessstudios. Und ja: Kekse gibt es hier auch noch. Allerdings ist der Bahlsen-Shop mit den günstigen Restposten im hinteren Teil des Gewerbeparks versteckt. Zurück zur Podbi: Zwischen Lister Platz und Pelikanstraße säumen viele kleine Geschäfte die pulsierende Schlagader der List, auf der sich im dichten Minutentakt die stadtein- und auswärts fahrenden Stadtbahnen begegnen. Trendige Boutiquen wie Stilista, Deko-Spezialisten wie Ballon Ballon, Liebhaberläden wie Christels Puppenshop und Feinkost wie in Marijas Nudelparadies tragen zum vielfältigen Angebot bei, während Restaurants zwischen Lortzingstraße und Spannhagengarten zu Tisch bitten. Nicht nur gastronomische Akzente setzt das nächste ehemalige Fabrikareal ein paar Hundert Meter weiter: das Pelikanviertel. 1989 gab der Schreibwarenhersteller Pelikan die Produktionsstätten auf, im Rahmen des Bundesforschungsprogramms „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ gelang es, das Gelände von einer Industriestätte in einen attraktiven Wohn- und Bürostandort zu verwandeln. Renommierter Anziehungspunkt ist das Vier- Sterne-Hotel Arabella Sheraton, das in einem sorgsam restaurierten Gebäude untergebracht ist und in dem schon Steffi Graf und André Agassi miteinander turtelten. Auch Madonna nächtigte nach ihrem Auftritt in der AWD-Arena 2006 im Pelikanviertel.

Gleich gegenüber vom Hotel liegt mit Harry’s New York Bar ein mehrfacher PRINZ-Awards-Gewinner. Apropos PRINZ-Awards: Premiere feierte Hannovers „Nightlife Oscar“ 2001 in der Ohne-Meier- Halle, die heute Pelikanhalle heißt und an das Szene-Restaurant XII Apostel angeschlossen ist. Das Fitnessstudio Physical Park, Beautykliniken und Eventagenturen residieren ebenfalls im Areal, und das Porsche-Autohaus baut gerade in unmittelbarer Nähe einen neuen Schauraum.Dennoch ist das Pelikanviertel kein Schicki-Micki-Quartier, sondern ein lebendiges Arbeits- und Wohnquartier zwischen Podbi und Mittelandkanal. Keine Hundert Meter weiter, diesmal auf der östlichen Straßenseite in unmittelbarer Nähe zur Eilenriede, steht der Grammophon Büropark. Er erinnert daran, dass in Hannover nicht nur das europäische Farbfernsehsystem PAL entwickelt wurde, sondern auch Grammophon und Schallplatte. Genauer gesagt erfand Emil Berliner diese in den USA, in seiner Geburtsstadt jedoch gründete er mit seinem Bruder Josef die Deutsche Grammophon Gesellschaft, die im Schallplattenwerk Tausende Hannoveraner beschäftigte. Doch die Familie Berliner gibt es heute nicht mehr in der Stadt – sie wich 1933 dem Naziterror, lange bevor die Produktion an den Stadtrand verlagert wurde. Heute beherbergt der Gebäudekomplex nicht nur diverse Büros, sondern mit dem Mövenpick Weinkeller Hannovers bestsortierten Weinhandel mit rund 1800 zum Teil recht kostbaren Weinen aus aller Welt.