Sie ist pünktlich. Das war nicht unbedingt zu erwarten. Denn eigentlich hat sie gar keine Zeit – wegen der Proben zur ihrer Tanztheater-Performance „Recycling“ im Veranstaltungszentrum Faust. „Aber“, sagt Iyabo Kaczmarek einen Tag vorher am Telefon, „ich schaffe das.“ Und wenn sie sich vorgenommen hat, etwas zu schaffen, dann tut sie es auch! Und so sitzen wir im gemütlichen 11a am Lindener Küchengarten und freuen uns auf die Speisen. Langeweile kommt nicht auf, denn Iyabo ist eine Frau, die viel zu erzählen hat – und die noch viel vor hat. Ein Satz, der in den nächsten zwei Stunden immer wieder fällt: „Ach, habe ich eigentlich schon erwähnt, was ich noch plane?“ Aber fangen wir erstmal bei ihr selber an. Im Wesentlichen betrachtet sich Iyabo Kaczmarek als Kulturschaffende. Sie ist gelernte Tänzerin, hat bei der Commedia Futura als Regieassistentin gearbeit und im Pavillon 2001 ihr erstes Tanztheaterstück „Endstation“ inszeniert.

Den meisten Menschen dieser Stadt ist Iyabo allerdings als Party- und Event-Organisatorin bekannt: Wanderclub, Club im Limmer Volksbad, Fête de la Musique und das leider der Vergangenheit angehörende Wohnraumatelier – als multiple Kreativkraft hat Iyabo in den letzten Jahren vor allem in Hannovers Musik- und Clubleben Spuren hinterlassen. „Vielleicht liegt das daran, dass meine bisherigen Lebenspartner fast alle DJs waren“, sagt sie. Ihre Hauptantriebsfeder aber ist: „Neue Orte entdecken und sie mit Leben füllen.“ Das kann der Musikclub im Wohnzimmer, das etwas abseits gelegene Freibad oder auch mal das Kino- Foyer im Stadtzentrum sein. Das darf aber auch gerne Kunst sein (sie organisiert die Wall-Art-Ausstellungen im Herrn Schmidt) oder Mode (das Linden-Outlet in der Designherberge basiert auf ihrer Idee).

Sich dabei zu verzetteln, fürchtet Iyabo nicht. „Nur wenn sich eine Idee öfter meldet, gehe ich ihr auch nach“, verrät die Frühaufsteherin und Mutter des 14-jährigen Rugby-Auswahlspielers Shasa. „Rugby ist wenigstens noch ein Männersport. Fußball hingegen hasse ich. Dieser Sport ist vollkommen überbewertet“, raunzt Iyabo im Brustton der Überzeugung. Statt in die Sportsbar geht die Deisterstraßenanwohnerin lieber in die Hamburger Botschaft, den 3Raum oder zum „entspannten Wettsaunen ins Kaisercenter“. Wenn die Zeit es zulässt. Einen großen Wunschtraum hat sie natürlich auch: „Meine Projekte im Ausland zu verwirklichen“. Dennoch: „Meine Homebase wird immer Hannover-Linden sein. Hier fühle ich mich wohl, hier wohnen meine Freunde.“ Das sagt eine, die ihren eigenen Weg geht. „Ich mache das, was ich will – und immer weniger das, was ich nicht will.“ Wer kann das schon von sich behaupten?

Unser Autor Bernd Schwope betreut die Ressorts Konzert und Nightlife in der PRINZ-Redaktion Hannover. Mit Iyabo Kaczmarek war er Mittagessen im: 11a, Am Kichengarten 11a, Linden-Mitte, Tel. 590 11 11, tgl. ab 9 Uhr