Wo befinden Sie sich gerade, Herr Kunze?
Zu Hause in Bissendorf.
Ein kleines Dorf im Grünen. Sind Sie ein Landei?
Ich hab schon immer ruhig am Rande von Städten gewohnt. Die Großstadt lenkt mich nur ab, im Grünen kommt man zur Ruhe, kann sich konzentrieren. Es ist die mir gemäße Lebensform. Und es ist immer ein Parkplatz da! Die Hälfte des Jahres befinde ich mich sowieso auf Tour in großen Städten, ich bin also in beiden Welten zu Hause.
Und was machen Sie gerade?
Ich übersetze die Lieder des „Sommernachtstraums“ in gesprochene Sprache. Unser Intendant Gerhard Weber ist auch in Trier tätig. Dort haben sie kein Musikensemble, deswegen soll der „Sommernachtstraum“ im Herbst als Sprechstück aufgeführt werden. Eine neue Erfahrung, da freue ich mich schon wie ein Schneekönig drauf.
„Ein Sommernachtstraum“ wurde begeistert aufgenommen, „Der Sturm“ erhielt eher gemischte Kritiken. Wie sehen Sie die Sache?
In der hannoverschen Presse ist der Sturm sehr wohlwollend aufgenommen worden. Ich persönlich kenne nur Leute, die sagten, dass sei der Hammer!
Aber es gab auch Stimmen, die die Aufführung für Klamauk hielten.
Unsinn! Wer das behauptet, hat noch nie Shakespeare im Original gelesen. Das ist ein amüsantes Stück, und wir wollen die Zuschauer so gut wie möglich bedienen. Ich habe ja sogar zwei Drittel der Klamaukstellen aus dem Original rausgestrichen!
Wurden eigentlich alle Aufführungen in diesem Regensommer zu Ende gespielt, oder gab es auch Abbrüche?
Das ist in der Tat einer der trostlosesten Sommer, die ich je erlebt habe. Aber: Keine Vorstellung wurde abgebrochen. Nur bei einer hat es so geschüttet, die mussten wir nachholen. Aber Musical-Fans sind auch hartgesotten. Wenn’s nieselt, macht denen das nichts aus. Außerdem bekommen die Zuschauer umsonst Regenkäppis. Nur die Schauspieler haben es nicht so gut, die sind dem Regen in ihren Kostümen schutzlos ausgeliefert. Der Garten steht ja unter Denkmalschutz, da sind nicht mal folgenlos auf- und abbaubare Regenpilze erlaubt.
Nach 30 Alben, Jubiläumstournee zum 30. Bühnenjahr und Realisierung der Shakespeare-Trilogie erscheint nun auch noch Ihr Buch „Vor Gebrauch schütteln“. Muss das sein?
Ja, das ist mein Job. Ich hab ja sonst nichts zu tun. Zudem ist es auch schon mein elftes Buch, allerdings das erste, das den Anspruch hat, Prosa zu sein.
Aber haben Sie nicht Angst, Ihre Fans zu überfordern?
Kunze-Fans sind schon sehr belastbar, die wollen gefordert werden. Zudem bin ich jetzt 55 Jahre alt. Alt genug also, um zu machen, wozu ich Lust habe. Zwar empfehlen mir die Leute von der Plattenfirma, mich rar zu machen, Alben nur im Zwei-Jahres-Turnus rauszubringen, aber ich mache jetzt – wie mein großes Vorbild Neil Young – nur noch, was ich für richtig halte.
Und das wäre?
Erst gehe ich nur mit dem Buch bewaffnet auf Lesereise. 40 Termine sind das, so viele wie noch nie. Dann nehme ich mit meinem Seitenprojekt Räuberzivil ein Album auf. Im Januar geht’s damit auf Tour. Und parallel erscheint noch meine Best-Of-CD, bei der viele liebe Kollegen wie Hartmut Engler oder Joachim Witt meine besten Songs neu einspielen.