Herr Hoëcker, beim Köln Comedy Festival treten Sie im Gloria bei einer Show namens „Theatersport“ auf. Was erwartet uns dort?
Dort improvisiere ich mit Freunden um die Wette, und das Publikum vergibt Punkte. Dabei geht es aber nicht um Gewinner, sondern einfach um Spaß.

Sie stehen seit gut 20 Jahren auf der Bühne. Wie fing das alles an?
Ich konnte ganz gut jonglieren und bin damit von Geburtstag zu Pfarrfest getourt. Damit bin ich auch bei dieser „Filmdosenshow“ mit Hella von Sinnen aufgetreten, das war der Anfang.

Warum ist Köln eine solche Hochburg der Comedyszene geworden?
Das Rheinland bietet mit seinem Karneval eine sehr gute Basis. Die Kinder lernen ja schon ganz früh, lustig zu sein. Und die Rheinländer sind total katholisch. Hier laufen ohne Ende Messdiener rum, und ganz schön viele Comedians waren früher Messdiener. Da lernt man ja auch, etwas vorzutragen und sich zu verkleiden.

Derzeit drehen Sie mit dem Switch-Team ein „Wetten, Dass“-Special …
Genau, da habe ich gestern noch als Gottschalk eine Außenwette moderiert, das hat total viel Spaß gemacht.

Kennen Sie Thomas Gottschalks Reaktion auf Ihre Parodie?
Er hat mich beim Fernsehpreis mal angesprochen, er fand es wohl super. Aber es kann sich auch kaum jemand erlauben, zu sagen, dass er es doof findet. Der wird dann gleich als beleidigte Leberwurst abgestempelt.

Wo fühlen Sie sich wohler – auf der Bühne oder beim Dreh im Studio?
Wenn ich alles machen kann. Wenn ich nur auf der Bühne stände, würde ich das Fernsehen sehr vermissen. Sowohl das große Publikum als auch den Aufwand: Kostüm, Maske, wo man drei Stunden drin sitzt, Riesenaufbau für eine solche Außenwette mit Bagger. Das ist eine ganz andere Kunst, als auf der Bühne zu stehen und anderthalb Stunden mit den Leuten zu quatschen. Die Vielfalt macht“s halt.

Sie schreiben zusätzlich Bücher, haben mit Wigald Boning „Nicht nachmachen“ gedreht und vieles mehr – gönnen Sie sich auch Auszeiten?
Das wirkt so, als sei man dauernd präsent. Aber es gibt schon Phasen, wo ich sechs Wochen frei habe. Die muss ich mir auch nehmen, sonst wird man weich. Gerade, wenn man spontan auf der Bühne steht oder auch für „Genial daneben“: Da muss ich meinen Horizont erweitert halten, damit einem auch was einfällt.

Empfinden Sie einen Ihrer Jobs als harte Arbeit?
Der härteste Job ist „Switch“, weil man unheimlich viel Text lernen muss und der Maskenaufwand so groß ist. Aber ich stelle gerade fest, dass selbst mein härtester Job ein sehr angenehmer ist.

Sie wohnen in Bonn, arbeiten in Köln – was gefällt Ihnen hier am besten?
Ich kenne ja auch die anderen Großstädte, aber wenn du hier in einer Kneipe sitzt, wirst du angequatscht. Dieses Gefühl herrscht hier überall – eine extrem offene und nette Stadt.

Wo gehen Sie hier gerne aus?
Clubs mag ich gar nicht. Ich kenne keine Heavy-Kneipe in Köln, sonst würde ich dort mal hingehen. Ich gehe demnächst zu Sabaton, einer schwedischen Heroic-Metal-Band, wenn die live in der Essigfabrik spielt.

Das Gespräch führte Martin Steuer