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PRINZ unterwegs: Das Trafostation 61 Festival

Das „Trafo“ ist ein großer Geheimtipp der Kölner Festivallandschaft. Wir waren natürlich für euch da.



„Von Freunden für Freunde“ ist das Motto des dreitägigen Festivals im Herzen Frechen-Grefraths.  Dabei hat sich das aus einer überdimensionalen Geburtstagsfeier entwickelte Event längst einen Namen in der Musikszene der Domstadt gemacht. Und das szeneübergreifend, denn auf der Bühne wechselte sich auch dieses Jahr wieder Metal mit Reggae und Stoner mit Jazz-Rap ab. Kein Wunder also, dass über 500 bunt gemischte Besucher ihren Weg auf den Hügel gefunden haben.

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„Da ist ’ne fette Kröte in der Umkleidekabine!“, hört man jemanden schreien, der gerade eine Aladinhose im „Rauchladen“ anprobieren will. „Ach, die kommt schon zum dritten Mal.“, antwortet ein entspannter Feuerwehrman und trägt das Ding ein Paar Meter weiter in den Wald. Es überrascht nicht, dass sich Amphibien auf dem diesjährigen Trafo sehr wohl fühlen. Nicht nur ist das Gelände in der Nähe des Papsthügels (wurde zum Besuch von Papst Benedikt XVI zum Weltjugendtag anno 2005 aufgeschüttelt und interessiert seit dem keinen mehr so richtig) eine wahre Naturoase, es schüttet auch noch wie aus Eimern. Doch auch Warmblüter mit einer Vorliebe für Musik wissen das Gelände zu schätzen und kriechen immer wieder aus ihren verschlammten Zelten hoch zur Bühne. Der Regen scheint keinem was auszumachen – dafür hat sich das Stammpublikum zu sehr auf das Wochenende gefreut.

Gute Laune, die ansteckend ist. Auch wenn man noch nie vorher hier war, fühlt man sich sofort zugehörig. Denn Bands, Crew, Verkäufer und Fans sind kaum voreinander getrennt. Sonja Vögeler, die Verkäuferin des „Rauchladens“ sieht man am Vormittags einen Batik-Workshop veranstalten und Abends vor der Bühne zu der fantastischen Show der Kölner Death Metal Kapelle „Ayahuasca“ headbangen. Eduardo Vizzarro gibt beim Frühstück (es gibt täglich Rührei mit Bacon vom eigens dafür verantwortlichen Bacon-Meister) für alle Interessierten Gitarrentipps, bevor er Abends selbst mit seiner Band „Act Of Worship“ ordentlich Gas gibt. Und die Köche des Asia-Food Stands stehen mit ihrem Reggae irgendwann ebenfalls auf der Bühne. Diese Mischung ist ein wichtiger Bestandteil des Erfolgsrezepts – selten fühlt man sich auf einem Festival so schnell zuhause, wie hier.

Ein weiteres, wichtiges Standbein, ist die Auswahl der Bands. Hier setzt man ausschließlich auf kleinere Kapellen – dafür aber auf einem ordentlichen Niveau (wie die in Köln längst bekannten Psychedelics „Superhard Boys“) und auf kein Genre beschränkt. Hier schüttelt der Hippie die Dreads zum Metal, der Metaler tanzt zum Jazz-Rap (dieses Jahr sehr gekonnt von „Colektivo“ durchgezogen) und der Hip-Hoper gönnt sich Stoner Rock. Und auch für die Bands bieten sich fantastische Momente vor einem großen Publikum. Während die Menge tagsüber noch verstreut ist, sammelt sich spätestens nach Einbruch der Dunkelheit der Mob vor der Bühne und feiert die Bands. Und nach den Gigs versammelt sich eh alles beim Trommeln (ausgedehnte Percussion Sessions mit Profis und amateuren haben hier Tradition) im Chill-Out Zelt oder um den ständig lodernden Schwenkgrill in der Grillhütte.

Alles in allem also eine denkwürdige Zeit, die nächstes Jahr sicherlich eine Wiederholung haben wird. Dann hoffentlich nicht mehr als „Das versunkene Krötenkönigreich“, wie es die Besucher wegen des Wetters getauft haben. Obwohl – Spaß gemacht hat es auch so. Und wie!

Am Ende haben wir Simon Solde, einen der Geburtsväter des Festivals zu einem kurzen Gespräch genötigt.

Simon, wie lief die Organisation für euch dieses jahr? Gab es böse/gute Überraschungen? Immerhin habt ihr ja schon 3 Jahre Erfahrungen sammeln können.

Simon: Also, die Organisation ist im Vergleich zu den letzten Jahren deutlich ausgereifter und stimmiger geworden. Wobei wir dieses Jahr relativ kurzfristig höhere Auflagen (durch die Stadt Frechen) erhalten haben, die es in den Vorjahren so noch nicht gab. Dementsprechend war es kurz vor dem Trafo sehr stressig für uns und wir mussten zudem auch finanziell deutlich mehr aufwenden.

Der Regen hat den meisten Besuchern scheinbar absolut nichts ausgemacht – es wurde immer gefeiert. Was meinst du, macht eure besondere Stimmung aus?

Simon: Der Regen hat mir persönlich das Festival ganz schön vermiest, da bei gutem Wetter mit ziemlicher Sicherheit deutlich mehr Besucher gekommen wären. Allerdings freue ich mich darüber, dass wir doch noch ca. 520 Gäste (plus Bands und Helfer) zum Trafo locken durften. Im Vergleich zum Vorjahr haben wir uns also trotz des schlechten Wetters nicht merklich verkleinert. Und ich muss sagen, ich habe dieses Jahr sehr viele Gesichter aus den Vorjahren wieder erkannt. Ich habe gemerkt, dass die Besucher aus den vorherigen Jahren wieder kommen und sich quasi allmählich aus dem Motto „Von Freunden für Freunde“ eine große Familie bildet. Bekannte Gesichter treffen sich auf dem Trafo wieder und neue Gesichter werden herzlich mit Bier, gutem Essen, guter Musik und einer stimmungsvollen Atmosphäre begrüßt. Wer sich da nicht gehen lassen kann, ist selber Schuld. 

Was sind die Prognosen für das nächste Jahr? Gibt es Sachen, die ihr unbedingt verändern wollt/müsst?

Simon: Im nächsten Jahr ist ein anderes Wetter definitiv ein Muss, nur leider können wir da wenig dran drehen. Wir haben aber in jedem Fall vor, die Stromversorgung und die Sanitäreneinrichtungen zu erneuern bzw. zu verändern, damit ein reibungsloser und störungsfreier Ablauf der Veranstaltung einfacher wird. Ansonsten suchen wir weiterhin Sponsoren, um vielleicht endlich im 5. Jahr die erste „größere“ Band holen zu können. Aber das bleibt abzuwarten.. Alles in allem hat das Trafo und die gesamte „Kruw“ sich in den vier Jahren sehr gut zusammengefunden und wir versuchen mit jedem Jahr ein Schritt weiter zu gehen, um größer und professioneller zu werden.


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