Ich liebe Kino. Wer tut das nicht?! Doch leider vermiest mir der voranschreitende Sittenverfall so manchen Saalbesuch: Nachbarn, die quasseln, rascheln oder meine Rückenlehne als Fußbank benutzen, haben mich schon zur cineastischen Weißglut getrieben. Die durch arg wechselhafte Sommer gebeutelten Open-Air-Kinos sind da auch keine Lösung, zumal man dort oft unbequem sitzt. Umso angenehmer gestaltete sich vor kurzem ein Besuch in einem der wenigen verbliebenen Autokinos Deutschlands, das seit 1967 in Porz existiert: bequeme Sitze ohne Kaugummireste, beste Sicht auf die größte Leinwand der Stadt, ausgesuchte Sitznachbarn und satter Sound durch das eigene Autoradio – und das alles für 6 Euro Eintritt pro Person. An dem Abend waren allerdings nur fünfzehn Fahrzeuge auf dem Gelände, das Platz für 1 100 bietet. Da kann man es angesichts des grassierenden Kinosterbens schon ein wenig mit der Angst um dieses Kintopp- Kleinod zu tun bekommen.

Doch ein Anruf bei Pia Eichelmann von der Kinoleitung zeigt, dass das eine Ausnahme unter der Woche war. Das Kino laufe gut, gerade erst habe man den Pachtvertrag für das Gelände im Industriegebiet um weitere 25 Jahre verlängert: „Wir haben viele Stammgäste, die seit Jahren kommen. An Wochenenden und bei Premieren sind wir oft ausverkauft, und vom Fahranfänger im ersten Auto bis zum rüstigen Rentner ist alles dabei.“ Gespielt wird so ziemlich bei jedem Wetter, außer wenn allzu dichter Nebel die Sicht verhängt, „bei Regen reiben manche ihre Frontscheibe vor dem Film mit Zwiebeln ab, damit das Wasser abperlt“, und im Winter verleiht Pia Eichelmann kostenlos Heizlüfter. Wird’s zu warm, öffnet man das Fenster. Jetzt bräuchte ich nur noch einen fahrbaren Untersatz. Diejenigen unter meinen Freunden, die noch über ein Auto verfügen, wundern sich schon, warum ich seit neuestem immer so freundlich bin. Daniel Giebel