Gehobenes Wohnviertel, Treffpunkt für Kreative und Künstler, Ballungsraum für Agenturen und Medienmacher, Szene- und Gastromeile: das Belgische ist eines der lebendigsten Viertel der Stadt. Sein Gesicht verändert sich allerdings ständig.Aktuelles Beispiel: Bis vor drei paar Jahren dominierte Autoverkehr die Aachener Straße. Auf Initiative von Anwohnern wurde die Politik aktiv und entschied bereits 1997, den Abschnitt zwischen Brabanter und Moltkestraße neu zu profilieren. Acht Jahre, etliche Gutachten und Gestaltungsvorschläge später, war der nördliche Bürgersteig verbreitert, neu bepflanzt, eine komplette Fahrbahn verschwunden. Durch die vergrößerten Außenflächen von Buy Buy, Theater im Bauturm, Lauschgift und Gonzales & Gonzales entstand auf rund 200 Metern Länge eine Open-air-Area, die es so bis dato in der Innenstadt nicht gab.

Die Neuzugänge Metzgerei & Salon Schmitz, eine Mischung aus Café, Imbiss, Bar und Lounge, verleiht dem ganzen Geschehen zudem Hamburger Schanzenflair. „Unser Konzept stand schon vor der Umgestaltung, auch für den Außenbereich. Dass der nun größer ist als anfangs gedacht, kommt uns natürlich sehr entgegen“, sagt Betreiber Dirk Mecky. Derweil schielen Bar Tabac, Café Storch oder Vesuvio neidisch auf die gegenüberliegende Sonnenseite, doch auch sie profitieren vom allgemeinen Publikumszuwachs der Aachener Straße. Einer, der diese Veränderungen weniger mit beruflichem als mit persönlichem Interesse beobachtet, ist der Chef einer traditionsreichen kölschen Institution, Peter Millowitsch. Sein Theater erfreut sich ungebrochener Beliebtheit bei Touristen und Kölnern, egal wie schmal oder breit der Bürgersteig ist. „Seit ich denken kann, ist das Theater und damit die Aachener Straße Bestandteil meines Lebens. Was sich in den letzten Jahren hier entwickelt hat, ist wirklich toll“, schwärmt er. Dass das Viertel lebendig bleibt, stellen außer den Besuchern vor allem die Bewohner sicher – was mit der hiesigen Altersstruktur zur tun hat. Über die Hälfte der 7 263 Einwohner des Belgischen Viertels (Stand: 31.12.2006) sind zwischen 25 und 45 Jahre alt. Sie sind es auch, die sich Treffpunkte unabhängig vom gastronomischen Angebot erschließen: Seit einiger Zeit wird der Brüsseler Platz an regenfreien Abenden regelmäßig zur Biergartenalternative – die Kioske ringsum haben nichts dagegen.

Weiter geht’s auf der nächsten Seite.

Auf der Venloer Straße ist es umgekehrt: Das Stadt Venlo ist bereits seit drei Jahren eine angesagte DJ-Kneipe, hat aber eigentlich keinen Platz für Außengastronomie. Dennoch gleicht der Bürgersteig davor an vielen Wochenenden einer Freiluftparty. „Im Sommer stehen oft mehr Leute vor der Tür als in der Kneipe selbst“, konstatiert Inhaber André Sauer und nimmt’s gelassen. Denn er und seine Mannschaft sehen sich nicht ausschließlich als Gastronomen. Sie sind fest in der Kölner Elektronik-Szene verankert, veranstalten Partys in Odonien, auf dem Expo-Gelände und im Bogen 2 und mischen außerdem bei Großevents wie „Lange Nacht der Kölner Museen“, „art.fair“ und „c/o pop“ mit. Der Veränderungen nicht genug: Seit sich die großen Handelsketten in der Ehrenstraße breitmachen, suchen und finden viele kleine Shops rund um die Brüsseler Straße ein neues Zuhause. Unzählige Friseure und immer mehr Modeund Schmuckdesigner eröffnen hier ihre eigenen Läden. Plattenläden wie Groove-Attack, Parallel Schallplatten oder auch der Hörbuchladen von WortArt sind seit einigen Jahren im Veedel angesiedelt. Hier ist noch Platz für innovative Geschäftsideen! Das gilt auch für das Team von „Ehrensenf“, ein Internet-TV-Format, das seit November 2005 fünfmal pro Woche Skurriles und Lustiges durch die Netzwelt schickt. Es ist sicher kein Zufall, dass es sein Mini-Studio Tür an Tür mit anderen Medienmachern unterhält. Zu denen übrigens auch PRINZ irgendwie gehört, obwohl die Redaktionsräume geschätzte 37 Meter außerhalb der Viertelgrenzen liegen. Denn ein Großteil der PRINZ-Mannschaft lebt im Belgischen Viertel – da, wo die Trends von morgen entstehen.