Die Deutzer Skyline hat Zuwachs bekommen. Bisher beherrschte die Kölnarena den Blick aufs rechte Rheinufer – seit 2005 teilt sich Deutschlands größte Mehrzweckhalle dieses Privileg mit dem LVR-Turm. Für den Wandel des rechtsrheinischen Teils der Innenstadt zur Boomtown ist der 103-Meter-Bau ein sichtbarer Beweis – aber längst nicht der einzige. Ein Blick von seiner Aussichtsplattform im 29. Stock offenbart das Baustellen-Panorama in seiner ganzen Pracht: Am Ottoplatz wird gerade der Deutzer Bahnhof vom Keller bis zur Kuppel renoviert. Ein paar hundert Meter weiter bekommen die Rheinhallen ein Makeover – 2009 wird der Fernsehsender RTL hier sein Lager aufschlagen. Die Anwesenheit des TVRiesen wird Modernisierungsfieber und Image des rechtsrheinischen Viertels zweifellos noch steigern. Markante Architektur im Stadtteilzentrum bieten die Constantinhöfe – auch von innen, wie alle wissen, die schon einmal im Vapiano gegessen haben. Das stylische Ambiente lässt vergessen, dass der Laden Teil einer Restaurantkette ist.

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Gleiches gilt für das Mongo’s am Fuße des LVR-Turms, ebenfalls Ableger einer Systemgastronomie. Das Brauhaus ohne Namen setzt auf urige Atmosphäre und gute Hausmannskost, während das HoteLux sich optisch und kulinarisch an den Traditionen der Ex-Sowjetunion orientiert. Mit Spannung erwartet: die Wiedereröffnung der Kultkneipe Lommerzheim. Ob das traditionelle Kotelett mit Zwiebeln, Pommes und Ketchup in gewohnter Qualität und Größe wieder auf der Karte steht, bleibt abzuwarten. Es wäre ein Highlight für ganz Köln, vor allem aber für die Düxer, die sich über die Rückkehr von etwas Vertrautem freuen würden. Denn viele haben beim Wirbel um ihr Veedel den Boomtown- Blues bekommen – die Geschäftsleute auf der Deutzer Freiheit befürchten, vom Wachstum nicht zu profitieren. Das meiste passiere an den Rändern des Viertels, meinen sie. Auch Marianne Noisten vom Düxer Kieslade ist skeptisch. Als Wohnort legt die Käsespezialistin ihren Stadtteil trotzdem jedem ans Herz. „Wir sind eine gut funktionierende Gemeinschaft und offen für neue Leute.“ Für Deutz spricht außerdem die relaxte Atmosphäre. Beim Einkaufsbummel hat man zwar keine Riesenauswahl an Klamottenläden, dafür aber viel Gelegenheit für nette Gespräche mit den Verkäufern.

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Ein weiterer Pluspunkt: die noch relativ erschwinglichen Mietpreise. Kalt kostet eine 80-Quadratmeter-Altbauwohnung zwischen 550 und 700 Euro. Tendenz allerdings steigend. Wer die Koffer packen und rübermachen will, sollte sich deshalb beeilen. Übrigens: Ein Drittel der potenziellen Nachbarn ist zwischen 18 und 35 Jahren alt. Und ein bisschen Multikulti hat Deutz mit einem Ausländeranteil von 14 Prozent ebenfalls zu bieten. Die Seele baumeln lässt man in Düx in der Claudius Therme, eine der schönsten Kölner Badeund Saunalandschaften. Wer lieber im Grünen entspannt, hat mit dem 40 Hektar großen Rheinpark das Naherholungsgebiet direkt vor der Tür. Bis 2010 will die Stadt das Flussufer aufhübschen und zum Rheinboulevard ausbauen. Die Aussicht von Deutz auf die Innenstadt ist auch so schon spektakulär, findet Volker Streckel, Geschäftsführer der Design Post, einem Showroom für aktuelle Möbeltrends: „Ich kann nicht verstehen, warum Deutz linksrheinisch kaum wahrgenommen wird. Hier gibt es genauso schicke Läden zum Ausgehen wie am Friesenplatz, aber die Stimmung ist viel entspannter.“ Doch Deutz kann auch rocken. Heiß sind die Nächte in der Elektroküche, wo feinster Techno auf die Teller kommt. Nicht zu vergessen: der Tanzbrunnen als Open Air- Location mit dem angegliederten Theater am Tanzbrunnen für Events von Party bis Comedy. Im HoteLux fließt der Wodka bis in den frühen Morgen. Inhaber Mariusz Becker hat im Keller soeben eine Raucherlounge, den Proletarierclub, eingerichtet. Ihm kommt der Boom gelegen: „Veränderung ist in einer Großstadt normal und wichtig. In Deutz kann man zurzeit jede Menge Neues auf die Beine stellen.“