In ihrem Kiez fühlt sich Mia pudelwohl. Egal ob Kneipe oder Café – die Dackeldame kennt sich aus mit den Hotspots rund um die Neusser Straße. Gerade beschnuppert sie den Holzfußboden im Café Lupus, wo Frauchen Gudrun Geyssel ihren Frühstückscappuccino trinkt. Die Designerin des Modelabels „Meins“ wohnt seit zwei Jahren im Agnesviertel – mit wachsender Begeisterung. „Hier hat man alles, was man braucht, direkt um die Ecke, und man ist schnell in den anderen Vierteln. Dennoch geht es nicht so turbulent und trashig zu wie beispielsweise in Ehrenfeld“, erklärt die gebürtige Kölnerin. Für die gemütliche Atmosphäre im dem Viertel rund um die Kirche St. Agnes, das offiziell zum Stadtteil Neustadt-Nord gehört, sorgt vor allem die Überschaubarkeit: Im Norden reicht es bis zur Inneren Kanalstraße, im Süden bis zum Ebertplatz. Westliche Grenze ist die Krefelder Straße, im Osten ist an der Riehler Straße Schluss. Rund 13 600 Menschen teilen sich das kleine Areal mit den gepflegten Altbauten und schönen Alleen. Zusammen ergeben sie einen interessanten Mix, findet Gudrun Geyssel: „Hier wohnen junge Familien, alteingesessener Kölsch-Adel und jede Menge Medienschaffende ganz relaxt nebeneinander.“ Studenten sieht man seltener, Besserverdiener dagegen öfter. Protzig ist das Agnesviertel jedoch nicht, meint Geyssel: „Wer Geld hat, lässt das nicht raushängen.“ Im wachsenden Wohlstand des Viertels sieht Birgit Breuer vom Bürgerzentrum Alte Feuerwache allerdings auch eine gewisse Gefahr: „Momentan gibt es hier eine gute Mischung verschiedener sozialer Schichten. Das droht jedoch zu kippen, wenn noch mehr Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt werden, welche dann für ärmere Familien unerschwinglich sind.“ Noch sei das aber nicht der Fall, was auch ein Blick auf den großen Hof der Feuerwache zeige, so Breuer. „Hier kommen Leute aus allen Altersgruppen und Schichten zusammen.“ Einen Querschnitt des Veedelvolks hat auch Paul Bergmans täglich vor Augen.

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Zusammen mit seinem Lebenspartner betreibt der Belgier seit 1973 die Wäscherei Theo Kiekens, die wohl kultigste Reinigung Kölns. Die Wände des kleinen Betriebs in der Weißenburgstraße pflastern unzählige Autogramme von Prominenten, die seit Jahren nur Theo und Paul an ihre Wäsche lassen. Am Agnesviertel schätzt Paul Bergmans die familiäre Stimmung. „Zu uns in den Laden kommen die Kunden teilweise schon in der dritten Generation“, erzählt der 72-Jährige. „Und wenn doch mal welche von hier wegziehen, passiert es nicht selten, dass sie irgendwann wieder bei mir im Laden stehen und fragen, ob ich nicht eine freie Wohnung für sie weiß.“ Von schmutziger Wäsche und Wohnungsvermittlung erholt sich Bergmans am liebsten in der Weißenburg: „Da geht es im besten Sinne kölsch zu.Man sitzt bloß wenige Minuten und hat gleich Kontakt zu anderen Gästen.“ Gudrun Geyssels neuer Favorit ist die Trattoria Tre Santi in der Kasparstraße. „Wegen des leckeren Essens und der ausgesprochen netten Besitzer“, sagt sie. Gute Restaurants, Kneipen und hübsche Cafés gibt es viel. Da wären zum Beispiel Le Moissonnier, Rincóns, Stüssers, Café Elefant und das beliebte Bar Café auf der Neusser Straße. In puncto Nightlife ist – von der Bar Orange mal abgesehen – hinterm Ebertplatz nicht viel los. In Sachen Shopping dafür schon. „In den vergangenen Jahren haben viele neue Läden aufgemacht“, sagt Meike Diedeling, die in der Schillingstraße selbst einen der Newcomer betreibt. Die Textildesignerin entwirft witzige Motive für Strümpfe und Strumpfhosen. Produkte abseits der Stange verkaufen außerdem Bonodeluxe sowie Seitensprung, beide ebenfalls in der Schillingstraße. Am Ende findet Gudrun Geyssel noch einen weiteren Pluspunkt für ihr Veedel: „Toll finde ich auch, dass man im Handumdrehen am Rhein ist. Spaziergänge dort sind wie ein kleiner Urlaub. Ich freue ich mich jedes Mal darauf.“ Und Mia natürlich erst recht.

Susanne Theisen