Sobald die Sonne scheint, wimmelt es auf der Sülzburgstraße nur so von Fußgängern, Kinderwagen und Fahrradfahrern. Derweil quetschen sich Autos Stoßstange an Stoßstange auf der Jagd nach den immer viel zu knappen Parkplätzen. Mittendrin, auf den schicken Retrosesseln der Kaffeebar Melange Orange, sitzt Frauke Kronemeyer und gönnt sich gerade eine Pause. Sie wohnt seit zehn Jahren in Sülz und betreibt hier ihre Ferienhausagentur Meerblick Reisen. Sie mag das Veedel vor allem wegen seiner abwechslungsreichen Mischung an Menschen: „Hier leben viele Singles und Studenten, aber genauso auch Familien und Senioren.“ Unschlagbar findet die nette Reisefachfrau außerdem die Lage: „Man wohnt praktisch im Grünen, hat – wenn man will – seine Ruhe und ist trotzdem schnell in der Innenstadt.“ Zum Ausgehen müssen die knapp 37 000 Sülzer nicht unbedingt in die City fahren. Kneipen, Cafés und Restaurants haben sie zur Genüge vor der eigenen Haustür – dementsprechend ist immer viel los rund um die Luxemburger Straße.

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Wenn die Veedelsbewohner der Hunger auf Asiatisches aus dem Haus treibt, steuern sie gerne Viman oder Ha-Long- Bucht an. Tapas gibt es bei Zimt & Rosen oder bei Pablo. Eine gute Adresse für italienische Küche ist die Trattoria Riviera. Heißer Tipp für den Sommer: die vielen Biergärten. Über schöne Außenbereiche verfügen das Haus Unkelbach, das neu eröffnete SalonNeo sowie der Petersberger Hof, der kartografisch eigentlich zu Klettenberg gehört. Zum Tanzen empfiehlt sich das ABS. Aber trotz des vielfältigen Location- Angebotes wirkt Sülz nicht hektisch. Frauke Kronemeyer kennt auch den Grund dafür: „Das Veedel ist keine Absturzgegend, wo man die Nächte bis zum Morgengrauen durchfeiert. Man trifft sich eher in gemütlicher Runde zum Essen und Plaudern.“ Gemeinsame Sache für ihr Veedel machen die Sülzer auch in puncto Shopping. „Die Leute erledigen ihre Einkäufe weitgehend in den hiesigen Geschäften, um diese zu unterstützen“, erzählt Sibylle Hansen, Chefin des Designgeschäfts Köln-Jakarta. Daher findet man nirgendwo in Köln noch so viele inhabergeführte Läden auf einem Fleck.

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Für Sibylle Hansen, die hier aufgewachsen ist, macht gerade dieser Umstand Sülz zu einem Stück heile Welt. Ähnlicher Ansicht ist Denise Steitz. Sie hat sich das Viertel vergangenes Jahr als Standort für ihre Modeboutique Save the Love ausgesucht. Der kleine Laden mit dem roten Teppich, den Kronleuchtern und den originellen Klamotten gehört zu denen, die das gutbürgerliche Angebot von Metzgerei bis Juwelier aufpeppen. Neuankömmlinge werden schnell angenommen – das Save the Love ist dafür der beste Beweis: Es ist gut besucht von den unterschiedlichsten Leuten. „Meine Kundinnen sind zwischen 12 und 60 Jahren alt“, erzählt Denise Steitz. Auch für Familien ist Sülz wegen seiner guten Infrastruktur und dem schönen Beethovenpark ein prima Ort zum Leben. Und die Nähe zur Uni zieht rund um die Zülpicher Straße natürlich das studentische Publikum an. Die Mieten bewegen sich insgesamt zwar nicht auf Schnäppchenniveau, sind aber noch bezahlbar. Vermutlich auch ein Grund, weshalb viele ehemalige Studierende einfach geblieben sind. Die Akademikerdichte im Stadtteil ist dementsprechend hoch.

Und noch eine Gruppe trifft man im Veedel häufig an: Künstler. Sülz ist traditionell ein Stadtteil der Bildhauer und Maler, unter anderem gehörte Surrealist Max Ernst Anfang des 20. Jahrhunderts zu den Anwohnern. Das kreative Leben ist auch im heutigen Alltag sehr präsent. Seit fünf Jahren findet beispielsweise im Herbst das Festival Kunst im Carrée statt, in dessen Rahmen Künstler ihre Werke in Geschäften und öffentlichen Räumen ausstellen. Also auch hier wieder ein erkennbares Sülzer Miteinander. „Insgesamt hat Sülz eine erfreuliche Entwicklung durchgemacht“, findet Sibylle Hansen rückblickend. „Früher war Sülz ein bisschen zu ruhig. Das hat sich definitiv geändert.“

Susanne Theisen