Der Mann hat Stil und Haltung, und das selbst nach einer Nacht, die sehr lang gewesen sein muss. Am windig-verregneten Südkap des Rheinauhafens entert Jens Arning ganz in robustes Schwarz gekleidet das Restaurant und zieht die ebenfalls pechschwarze russische Pelzmütze vom Kopf. Ein fester Händedruck, ein direkter Blick und ein offenes Lächeln, dem man die Strapazen nicht so ansieht, wie Arning es mit Worten suggerieren will. Erst jetzt fallen die verschlungenen Logos auf seiner Daunenweste und dem Hemd darunter auf: King Kamehameha. Gleich nach unserem späten Lunch muss er wieder an seinen neuen Arbeitsplatz, der gestern Abend am anderen Ende des Rheinauhafens, gleich gegenüber dem Sport- und Olympiamuseum, endlich Eröffnung feiern konnte. Gegen vier Uhr nachts seien die letzten Gäste gegangen, dann habe das große Aufräumen begonnen, um acht Uhr sei er erst im Bett gewesen, erzählt Arning. Dennoch wirkt er elektrisiert, voller Tatendrang. Für den frischgebackenen Barchef ist mit der Eröffnung eine lange Bau- und Vorbereitungsphase mit viel Stress, Schweiß und Herzblut abgeschlossen. Die viel wichtigere beginnt aber erst – der alltägliche Betrieb: „Die nächsten sechs Monate werden richtig spannend“, freut sich Arning.

Wohl spätestens im Sommer wird sich zeigen, ob und wie die eher bodenständigen Kölner die sogenannte „Suite“ annehmen. Die aus Frankfurt importierte Mischung aus edlem Restaurant, Bar und Lounge mit großer Terrasse, eigener Band und kleiner Tanzfläche wird in der Stadt der schummrigen Brauhäuser natürlich erst mal kritisch beäugt wie das gesamte „Veedel“ Rheinauhafen. Doch Arning, der unter anderem in der Capri- Lounge, dem Spirits, dem Al Salam und im Kap am Südkai hinter der Theke gestanden hat, winkt ab: Als beispielsweise das Barrios am Hohenzollernring aufgemacht habe, sei die einhellige Meinung der Friesenstraßen- Macher gewesen, dass die Location nicht lange durchhält. „Jetzt haben sie fünften Geburtstag gefeiert und der Laden ist immer voll, von mittags bis nachts, während an der Friesenstraße gejammert wird.“ Einwände, dass der Promifaktor bei der Eröffnung eher gering gewesen sei, lässt er nicht gelten.

In Köln gebe es halt nicht so eine Promikultur wie in Hamburg oder Berlin – aber man habe schon gemerkt, dass viele gut betuchte Gäste da waren. Außerdem hätten ihn in den letzten Wochen auffällig viele alte Bekannte angerufen, von denen er lange nichts mehr gehört hatte. Das zeige doch, dass das Interesse da sei. Im Übrigen, sagt Arning zum Abschied, freue er sich auf die Gäste, die das ganze Gerede drumherum nicht interessiere – die, „die einfach kommen und es sich gut gehen lassen wollen“.

Unser Autor Daniel Giebel ist freier Mitabeiter und Partyredakteur der Kölner PRINZ-Redaktion. Mit Jens Arning war er Mittagessen im: Kap am Südkai, Agrippinawerft 30, Tel. 35 68 33 33, Mo-Fr 10-24, Sa/So 12-24 Uhr, kapamsuedkai.de