Der „Zoch“ zieht jährlich über eine Million Jecken in die Stadt und ist und bleibt damit der absolute Höhepunkt des Kölner Karnevals. Auch 2009 werden Jung und Alt bunt kostümiert den Wegrand durch die Innenstadt säumen. Sie werden „Alaaf“ rufen, bis die Stimme versagt. Sie werden sich nach Kamelle strecken oder gleich umgedrehte Regenschirme und Kartons über die Köpfe halten. Sie werden die Trumm schlagen, bis die Hände bluten. Und sie werden ihren hart erkämpften Platz selbst dann nicht räumen, wenn die kölschbefüllte Blase zu bersten droht oder Kälte, Nässe und Gebütze die Grippeviren so schnell verbreiten wie Blogger in aller Welt das Schuhwurf-Video von George W. Bush.

Wem das alles zu stressig klingt, der sollte vielleicht mal die über den gleichen Weg paradierenden Schull- und Veedelszöch am Sonntag oder gleich die Züge am Dienstag in den Stadtvierteln besuchen. Hier pocht das Herz des Karnevals vielleicht nicht so TV-würdig laut wie am Montag, dafür hat man Platz, selbst die kleinsten Pänz kriegen genug Wurfmaterial ab, und die ungestressten Veedels-Gastronomen lassen einen sogar für lau aufs Örtchen. Dann passt auch wieder das Sessions- Motto: „Himmlisch jeck“.
Daniel Giebel