Vorab: PRINZ hat auch kein Patentrezept, wie Integration und ein fruchtbares und vor allem friedliches Miteinander der vielen verschiedenen Kulturen und Menschen in unserer Stadt auch in Zukunft gelingen können. Vielleicht braucht es auch gar kein solches Rezept, denn im Prinzip klappt es hier doch sehr gut mit der Vielfalt. Doch eines sollte klar sein: Ein Transparent, auf dem die Worte „Sachsenwut – Moslemflut“ stehen, trägt sicherlich nicht zur sachlichen Diskussion um Muslime in Deutschland im Allgemeinen und die Kölner Moschee im Besonderen bei. Da kann ProKöln im „Anti-Islamisierungsfilm“ noch so viel harmloses Geklimper – das absurderweise an die Titelmusik der TV-Serie „Alf“ erinnert – dazu einspielen. Oder vorgaukeln, man stehe auf der Seite der in islamischen Ländern verfolgten Christen, oder aber Gandhi und seinen gewaltlosen Widerstand als Vorbild bezeichnen. Der Hauch der Bürgerlichkeit verfliegt sofort, wenn man erfährt, dass der Film nach bewährter Rechtsrock-Manier als DVD an Schulen verteilt wird. Oder wenn man versucht, auf der ProKöln-Website an weitere Informationen zum kommenden „Anti-Islamisierungskongreß“ zu gelangen – die gibt es nur nach Ausfüllen aller Pflichtfelder eines Formulars.

Das riecht dann wieder nicht nach offener Demokratie, sondern nach Abgrenzung und rechtem Angstschweiß am Stammtisch. Und dabei scheint jetzt schon klar, dass der zweite Anlauf eines derartigen „Kongress“ letztlich ein weiteres Fiasko für die Rechten wird. Denn sicherlich mag es sein, dass der wohlkalkulierte Skandal ProKöln viel Medienpräsenz und vielleicht auch ein paar neue Mitglieder beschert. Doch dem gegenüber wird einmal mehr ein weitaus größerer „Aufstand der Anständigen“ stehen, der Köln als Stadt zeigt, in der Toleranz und Miteinander zum Grundgesetz gehören. Einer der Gründe, warum sich so viele verschiedene Menschen in Köln wohl fühlen, ist doch, dass hier jeder Jeck anders sein darf. Daran können weder radikale Muslime noch gewaltbereite Linksradikale rütteln. Und sich bürgerlich gebende „Anti-Islamisten“ schon gar nicht. Daniel Giebel