Der Sommer begann für mich immer, wenn der Eismann mit seinem etwas rostigen Eismobil um die Ecke bog. Mein Eismann von früher hieß Pino, und wenn zum ersten Mal seine „Eismelodie“ erklang – eine leiernde Version von „Für Elise“ – war es um mich geschehen. Meine Eltern zuckten wahrscheinlich genervt zusammen, weil das Gezeter wieder losging. Mir war das egal. Dieses erste Eis des Jahres ist immer noch ein Höhepunkt. Ähnlich wie die ersten käsigen Männerfüße, die einem in Flip Flops auf der Schildergasse entgegenkommen, oder wie die erste Wespe im Colaglas steht es für den Beginn des Sommers. Für viele die schönste Zeit des Jahres. Das erste Eis sollte etwas Besonderes und daher sorgsam ausgewählt sein.

Mit 15 Cent kommt man natürlich nicht weit, selbst ein „Mini Milk“ kostet doppelt soviel. Aber Geiz ist beim Premiereneis völlig fehl am Platze. Man will ja nicht kleckern, sondern klotzen. Ein Spaghetti- Eis bei Breda kommt der Perfektion schon sehr nahe. Oder ein Bio-Eis auf Sojabasis vom hübschen Ice-Ice-Baby-Verkäufer. Vielleicht probiert man sich aber auch durch die neuen Entwicklungen aus den Langnese-Studios oder durch die dicken Keksstücke bei Ben & Jerry’s. Das riesige Angebot überfordert schnell, und deswegen wünsche ich mir, dass ich morgen auf der Straße ein trödeliges „Für Elise“ höre. Dann würde ich ganz schnell in meinen Taschen kramen, den Kölner Stadtverkehr vergessen und mich als Erste vor das Fenster des Eismobils drängeln. „Eine Kugel Schokolade, bitte, Pino. Wie immer.“ Anna Peuckert