Als wir diesen Termin absprachen, fragten Sie, ob ich das „Monster vom Jungferntal“ kenne. Welches Untier soll sich denn da in Dortmund herumtreiben?
(Baum lacht) Ein Kumpel von mir – sehr groß, sehr stark. Mit dem treffe ich mich regelmäßig zum Sparring. Es ist sein Kampfname.

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Boxen – ist das Training für die Rolle?
Nein, das mache ich schon ein paar Jahre länger. Beim Boxen gehe ich an meine Grenzen, und das hat einen reinigenden Effekt für die Seele.

Eben fuhren Sie hier mit einem schweren Motorrad vor.
Ja – eine alte englische Norton.

Schrauben Sie selbst an ihr rum?
Das war früher mal. Mein erstes Motorrad – eine XT 500 – habe ich noch selbst gechoppt. Große Stoßdämpfer, riesige Gabel, lauter Auspuff – die hatte einen richtig guten Sound.

Ich dachte ja eher, Sie biegen mit einem Opel Diplomat um die Ecke.
Nein, ich besitze gar kein Auto. Und der Wagen aus der Serie: Da steht zwar Diplomat drauf, aber eigentlich ist es ein Admiral B. Tolle Autos, die Opel damals gebaut hat. Sehr luxuriös, sehr amerikanisch – wie echte Straßenkreuzer.

Auch wenn jetzt leider kein Autoradio Ihren Soundtrack spielt: Was würden wir hören?
Meist bleibe ich bei ruhiger Musik hängen. Tom Waits berührt mich immer wieder. Oder die letzten Aufnahmen von Johnny Cash, die etwas sehr Ehrliches haben.

Und die 80er?
Musik, Mode, Zeitgeist – mit all diesen Versatzstücken spielt „Der letzte Bulle“ als Serie. Und natürlich wirkt die Musik da am stärksten. Für mich waren die Achtziger Jahre aber auch immer ein vom Kalten Krieg geprägtes Jahrzehnt. Nato-Doppelbeschluss. Atomwaffen. Alles sehr bedrohlich, bis dann die Mauer fiel. Nein, ich bin kein Nostalgiker, der seine Jugend musikalisch verklärt.

Und Mick Brisgau?
Ist ein Fall für sich. Als er aus 20-jährigem Koma erwacht, hat sich die Welt grundlegend verändert. Aber für ihn sind die 80er gestern: Und deshalb hat er ja all diese Kommunikationsprobleme.

Stichwort „Politische Korrektheit“ …
… da spielt viel Heuchelei mit.

Und die gibt es im Ruhrgebiet so nicht?
Hier geht man raubeiniger, aber ehrlicher miteinander um, weil das Revier einfach ein Schmelztiegel der Nationen ist. Denken Sie an die ganzen polnischen Namen – angefangen bei Schimanski.

Schön, dass Sie den Tatort-Kommissar ins Spiel bringen. War er ein Vorbild für die Serie? Oder ist das eher ein schwieriges Thema?
Nein, überhaupt nicht. Götz George schuf mit Schimanski die der wichtigsten Figuren des deutschen Fernsehens: so stilbildend, wie das heute nicht mehr erreichbar ist. Der hatte diese Schnoddrigkeit, hat sich nie ums politisch Korrekte geschert und ist immer wieder über die eigene Menschlichkeit gestolpert: Genau das machte die Figur so interessant.

Götz George wurde seinen Schimi nie mehr los. Wie sieht’s bei Ihnen und Mick Brisgau aus?
Wir sind noch längst nicht so weit, dass wir uns miteinander langweilen. Es wird also wohl noch ein paar Folgen geben.

Das Gespräch führte Jens Wege