Warum habt ihr für unser Interview das Marsil ausgewählt?
Suzie: Die Besitzer sind gute Freunde, die uns und unsere Musik schon lange begleiten und supporten. Und weil wir hier sehr viele Sonnenauf- und -untergänge erlebt haben.

Euer neues Album „Aus lauter Liebe“ ist wirklich sehr schön geworden. Es ist sehr sanft und auffällig schöngeistig.
Suzie: Wir haben jetzt den Mut, direkter über die Liebe zu schreiben, ohne das Thema zu verklausulieren. Sten: Es ist nicht immer schlecht, älter zu werden. Man schleppt mehr Erfahrungen mit sich herum und steht auf dem Lebensweg an anderer Stelle. Ich finde es leichter und klarer, Dinge auszusprechen.

Ihr habt für die neue Platte das erste Mal mit zwei Produzenten gearbeitet. Hattet ihr Lust auf Veränderung?
Sten: Wir wollten mal was Neues ausprobieren, das fühlte sich wichtig und richtig an. Suzie: Sich öffnen! Sten: Genau, wir haben die Grenzen richtig weit aufgestoßen.

Zu Veröffentlichung können Fans auf eurer Homepage Liebesschlösser erstellen. Was hat es damit auf sich?
Sten: Ich habe die Schlösser das erste Mal in Köln gesehen und finde es eine sehr nette Idee. Unsere virtuelle Brücke ähnelt allerdings der Pont d’Arcole in Paris.

Warum spielt die Liebe auf all euren Platten eine so große Rolle?
Sten: Liebe ist unserer Motor.

Das neue Artwork ist ganz an das französische Kino der 50er Jahre, die „Nouvelle Vague“, angelehnt. Warum?
Sten: Neben der Liebe ist Freiheit in all ihren Facetten immer Thema bei uns. In der „Nouvelle Vague“ wurden Grenzen durchbrochen, es gab keinen Entwurf und kein Drehbuch – das gibt es im Leben halt auch nicht. Das passt einfach eins zu eins zu uns, unserer Musik und unserer Lebenseinstellung.

Das Video zur Single „Willst du bei mir bleiben“ ist in Paris gedreht worden und ist sehr innig und intim …
Suzie: Wir waren mal ein Paar und sind es jetzt nicht mehr. Wir lieben uns immer noch und sind befreundet. Sten: Familiärer und enger kann es zwischen uns beiden eigentlich gar nicht mehr sein.

Werden sich auch eure Konzerte der neuen Ästhetik anpassen?
Suzie: Das haben wir schon vor, vor allem mit der Bühnengestaltung. Unser Anspruch ist, eine intime Atmosphäre zu schaffen und keine künstlichen Elemente à la Lady Gaga zu verwenden.

Ihr engagiert euch unter anderem für Pro Asyl, Aktion Mensch und Amnesty International. Warum ist soziales Engagement wichtig?
Suzie: Weil man es kann! Sten: Es ist keine PR-Geschichte für uns, wir machen auch ganz kleine Sachen. Das Miteinander in der Gesellschaft ist einfach verdammt wichtig!

Viele Kreative ziehen in die Hauptstadt. Warum bleibt ihr Köln treu?
Sten: Köln ist eben nicht Berlin, sonder so unspektakulär sympathisch … Suzie: … lässig … Sten: … unanstrengend … Suzie: … offen, tolerant!

Stand ein Umzug nie zur Diskussion?
Sten: Doch, natürlich! Unsere Plattenfirma ist da, daher sind wir auch oft in Berlin. Suzie: Zu Hause fühlen wir uns hier.

Das Gespräch führte Enrico Ippolito