Hallo Domian! Benutzt noch jemand deinen richtigen Vornamen?
Viele Freunde nennen mich Jürgen. Aber es war schon auf der Schule so, dass ich eher Domian gerufen werde, das kam nicht erst durch die Sendung.

Gleich nach dem Interview gehst du wieder auf Sendung – wie jeden Abend seit 17 Jahren. Wie schaffst du das?
Mit viel Disziplin, und die Wochenenden und Sommerpausen sind extrem wichtig. Obwohl ich in der freien Zeit auch noch viel schreibe. Aber ich gehe eben auch an den Wochenenden erst um 5 Uhr ins Bett. Wenn man das ganze Jahr so geschaltet ist, kann man das nicht für zwei Tage umstellen.

Wie wurdest du zum Autor?
Das war ein langjähriger Wunsch. Ich habe Kurzgeschichten für die Schublade geschrieben und hatte immer den Traum, was Größeres zu machen, aber auch Scheu. Vor zehn Jahren musste ich diesen Traum verwirklichen, sonst wäre es zu spät gewesen.

Mit deinem neuen Buch hast du gerade enormen Erfolg. Wie kamst du auf die Idee, den Tod zu interviewen?
Hier im Kaminzimmer des Hotel Savoy traf ich den Verleger, und beim Brainstorming kamen wir immer auf das Thema Tod, das mich schon lange beschäftigte. Da ich Berufs-Interviewer bin, stand schnell fest: Domian interviewt jetzt den Tod. Als ich anfing zu schreiben, merkte ich, dass es mir gut aus der Hand floss. Denn ich hatte mich zuvor ausführlich mit Mystik und Zen-Buddhismus beschäftigt. Das war die Grundlage für die Antworten des Todes.

Ein schweres Thema!
Ich hoffe, es geht den Lesern wie mir nach dem Schreiben: Nach dem „Interview“ ist meine Angst vor dem Tod erheblich geschrumpft. Mein Anliegen ist, ein wenig dazu beizutragen, dass wir Tod und Leben mehr als Einheit sehen.

Apropos Leben: Was machst du im Juli beim CSD?
Ich gehe feiern, werfe mich ins Getümmel und lasse mich treiben – in der Altstadt, im Bermuda-Dreieck …

Ist der CSD aus deiner Sicht zu wenig politisch geworden?
„Ja ich will“ ist ja ein sehr politisches Motto. Wir haben erst dann unser Ziel erreicht, wenn es die völlige rechtliche Gleichstellung von Lebenspartnerschaft und Ehe gibt. Aber es hat sich natürlich in den letzten Jahren schon enorm viel zum Positiven verändert. Ein großes Problem allerdings ist die fehlende Akzeptanz bei vielen Muslimen. Da schlägt uns allzu oft Hass, Verachtung und Ablehnung entgegen. Auch was mir junge schwule Männer mit muslimischem Hintergrund in meiner Sendung erzählen, ist oft erschütternd. Mit dieser Thematik sollten sich die CSDs der kommenden Jahre unbedingt beschäftigen

Noch einmal zu deiner Sendung: Würdest du daran gerne etwas verändern?
Nein, die Sendung ist wie die Tagesschau. Daran kann und sollte man nichts Grundsätzliches verändern. Ich würde allerdings gerne ein zusätzliches TV-Format moderieren, bei dem mir die Gäste leibhaftig gegenüber sitzen. Wir haben einmal auf dem Rudolfplatz eine Pilotsendung produziert. Motto: Kommt vorbei – dann reden wir. Es kamen über 1 000 Menschen. Zudem gehen mir eine Menge Ideen für ein neues Buchprojekt durch den Kopf. Da ist aber noch nichts spruchreif.

Das Gespräch führte Martin Steuer