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Wohnungsmarkt in Köln: Wohnungsnot und kein Ende in Sicht

Kölle am Rhing leidet schon lange unter einem angespannten Wohnungsmarkt. Warum das so ist und wie sich das auswirkt, erfahrt ihr hier.

Kölle am Rhing leidet schon lange unter einem angespannten Wohnungsmarkt. Warum das so ist und wie sich das auswirkt, erfahrt ihr hier.

Was die Mietpreise betrifft, ist Köln leider nicht cool, sondern ziemlich überhitzt. 

Dass es nicht gerade gut ist, wenn in einer Stadt mit Wohnungsmangel viele Wohnungen ausschließlich als Ferienunterkünfte vermietet werden, dürfte klar sein. Die Stadtväter von Köln allerdings haben lange nichts dagegen getan. Doch ab 1. Juli 2019 wird sich das ändern: Ab diesem Stichtag wird es durch die neue Wohnraumschutzsatzung ungleich schwieriger werden, Wohnungen für etwas anderes zu verwenden als für ihren ureigensten Zweck – dem dauerhaften Bewohnen. 

Damit will die Stadt vor allem der Kurzeitvermietung im Stil von Airbnb das Wasser abgraben. Sicher eine gute Grundlagenentscheidung. Das Problem, dass Wohnen in Köln immer teurer wird, werden die Stadtväter damit kaum in den Griff bekommen, denn die Preise werden weiter steigen.

Warum sind Ferienwohnungen für Touristen ein solches Problem?

Vielleicht fragt ihr euch jetzt, warum diese Kurzzeitvermietungen überhaupt so schlimm sind. Schätzungsweise werden 7.000 Wohnungen in der Stadt regelmäßig via Airbnb und Konsorten an Touristen und Geschäftsreisende vermietet – die Dunkelziffer dürfte bedeutend höher liegen. 

Diese Zahl bezieht sich jedoch nicht auf Kurzzeitvermietungen für die Zeitspanne, die der Besitzer selbst in den Urlaub fliegt. Gemeint sind Wohnungen, die eingerichtet wurden, um sie ausschließlich an Touristen und Geschäftsreisende zu vermieten. Seit 2007 wurden immer mehr Wohnungen hauptsächlichzu diesem Zweck umgestaltet. 

Insgesamt gibt es in Köln rund 558.000 Wohnungen. Dieser Bestand ist reichlich dünn. Nimmt man davon einige tausend Wohnungen zum Zwecke der Vermietung an Touristen dauerhaft weg – obwohl die Stadt ein gut ausgebautes Netz an Hotels und Unterkünften hat – verschärft sich diese Knappheit zusätzlich. 

Gründe für die Wohnungsnot

Hinter Kölns Wohnungsknappheit stecken viele Gründe. 1990 war die Rheinmetropole noch keine Millionenstadt. Damals hatte sie 950.000 Einwohner. Im Jahr 2010 durchbrach Köln die Millionen-Grenze. Heute ist die Stadt nicht mehr weit von 1,1 Millionen Einwohnern entfernt. 

Zwischen 1990 und heute ist Köln um rund 150.000 Einwohner gewachsen. Das macht ein Wachstum um eine ganze Großstadt in der Größenordnung von Würzburg, Regensburg oder Neuss innerhalb von knapp 30 Jahren. 

Hinzu kommen noch andere Faktoren:

  • Der Geburtenüberschuss ist in den jüngsten zehn Jahren dramatisch angestiegen. Selbst ohne Zuzügler kommen pro Tag rund 4,5 Neu-Kölner hinzu.
  • Es wird viel(!!!) zu wenig gebaut. Köln bräuchte 6.000 neue Wohnungen pro Jahr. Tatsächlich waren es seit dem Jahrtausendwechsel bestenfalls 2.000 neue Wohnungen jährlich.
  • Die Wirtschaft wächst. 2011 gab es in der Stadt 474.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, mittlerweile weit über 565.000. Weil die Wirtschaft weiter wächst, muss Wohnraum für neue Arbeitskräfte geschaffen werden.
  • Köln ist mit 24 Hochschulen die drittgrößte Studentenstadt der Republik; zudem existieren im unmittelbaren Umkreis weitere Hochschulen. Summa Summarum gibt es gut und gerne 100.000 Studierende in Köln und die meisten von ihnen wohnen auch hier – Tendenz steigend.

Wegen diesen Faktoren stiegen die durchschnittlichen Netto-Kaltmieten in Neubauten von 9,37 Euro/m² im Jahr 2007 auf gut über 13 Euro an. Einer Studie der Kreissparkasse Köln zufolge ist das Preislimit noch nicht erreicht, sodass mit weiteren Mietpreissteigerungen zu rechnen ist.

Kölner wandern in den Speckgürtel ab

Was passiert, wenn die Preise in der Stadt zu teuer werden? Die Leute wandern ins Umland ab. Mittlerweile ist der Wohnraum von Hürth, Siegburg bis nach Leverkusen und Frechen ebenfalls knapp, weil so viele Kölner in den Speckgürtel abwandern.  

Tipps für Wohnungssuchende

Wer in Köln auf Wohnungssuche ist, muss demnach Zeit mitbringen und sich auf große Konkurrenz einstellen. Folgende Tipps werden euch die Suche nach einer Bleibe erleichtern: 

  • Meldet euch auf einem Immobilienportal mit großer Reichweite an. Ladet die App herunter, schaltet die Benachrichtigungen ein und lasst euch per Suchauftrag informieren, sobald Wohnungen vermietet werden, die euren Suchkriterien entsprechen.  Ist eine passende Wohnung dabei, solltet ihr euch schnell beim Anbieter melden – denn die Konkurrenz schläft nicht.
  • Verabschiedet euch von der Vorstellung, dass ihr euch einen Wunsch-Stadtteil aussuchen könnt. Wichtig ist, dass ihr überhaupt etwas bekommt. Und Köln ist ohnehin nicht so groß.
  • Informiert andere über eure Wohnungssuche – Freunde, Kollegen, Kommilitonen, Dozenten, Chefs, ALLE. Manchmal kennt jemand jemanden, der einen Mieter sucht. Informiert euch auch, ob ihr euer Wohnungsgesuch an Schwarze Bretter der Stadt, der Uni oder Bibliothek aushängen dürft. Auch in Geschäften, Clubs und Kneipen ist oft ein Aushang möglich. 
  • Werft einen Blick in Anzeigenblättchen, Stadtteilmagazine, Wochenblätter und Tageszeitungen. Oft gibt es auch hier interessante Wohnungsangebote. 
  • Manchmal hilft es, in Zeitungen eine Wohnungssuchanzeige zu schalten. Wählt hierfür die Zeitungen, die in ganz Köln erhältlich sind, wie etwa Express und Stadtanzeiger. 

Und vor allem: Gebt nicht auf. Zu viele machen den Fehler, nach einigen Wochen erfolgloser Suche den Kopf hängen zu lassen. Auch wenn es schwer ist, eine passende Wohnung in Köln zu finden, ist es machbar.


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